6. Mai 2019   HV-Bericht

Besser als der Aktienkurs

Schaeffler HV

Der Umbruch in der Automobilindustrie macht der Schaeffler AG zu schaffen. Noch ist eine hohe Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor gegeben. Es läuft aber keineswegs so schlecht, wie der Aktienkurs suggeriert. Trotz Gewinnrückgang steht der Zulieferer solide da.

 

Der Vorstandsvorsitzende der Schaeffler AG, Klaus Rosenfeld, berichtete auf der diesjährigen Hauptversammlung am 24. April in Nürnberg, zu der sich mit über 700 Aktionären und Gästen weit mehr Teilnehmer als in den Vorjahren eingefunden hatten, von einem schwierigen Geschäftsjahr 2018. Das Thema Elektromobilität und der Trend zum autonomen Fahren seien für die gesamte Automobilindustrie eine große Herausforderung.

 

EBIT-Marge auf hohem Niveau

In der Sparte Automotive OEM konnte Schaeffler den Umsatz 2018 dennoch um 2,1 % steigern. Das EBIT reduzierte sich jedoch um 28,8 % und die operative Marge schrumpfte auf 7,7 % (Vj. 10,8 %). Weit besser lief es in der Industriesparte mit einem Umsatzzuwachs von 10,1 % und einem Plus von 47 % beim EBIT. Die operative Marge verbesserte sich auf 11,0 % (Vj. 8,0 %). Die Schwäche der Vorjahre konnte überwunden werden, wozu nach Überzeugung von Rosenfeld neben dem Rückenwind vom Markt auch die Umsetzung des Effizienzprogramms CORE beigetragen habe. Mit der gleichen Konsequenz sollen jetzt mit „RACE“ die Ertragsprobleme in der Sparte Automotive OEM angegangen werden.

Der Konzernumsatz erhöhte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr um 3,9 % auf 14,2 Mrd. Euro (Vj. 14,0 Mrd. Euro). Schaeffler legte in allen Sparten und Regionen zu. Am höchsten war das Plus mit 6,7 % in Greater China. Das Konzern-EBIT sank dagegen aufgrund der Schwäche im Bereich Automotive OEM um 13 % auf 1,4 Mrd. Euro (Vj. 1,6 Mrd. Euro). Die Marge bewegt sich mit 9,7 % (Vj. 11,3 %) dennoch weiterhin auf einem soliden Niveau, ebenso der Free Cashflow vor M&A-Aktivitäten mit 384 Mio. Euro (Vj. 515 Mio. Euro).

Zufrieden zeigte sich der Vorstandschef mit der Bilanz: Das Konzerneigenkapital legte auf 3,1 Mrd. Euro (Vj. 2,6 Mrd. Euro) zu, die Eigenkapitalquote liegt mit 25 % (Vj. 22 %) ebenfalls deutlich über den Werten früherer Jahre. Damit sieht Rosenfeld finanziellen Spielraum gegeben, um über weitere Zukäufe nachzudenken. Im vergangenen Jahr wurden mit dem Erwerb der Technologie von Paravan und Elmotec die Kompetenzen in den Zukunftsfeldern autonomes Fahren und E-Mobilität verbreitert.

 

Solide aufgestellt

Mit unverändert 0,55 Euro beschloss die HV bezogen auf das Ergebnis je Aktie von 1,33 Euro (Vj. 1,48 Euro) eine Dividende am oberen Ende des angestrebten Ausschüttungskorridors von 30 bis 40 %. Rosenfeld will dies als Signal an den Kapitalmarkt verstanden wissen, nachdem mit der Entwicklung der Aktie niemand zufrieden sein kann. In den letzten zwölf Monaten hat sich das Kursniveau fast halbiert. Tatsächlich erscheint dieser Rückgang übertrieben. Insbesondere im Branchenvergleich ist Schaeffler nach wie vor sehr profitabel.

Grundsätzlich haben die Anleger aber offenbar Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit des Konzerns. Die Investment-Grade-Anleihen in Milliardenhöhe waren bei der Platzierung achtfach überzeichnet. Negativ ausgewirkt haben könnte sich neben der schwierigen Ertragslage allerdings der Abstieg der Aktie vom MDAX in den SDAX.

Mit dem Start ins laufende Jahr zeigte sich Rosenfeld zufrieden. Der Vorstand geht davon aus, dass sich die Wachstumsdynamik insbesondere im Automotive-Geschäft in der zweiten Jahreshälfte wieder beschleunigt. Bei der Prognose blieb er dennoch vorsichtig. Für den Konzern stellte er ein Umsatzwachstum von 1 bis 3 % und eine EBIT-Marge von 8 bis 9 % in Aussicht, womit sich das Ergebnis je Aktie auf etwa 1,20 Euro reduzieren würde. Eine Prognose über das laufende Jahr hinaus wagt er derzeit nicht.

Im Rahmen der Diskussion waren sich die HV-Redner dennoch einig, dass das Management Vertrauen verdient. Der Konzern ist nach wie vor ertragsstark und solide aufgestellt und in der Industriesparte wurde bewiesen, dass man bei operativen Schwächen erfolgreich gegensteuern kann. Auch mit Blick auf die hohe Dividende haben die Schaeffler-Aktionäre Anlass zur Hoffnung, dass der Aktienkurs bald wieder steigt.

Matthias Wahler



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