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2. Juli 2018   Steuer

Aufwendige Quellensteuer

croppedimage520335 Aufwndige Auslandsdividenden

Ausländische Dividendenperlen können für viel Freude im Depot sorgen. Die wird allerdings getrübt durch den Quellensteuer- und den Abgeltungssteuerabzug. Richtig ärgerlich wird es für Anleger bei den Modalitäten der Quellensteuerrückerstattung einiger Länder. Wer die „schwarzen Schafe“ kennt, kann sich viel Frust ersparen.

Vor allem im angloamerikanischen Raum ist die Ausschüttungspolitik oft großzügiger als hierzulande. Auslandstitel können Anlegern daher vielfach eine vergleichsweise hohe Dividende einbringen. Dividendenjäger sollten jedoch immer beachten, dass bei Auslandsinvestments die sogenannte Quellensteuer die Dividendenrendite schmälern kann. Zumindest vorübergehend, denn die Quellensteuer ist auf die deutsche Abgeltungssteuer teilweise anrechenbar und den Rest kann man sich in häufig aufwändigen Verfahren vom ausländischen Fiskus rückerstatten lassen. Theoretisch zumindest, was einige Länder angeht, dazu weiter unten mehr.

Was für eine Steuer?

Quellensteuer, das ist die Steuer, die von den Einkünften direkt an der Quelle abgezogen wird, also in dem Land, in dem die Einkünfte anfallen. Neben der ausländischen Quellensteuer unterliegt die Auslandsdividende außerdem noch der deutschen Abgeltungssteuer von 25 % auf Kapitalerträge, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die Dividende ausländischer Titel wird also zunächst doppelt besteuert. Das soll natürlich nicht sein.

Doppelbesteuerung vermeiden

Ist aber erstmal so. Denn das deutsche Steuerrecht legt das sogenannte Welteinkommensprinzip zugrunde. D. h. deutsche Anleger müssen auch die im Ausland erwirtschafteten Einkünfte in Deutschland versteuern. Um die doppelte Steuerbelastung (Quellensteuer im Ausland und Abgeltungssteuer im Inland) für den Anleger zu vermeiden und Auslandsinvestment attraktiver zu machen, hat die Bundesrepublik mit den meisten Ländern ein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen. Damit soll sichergestellt werden, dass Anleger in ausländische Dividendentitel keine höhere steuerliche Belastung auf die Ausschüttung haben als bei inländischen Dividenden. Das ganze nennt man dann das Wohnsitzlandprinzip und auch dieses ist Bestandteil des deutschen Steuerrechts.

Gemäß den Doppelbesteuerungsabkommen kann die ausländische Quellensteuer auf die deutsche Abgeltungssteuer angerechnet werden und zwar maximal bis zu einem Betrag von
15 %. Liegt der Quellensteuersatz unter 15 %, dann kann selbstverständlich nur der geringere Steuersatz auf die Abgeltungssteuer angerechnet werden. Die Verrechnung nimmt in aller Regel die Depotbank automatisch vor. Anleger sollten dies aber immer auf ihrer Wertpapierabrechnung überprüfen. Liegt die ausländische Quellensteuer über 15 %, können sich Anleger den überschüssigen Steuerbetrag von der ausländischen Steuerbehörde zurückholen. Wie viel Aufwand dafür betrieben werden muss, ist von Land zu Land unterschiedlich.

Von Land zu Land und…

Besonders einfach haben es Anleger in Großbritannien. Auf der Insel gibt es nämlich keine Quellensteuer, somit fällt von vornherein kein lästiger Papierkram an. Einfach ist es auch in den USA, denn obwohl der Quellensteuersatz bei 30 % liegt, wird die Steuer bei deutschen Banken aufgrund einer Besonderheit von vornherein auf 15 % gesenkt und kann damit vollständig angerechnet werden. Einzige Voraussetzung dafür ist das US-Steuerformular W-8BEN, das Anleger ihrer Depotbank vor der Dividendenzahlung zukommen lassen müssen. Allerdings sind gute Englischkenntnisse erforderlich. Privatinvestoren sollen bei ihrer Bank nachfragen, ob sie für die USA einen Antrag auf Vorabbefreiung stellen müssen oder ob die Bank das entsprechend mit den US-Behörden vertraglich geregelt hat und kein Zutun des Anlegers notwendig ist, wie z.B. bei der ING-DiBa.

Keine Probleme gibt’s auch mit der Quellensteuer in den Niederlanden, Japan und auch Luxemburg. Denn dort beträgt die Steuer maximal 15 % und wird somit automatisch von der Depotbank mit der Abgeltungssteuer verrechnet. Eine Rückerstattung ist somit nicht erforderlich.

In der Schweiz und in Österreich liegt der Quellensteuersatz bei 35 % bzw. 27,5 % und damit über den anrechenbaren 15 %. Doch die Rückerstattung auf Antrag ist hier vergleichsweise unkompliziert. Zu beachten ist jedoch, dass in der Schweiz ein Tax-Voucher Pflicht ist, dessen Ausstellung bei Banken Kosten verursachen kann. Zudem muss man zum Ausfüllen des Antragsformulars auf Rückerstattung der schweizerischen Verrechnungssteuer die Gratis-Software Snapform Viewer, die auf der Internetseite der Eidgenössischen Steuerverwaltung zur Verfügung gestellt wird, installieren.

Eine Vorabreduzierung des Quellsteuersatzes auf 15 % kann man per Antrag in Finnland, Schweden oder in Frankreich stellen. Für Frankeich kann man den Erstattungsantrag nur über die Depotbank einreichen, sollte jedoch die Gebühren der jeweiligen Bank als auch der zwischengeschalteten Abwicklungsgesellschaft Clearstream von bis zu insgesamt 100 Euro mit einkalkulieren.

Bei norwegischen Dividendentiteln gibt es kein automatisches Anrechnungsverfahren für die einbehaltene Quellensteuer. Allerdings erstattet der norwegische Fiskus auf Antrag die kompletten 25 % zurück. Dazu schickt man einfach ein formloses Schreiben mit beigefügter Kopie der Dividendenabrechnung und einer „Ansässigkeitsbescheinigung“ (siehe Ende des Beitrags), die bestätigt, dass man in Deutschland Steuern zahlt, an die norwegische Erstattungsbehörde. Wer lieber das Anrechnungsverfahren wünscht, kann in Norwegen auch nur eine Erstattung von 10 % Quellensteuer beantragen und die restlichen 15 % über die Einkommensteuererklärung auf die Abgeltungssteuer anrechnen lassen.

Sehr, sehr viel Geduld brauchen Anleger bei der Korrespondenz mit spanischen und italienischen Steuerbehörden. In Italien kann man sich die nichtanrechenbaren 11 % Quellensteuer auf Antrag zurückerstatten lassen. Die italienische Bürokratie ist allerdings berüchtigt, sodass bis zur Rückerstattung bis zu sieben Jahre vergehen können.
Auch in Spanien braucht man Ausdauer – schon allein für die 25-seitige Anleitung der spanischen Botschaft, wie man die Quellensteuerrückerstattung beantragen kann. Einkünfte aus Dividendenausschüttungen sind in Spanien bis 1.500 Euro pro Jahr steuerfrei. Das hört sich erstmal gut an, doch steuerfrei bedeutet in diesem Fall nur, dass die Quellensteuer bis zu dem Höchstbetrag zu 100 % auf Antrag erstattet wird. Denn der spanische Fiskus behält zunächst 19 % Quellensteuer ein, er kann ja nicht wissen, wie viel an Dividenden der einzelne Anleger über das Jahr gesehen kassiert. Also muss der deutsche Anleger nach Ablauf des Jahres die einbehaltene Quellensteuer per Antrag zurückfordern. Das kann bis zu vier Jahre im Nachhinein gemacht werden. Eine Anrechnung auf die deutsche Abgeltungssteuer erfolgt hier nicht und erhaltende Dividendenzahlungen, die über dem Freibetrag liegen, muss der Anleger über die Steuererklärung selbst mit der Abgeltungssteuer verrechnen.

…von Bank zu Bank

Nicht nur bei den Ländern gibt es große Unterschiede bei der Quellensteuererstattung, auch beim Service der Depotbanken zur Rückerstattung gibt es keinen Standard. Teilweise können Anleger sich zurücklehnen und ihrer Bank eine Vollmacht zur Quellensteuerrückerstattung ausstellen. Aber im Zweifel wird die Unterstützung, so sie denn gewährt wird, teuer. Viele Banken verlangen einen Mindesterstattungsbetrag für die vom ausländischen Fiskus zurückgeforderte Steuer, damit sich der Aufwand lohnt. Dieser liegt je nach Bank zwischen 10 und 50 Euro nach Abzug der von der Bank erhobenen Erstattungsservicekosten. Außerdem sollte man sich immer bei seiner Bank erkundigen, ob bei der Gutschrift des Erstattungsbetrages in Fremdwährung entsprechende Bankgebühren fällig werden, damit die Rückholaktion nicht letztlich doch im Minus endet.

Nichts entgehen lassen

Auch wenn die Rückerstattung oft Nerven kostet – Geld an den ausländischen Fiskus sollte man nicht verschenken. Schätzungen gehen davon aus, dass deutsche Anleger rund 700 Mio. Euro an Quellensteuer jährlich im Ausland liegen lassen. Schon gar nicht sollte man sich durch die Quellensteuer vor – mit Blick auf die Dividendenzahlung – lukrativen Auslandsinvestments abhalten lassen. Mit dem Wissen um die Erstattungsverfahren der unterschiedlichen Länder haben Anleger bereits vor dem Aktienkauf die Möglichkeit, ihre Investments etwas zu steuern.

Bedenken sollten Anleger auch, dass die Quellensteuer nur dann automatisch angerechnet werden kann, wenn auch tatsächlich Abgeltungssteuer vom deutschen Fiskus erhoben wird. Dies ist immer dann nicht der Fall, wenn für ein Depot bzw. Konto ein Freibetrag beantragt und dieser Betrag noch nicht ausgeschöpft wurde. Dann könnte die grundsätzlich anrechenbare Quellensteuer gerade nicht oder nicht vollständig angerechnet werden. Der Sparerfreibetrag beträgt derzeit 801 Euro bzw. 1.602 Euro für Verheiratete und kann auch verschiedenen Banken und Konten aufgeteilt werden. Je nach steuerlicher Situation kann es daher vorteilhaft sein, zwei Depots zu führen und ein Depot ohne Freibetrag auszustatten und in dieses dann nur die ausländischen Titel einzukaufen, bei denen der ausländische Fiskus Quellensteuer erhebt. Länder ohne Quellensteuerabzug sind beispielsweise Großbritannien oder Australien. Für eine steueroptimierte Depotaufteilung sollten sich Anleger ggf. an einen Steuerberater wenden. Nicht zuletzt spielt auch der Faktor Zeit bz. Fristen eine wichtige Rolle. Je nach Land gelten verschiedene Verjährungsfristen von zwei bis vier Jahren ab Dividendenzahltag.

Ende 2017 hat die EU-Kommission neue Quellensteuer-Leitlinien vorgelegt, welche die Kosten für die Mitgliedstaaten senken und die Verfahren für grenzübergreifend tätige Anleger in der EU vereinfachen sollen. Inwiefern die Lösungen, die dieser neue Verhaltenskodex der Kommission bietet, Früchte tragen, bleibt abzuwarten.

 

Birgit Paintner / Harald Rotter, Redaktion AnlegerPlus

 

 Land

Quellen-steuersatz

Anrechenbar auf dt. Abgeltungssteuer

Formulare

 Finnland

30 %

15 %

 Frankreich

12,8 %

12,8 %

 Großbritannien

0 %

0 %

  • keine Quellensteuer

 Italien

26 %

15 %

 Japan

15 %

15 %

 Luxemburg

15 %

15 %

 Niederlande

15 %

15 %

 Norwegen

25 %

0 %

 Österreich

27,5 %

15 %

 

 Schweden

 

30 %

 

15 %

 Schweiz

35 %

15 %

 Spanien

19 %

15 %

 USA

30 %

15 %

Quelle Steuersätze und Formulare: www.bzst.de / Stand: 1.1.2018

 

> Ansässigkeitsbescheinigung englisch

> Ansässigkeitsbescheinigung russisch

> Ansässigkeitsbescheinigung französisch

> Ansässigkeitsbescheinigung italienisch

> Ansässigkeitsbescheinigung spanisch

 

Weitere Formulare und teilweise Anleitungen zur Quellensteuerrückerstattung gibt es auf www.bzst.de

 

 




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