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1. August 2019   Wirtschaft

Auf den demografischen Wandel nicht vorbereitet

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Die deutsche Bevölkerung wird älter und kleiner: Bis 2060 dürfte die Einwohnerzahl um rund 5 Millionen Menschen auf 78,2 Millionen schrumpfen. Kommen heute 31 Menschen im Rentenalter auf 100 Menschen im Erwerbstätigenalter, werden es 2060 wohl über 50 sein. Wenn die Babyboomer in rund zehn Jahren in Rente gehen, wird der Altersstrukturwandel besonders deutlich. Daraus ergeben sich große wirtschaftlich-gesellschaftliche Herausforderungen wie zunehmender Fachkräftemangel, ein sinkendes Rentenniveau sowie höherer Druck auf den bereits heute knappen Wohnraum in Ballungszentren.

„Bisherige Reformschritte, wie die Riester-Rente oder die Rente mit 67, greifen angesichts der rasant alternden Gesellschaft zu kurz. Stattdessen braucht Deutschland strukturelle Konzepte, um die Folgen der Überalterung abzufedern. Wir müssen die steigenden Lasten für Unternehmen und Bürger entschlossen anpacken, und dürfen sie nicht einfach auf die nachfolgenden Generationen schieben“, sagt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ BANK.

 

Arbeitsmarkt

Immer mehr Menschen im Rentenalter stehen künftig immer weniger Erwerbstätigen gegenüber. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell niedrig bei 5,0 %, während sich die Zahl offener Stellen im ersten Quartal 2019 auf fast 1,4 Millionen belief. Besonders mittelständische Unternehmen sorgen sich wegen fehlenden Personals. In der jüngsten Mittelstandsumfrage der DZ BANK nannten über 80 % der befragten Unternehmen den Fachkräftemangel als Problem. Hoher Bedarf herrscht demzufolge besonders im Transportbereich, dem Baugewerbe oder der Pflege – ausgerechnet Branchen, die für die Bewältigung der demografischen Herausforderungen wichtig sind.

Digitalisierung und Automatisierung stoßen an Grenzen, wenn es darum geht, fehlende Fachkräfte zu ersetzen. „Personalmangel wird sich durch Technik allein nicht lösen lassen“, so Bielmeier. Vielmehr werde sich die Arbeitskräftenachfrage mit den neuen technischen Möglichkeiten verändern: Standardisierte Arbeiten könnten künftig automatisiert erfolgen. Die völlige Automatisierung von Berufen werde aber die Ausnahme bleiben. Vor allem in der Pflege und in sogenannten „MINT“-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) dürfte sich der bestehende Mangel sogar verschärfen.

Bis zum Jahr 2035 wird die Gruppe der über 67-Jährigen um ganze 29,7 % gewachsen sein. „Die jüngste Rentenreform, deren Ziele auf 2025 ausgerichtet sind, greift angesichts dieses sprunghaften Anstiegs mit dem Renteneintritt der Babyboomer zu kurz“, erklärt Bielmeier. „Konzepte wie die Mütterrente oder die bedingungslose Grundrente schaffen nur Anspruch auf Rentenleistungen, klären aber nicht die Frage, wer zahlen soll und kann.“

Angesichts der sich zuspitzenden Lage erscheint den DZ-BANK-Experten eine Pflicht zur Vorsorge sinnvoll – ab bestimmten Einkommensgrenzen und bei maßvoll angesetzten Vorsorgeniveau. „Die Bürger dürfen nicht gezwungen werden, für eine Luxus-Rente zu sparen. Ziel sollte sein, einen würdigen Lebensstandard im Alter zu sichern“, erklärt DZ BANK-Ökonom Michael Stappel. Idealerweise sollten seiner Ansicht nach die Bürger möglichst früh mit einer kapitalgedeckten Altersvorsorge und dabei auf eine ausgewogene Portfoliostruktur der Anlagemittel achten.

Wohnungsmarkt

Expertenschätzungen zufolge werden jährlich rund 400.000 neue Wohnungen in Deutschland benötigt. 2018 wurden jedoch nur 286.000 fertiggestellt. Die Annahme, die bis 2060 um etwa 5 Millionen Menschen sinkende Bevölkerungszahl sollte diese Wohnungsknappheit auf lange Sicht lindern, ist laut dem DZ-BANK-Research falsch: In einer alternden Gesellschaft würden sich nämlich die Wohnbedürfnisse verändern. Die Zahl der kleinen (Senioren-)Haushalte steige ebenso wie der Pro-Kopf-Flächenbedarf. Zudem erhöhe die Urbanisierung den Druck in Ballungsräumen.

„Die Mietpreisbremse oder der Mietendeckel lösen das Problem des fehlenden Wohnraums nicht, sondern schrecken eher Investoren ab und verursachen Investitions- und Sanierungsstau“, erläutert Stappel. Stattdessen gelte es, den Bau neuer Wohnungen anzukurbeln, indem Bauvorschriften entrümpelt, öffentlicher Baugrund zur Verfügung gestellt und Baugebiete nachverdichtet werden.

 

Die Studie der DZ Bank ist hier abrufbar.

 

Bild von pasja1000 auf Pixabay

Redaktion AnlegerPlus



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