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8. Dezember 2011   Wirtschaft

Bank 2.0 - „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

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Vor knapp zwei Jahren, während der Finanzkrise, gründete der ehemalige Vorstandsvorsitzende und Gründer der DAB Bank AG, Matthias Kröner, mit der Fidor Bank (WKN A0MKYF) Deutschlands erste Web 2.0 Bank. Das abnehmende Vertrauen der Bevölkerung in die herkömmlichen Bankinstitute verschafft der Fidor Bank mit ihrem innovativen Ansatz zunehmend Aufmerksamkeit und wachsende Kundenzahlen. Wir haben uns mit Herrn Kröner über die Zukunftspläne der Fidor Bank und über die Euro-Schuldenkrise unterhalten.

AnlegerPlus: Herr Kröner, was bewegte Sie, mitten in Zeiten der Finanzkrise im Jahr 2009 eine neue Bank zu gründen?

Matthias Kröner: Als wir im Team der damaligen Fidor AG vor mehreren Jahren die Entwicklungen im Markt betrachteten, mussten wir feststellen, dass sich enorm viel im Web- 2.0-Umfeld tut. Nur im Banking kam diese Entwicklung nicht an.

Mitte 2007 haben wir dann beschlossen, eine Online-Retail-Bank zu gründen, die in ihren Verhaltensweisen wesentlich durch das Web 2.0 geprägt ist. Kurz nach Antragstellung kam es dann zur Finanzkrise. Es dauerte bis Mai 2009, bis es zur Erteilung der Banklizenz kam.

Natürlich klingt es vordergründig absurd, gerade in der schwersten Vertrauenskrise eine Bank zu gründen. Auf den zweiten Blick erscheint es jedoch logisch, denn genau in einer Phase, in der Banken und Banker für jede negative Entwicklung als Ursache herhalten müssen, in einer Zeit, in der kaum ein billiger Lacher mehr ohne die Banken gemacht wird, in einer solchen Zeit braucht es neues Banking. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Denn in einer Zeit, in der alle mit ihrer Bank zufrieden sind, braucht es keine neue Bank bzw. ist die Bereitschaft, sich mit einer neuen Bank auseinanderzusetzen, wahrscheinlich eher gering. 

AnlegerPlus: Kommen wir zu Ihren Geschäftsbereichen: Was genau versteht man unter Community Banking?

Matthias Kröner: Gemäß Edelman Trust Barometer glauben nur noch 17 % der Bevölkerung, dass Banker generell die richtigen Entscheidungen treffen. Angesichts der allgemeinen Nachrichtenlage muss man sich nicht wirklich darüber wundern, denn Finanzdienstleister werden offenbar nur nach Verkauf gesteuert und nicht nach Kundenzufriedenheit. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Hans Böckler Stiftung.

Dazu wollen wir eine Alternative bieten, indem wir vieles grundsätzlich anders machen. Wir bewegen uns in einem strategischen Umfeld von Web 2.0, E-Commerce und mobile Internet. Ein wesentlicher Punkt ist dabei eine weitreichende Integration der Nutzer gepaart mit einer maximalen Transparenz zu allen Belangen, um in Summe so das Vertrauen der Nutzer und Kunden wieder zu erzeugen.

Web 2.0 bedeutet für uns auch, dass wir immer auf der Seite des Kunden stehen, also keinen eigenen Vertrieb haben. Denn Vertriebsziele müssen nicht zwangsweise mit den Zielen der Kunden übereinstimmen.
 Als Bank fördern wir den gegenseitigen Austausch unserer Nutzer. Dabei diskutieren diese die Produkte der Fidor Bank sowie fremde Angebote und können diese bewerten. Die Nutzer können Spartipps austauschen, ihr Finanzverhalten vergleichen, Geldexperten bewerten, Wunschprodukte anlegen. Die Fidor Bank ist somit die einzige Bank Europas, die die Bewertung der eigenen Produkte auf der eigenen Webseite durch die Nutzer zulässt.

AnlegerPlus: Sie erzielen also keine Vertriebsprovisionen. Wie verdient die Fidor Bank dann überhaupt Geld?

Matthias Kröner: Der Verzicht auf einen erfolgsorientierten Vertrieb klassischen Zuschnitts bedeutet ja nicht, dass wir keine Marktkommunikation betreiben, um Kunden zu gewinnen. Natürlich machen wir Werbung für unser Angebot, verkaufen, vertreiben und beraten aber nicht selbst. Darüber hinaus ist es so, dass sich das Ergebnis der Fidor Bank aus einem Provisions- und einem Zinsergebnis zusammensetzt. Provisionen erhalten wir im Rahmen unseres Fidor-Pay-Kontos. Ein Zinsergebnis erwirtschaften wir durch Einlagen auf der einen Seite sowie Kreditvergabe auf der anderen.

AnlegerPlus: Was unterscheidet Ihre Community von anderen Diskussionsplattformen im Internet? Wie stellen Sie zum Beispiel sicher, dass diese Plattform nicht von unseriösen Beratern aus dem grauen Kapitalmarkt missbraucht wird?

Matthias Kröner: Die Probleme haben wir im Online-Bereich fast gar nicht. Der graue Kapitalmarkt ist ein klarer Offline-Bereich. Online kontrollieren neben unseren Angestellten noch Moderatoren, also besonders aktive Nutzer, die Beiträge aller Nutzer. Diese kommentieren sofort alle unseriösen Beiträge und sorgen so für eine bisher nie gekannte und dokumentierte Transparenz. Denn der Vorteil des Internets liegt hier klar auf der Hand: Die Gespräche können durch Dritte begleitet und beobachtet werden. Dies fördert die Qualität. Betrug findet dort statt, wo keiner zuschauen und zuhören kann, und das wiederum geschieht hauptsächlich offline. 

AnlegerPlus: Sie bieten Ihren Kunden ein eigenes Konto, das bereits erwähnte Fidor-Pay-Konto an. Worin liegt der Unterschied zu einem gewöhnlichen Bankkonto?

Matthias Kröner: Das Fidor-Pay-Konto verbindet die Geschwindigkeit und Einfachheit und damit die Vorteile eines Internet-Payment-Angebotes mit dem Angebotsreichtum und der Nachhaltigkeit einer Vollbank. Die Kunden können nicht nur von Bankkonto zu Bankkonto Geld transferieren, sondern zum Beispiel auch von ihrem Fidor-Pay-Konto an eine E-Mail-Adresse oder Mobilfunknummer Geld senden. Ferner kann der Kunde über Fidor-Pay alle Finanzgeschäfte tätigen, die in seinem Leben Sinn machen. Es ermöglicht zum Beispiel, Geld an private Kreditnehmer zu leihen (sogenanntes Peer-to-Peer-Geschäft), physisch hinterlegtes Gold zu erwerben oder seine Euros in Fremdwährungen und virtuelle Währungen zu transferieren. Selbst Edelmetalle können an eine Mobilnummer versendet werden. Ferner kann man sich über sogenanntes Crowdfunding auch direkt an sinnvollen Projekten beteiligen und vieles mehr.

AnlegerPlus: Ihr Hauptumsatzträger und die bisherige Cashcow im Unternehmen, die Zieltraffic AG, musste zum Halbjahr 2011 einen herben Umsatzrückgang und einen leichten Verlust ausweisen. Was waren die Gründe hierfür?

Matthias Kröner: Leider konnten wir auf der Kostenseite nicht schnell genug auf die Finanzkrise und die gesunkenen Werbebudgets der Finanzdienstleister reagieren. Für das laufende zweite Halbjahr 2011 bin ich jedoch verhalten optimistisch, was die Entwicklung der Zieltraffic AG angeht.

AnlegerPlus: Planen Sie, an der 75%-Beteiligung an der Zieltraffic AG festzuhalten oder wollen Sie weitere Anteile veräußern?

Matthias Kröner: Wir wollen alles, was nicht zum Kerngeschäft der Bank gehört, veräußern. Natürlich muss hierfür jedoch der Preis stimmen. Die Grundzüge dieser Strategie hatten wir im Dezember 2010 kommuniziert und daran arbeiten wir auch.

AnlegerPlus: Mit Fidor Payment Services positioniert man sich im E-Payment-Bereich. Ist der Markt nicht schon unter großen Anbietern aufgeteilt?  Matthias Kröner: Natürlich gibt es einige große Anbieter wie Google, Amazon oder PayPal auf dem Markt. Doch unter jedem Marktriesen entsteht genug Platz für Nischen.  Darüber hinaus gilt: Der Markt wächst erstens noch massiv und zweitens gibt es innerhalb des Marktes immer wieder enorme Verschiebungen. So hat sich zum Beispiel eine große deutsche Drogeriemarktkette von einem US-Anbieter getrennt, da bestimmte Produkte von einem US-Embargo betroffen sind, und das US-Unternehmen an deren Vertrieb nicht mitwirken darf. Was einem deutschen Unternehmen natürlich nur schwer vermittelbar ist. Abgesehen davon halte ich es für kritisch, wenn wir Europäer das Internet ausschließlich den Amerikanern überlassen.  Ferner verfügen wir über eine Vollbanklizenz und können somit unseren Kunden ein weitaus größeres Spektrum an Dienstleistungen anbieten als andere Anbieter. Dabei bedienen wir den Retail-Kunden ebenso wie den Geschäftskunden, der sich im E-Commerce bewegt.

AnlegerPlus: Welchen Umsatzbeitrag verspricht man sich hier mittelfristig?

Matthias Kröner: Die Fidor Bank fokussiert ihre Angebotsentwicklung auf alles rund um den sogenannten „digitalen Lebensstil“. Besonders konkret wird dies im Segment des E-Commerce sowie im Segment Gaming. Diese Industrien wachsen aktuell und auch in Zukunft auf beeindruckendem Niveau. Alle anderen Marktsegmente, in denen sich Retail-Banken bewegen, stagnieren im Vergleich dazu. Für uns gilt: Den Worten müssen wir Taten folgen lassen. Wir haben uns das vorgenommen, wir müssen da nun auch reinkommen. Wenn wir dies schaffen, brauchen wir uns um unser Wachstum nicht mehr zu sorgen.

AnlegerPlus: Kommen wir zur generellen Entwicklung am Kapitalmarkt. Wie stehen Sie zum Rettungsschirm für angeschlagene Staaten wie Griechenland?

Matthias Kröner: In erster Linie ist für uns als Bank eines wichtig: Wir haben keine Anleihen irgendwelcher Krisenstaaten im Depot. Ob nun in zweiter Linie die internationale Politik in dieser Sache alles richtig macht, ist für uns hier in München letztlich schwierig zu beurteilen.

AnlegerPlus: Wenn Sie Bundeskanzler wären, würden Sie dem Rettungsschirm zustimmen?

Matthias Kröner: Ein Bayer war noch nie deutscher Bundeskanzler (lacht). Mit den Usern der Fidor Bank Community haben wir dieser Tage das Thema Rettungsfonds intensivst besprochen. Mehrheitlich sind unsere aktiven Nutzer der Vorgehensweise kritisch gegenüber eingestellt.

AnlegerPlus: Denken Sie, dass wir in zehn Jahren auch noch in Euro bezahlen werden?

Matthias Kröner: Ja. Ich denke, die Politik und die EZB werden alles unternehmen, um den Euro zu halten.

Gerade weil es eine derartig komplexe Situation ist, diskutieren wir Tag für Tag mit unseren Nutzern in unserer Community die Vor- und Nachteile der jeweiligen Lösungen. Und wir diskutieren, welche Auswirkungen das auf die persönliche Finanzsituation des jeweils Einzelnen hat. Ich kann an dieser Stelle nur alle einladen, sich an dieser Diskussion zu beteiligen. Keiner von uns kann es sich leisten, diese Szenarien nicht durchzuspielen.

AnlegerPlus: Welche Konsequenzen haben die Auswirkungen der Krise, zum Beispiel die erhöhte Eigenkapitalanforderung an Banken, auf die Fidor Bank AG?

Matthias Kröner: Die Fidor Bank ist eine Bank, die sich im Aufbau befindet und signifikantes Wachstum erwartet. Diese beiden Sachverhalte erfordern eine ausreichende Kapitalbasis. Umso mehr freut es uns, dass wir Investoren – beispielsweise mit XAnge, CFP und Anthemis – gefunden haben, die unsere Vision und Wachstumsstory mit ihrem finanziellen Engagement unterstützen. Abgesehen davon: Alle jüngeren Banken haben von Anfang an höhere Kapitalanforderungen. Wir kennen es also gar nicht anders.

Herr Kröner, vielen Dank für das interessante Gespräch.

Redaktion AnlegerPlus



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