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22. Dezember 2014   Kommentar

Anlagen- und Anlegernotstand

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Der Tenor aktueller Umfragen zum Anlageverhalten deutscher Anleger lautet: Privatanleger bevorzugen für ihre Geldanlage weiterhin klassische Anlageformen wie Festgeld, Tagesgeld oder Versicherungen. Aktiensparen spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Warum ist das so? Zunächst muss man unterscheiden zwischen Anlegern, die mit Aktien schon Erfahrungen gemacht haben, und Anlegern ohne entsprechende Erfahrung. Aktienerfahrene Anleger halten sich mit neuen Investments zurück, weil sie in den vergangenen Jahren den einen oder anderen Börseneinbruch erlebt haben. Und beim aktuellen DAX-Stand verbunden mit volatilen Märkten und geopolitischen Krisen fehlt ihnen der Mut, Aktienengagements einzugehen.

Anleger der zweiten Kategorie sind sehr auf Sicherheit bedacht und nehmen trotz niedriger Renditen und Anlagenotstand bei den klassischen Sparprodukten unbewusst negative Realzinsen in Kauf. Was zählt, ist offenbar das Plus im Geldbeutel, sei es auch noch so gering. In nicht allzu ferner Zukunft werden diese Anleger erfahren müssen, wie sich negative Nominalzinsen real anfühlen.

Für den Kapitalmarkt in Deutschland ist das Fernbleiben der Privatanleger nachteilig. Die Abhängigkeit von (ausländischen) institutionellen Investoren nimmt immer mehr zu. Und diese ziehen ihre Gelder gerne mal von heute auf morgen ab, wenn sie neue Anlagemöglichkeiten ausgemacht haben. Das konnte man zuletzt beim Börseneinbruch Mitte September beobachten. Und dann …, dann herrscht Anlegernotstand.

Es muss also vorrangiges Ziel aller Kapitalmarktakteure sein, die Privatanleger an die Börse (zurück)zuführen. Die in diesem Zusammenhang oft geforderte Anlegerbildung allein wird dies nicht leisten können. Die Einstellung der Anleger zu Aktien muss verändert werden. Das ist auch mit Aufgabe der Investor-Relations- Bemühungen der Unternehmen, die den Privatanleger in den vergangenen Jahren eher stiefmütterlich behandelt haben. Kontraproduktiv sind selbstverständlich Überlegungen unseres Superministers Gabriel, die Steuern auf Kapitalerträge zu erhöhen, ebenso wie die geplante Finanztransaktionssteuer.

Und unsere Empfehlungen für Privatanleger? Ein Vermögensaufbau ohne Aktien ist in diesem Zinsumfeld nicht möglich. Ein Teil des Sparvermögens sollte daher immer in Aktien oder aktienbasierte Produkte angelegt werden. Der Anlagehorizont muss langfristig sein und Verlustphasen muss man aus- und durchhalten. Kursrücksetzer sind gute Kaufgelegenheiten. Wer bereits aktienerfahren ist, kann peu à peu unabhängig von Indexständen einen Teil seines Sparvermögens in Aktien, Fonds und/oder ETFs investieren. Für aktienunerfahrene Anleger bieten sich ETF-Sparpläne auf breite sowie ausgewogen gewichtete nationale und internationale Indizes für erste Schritte auf dem Börsenparkett an.

Am Ende eines ereignisreichen Jahres darf ich Ihnen und Ihren Familien ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute für das Jahr 2015 wünschen. Laut chinesischem Kalender erwartet uns ab Februar das Jahr des Schafes; friedlich und freundlich soll es werden. Ich würde es uns wünschen.

Harald Rotter, Chefredakteur AnlegerPlus



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