7. Juni 2019   DIGITAL PAYMENT

Bezahlen und Verdienen

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Den Laden betreten, die Preise per Kunden-App vergleichen, dann an der Kasse den Endbetrag mit kurzem Schwenk des Smartphones über das Kassenterminal bezahlen und im Anschluss noch schnell den Beleg auf dem Display checken – digitales Shoppen und Bezahlen ist im Alltag angekommen. Summierten sich alle digitalen Überweisungen im Jahr 2017 auf eine globale Gesamtsumme auf fast 3,2 Billionen US-Dollar, soll sich dieser Betrag laut Schätzungen von Statista bis 2023 auf 6,7 Billionen US-Dollar mehr als verdoppeln (siehe Grafik).

Tech-Giganten als Türöffner

Digital Payments sind weltweit auf dem Vormarsch – auch in einem Land wie Deutschland, wo das Sprichwort „nur Bares ist Wahres“ die Skepsis vieler Verbraucher in Bezug auf den neuen Bezahltrend wiederspiegelt. Immerhin steht Deutschland weltweit mittlerweile an fünfter Position bei den Handelsvolumina für das Bezahlen mit mobilen Endgeräten. Das weltweite Transaktionsvolumen für diese bargeldlose Zahlungsform wird nach Berechnungen von Statista 2019 die Marke von einer Billion US-Dollar übertreffen. Das entspricht einer Verdopplung gegenüber 2015. 

Einen wesentlichen Anteil an diesem Durchbruch haben die beiden Technologiegiganten Apple und Google mit ihren digitalen Geldbörsen. Den Anfang machte „Apple Pay“ 2014 in den USA. Seit Dezember 2018 können mit dem digitalen Bezahldienst auch in Deutschland Geldbeträge überwiesen werden. Und über die seit Juni 2018 in Deutschland verfügbare App „Google Pay“ werden Smartphones mit dem Betriebssystem Android zur virtuellen Kreditkarte.

Zugleich konsolidiert die Branche. Im März übernahm Fidelity National Information Services (FIS) den US-Wettbewerber Worldpay für 43 Mrd. US-Dollar. Vor zwei Wochen gab der US-Zahlungsentwickler Global Payments die Akquisition des Rivalen Total System für 21,5 Mrd. Dollar in Aktien bekannt.

Alleskönner und Zahlungsabwickler

Nutznießer dieser Entwicklung sind eine Reihe von Firmen, die sich mit ihren Produkten und Services entlang der Wertschöpfungskette für mobile Bezahlsysteme eingeklinkt haben. Anleger sollten hier bei Einzelwerten vor allem den Blick auf Firmen richten, die in regionalen Märkten die unangefochtene Nummer Eins sind oder mit ihren Services global ganz oben stehen. Dazu sollte die Aktienbewertung dem für die nächsten Jahre erwarteten Gewinnwachstum noch nicht davongelaufen sein.

Womit wir bei Alibaba wären. Die chinesische Onlineplattform hat mehr als eine Milliarde Benutzer in mehr als 110 Ländern, insbesondere in China. Mehr als 500 Millionen Menschen nutzen die App „Alipay“, die alle Transaktionen direkt über das Smartphone abwickelt. Chinesische Touristen verwenden diese in Europa vor allem, um in den Dutyfree-Shops der Flughäfen oder in den Läden der Mode-Nobelmarken auf Einkaufstour zu gehen.

Zu den wachstumsstärksten Segmenten zählen Zahlungsabwickler wie PayPal und Fiserv aus den USA, Adyen aus den Niederlanden und Wirecard aus Deutschland. Das beste Risiko-Rendite-Verhältnis sehen wir hier bei PayPal. Seit dem Börsengang 2015 hat es die Tochter das Online-Auktionshändlers Ebay geschafft, ihren Kundenkreis global auszubauen. Bei Umsatz und Börsenwert hat PayPal die Konzernmutter längst abgehängt. Zugleich hat das Management kräftig zugekauft. 2018 erwarb PayPal für 400 Mio. US-Dollar Hyperwallet, eine Plattform für die Auszahlung von Onlineverkäufen kleinerer Unternehmen. 2,2 Mrd. US-Dollar zahlte PayPal für den schwedischen Zahlungsabwickler iZettle, der auf Kreditkartenleser für Smartphones spezialisiert ist.

Nischenplayer und Kreditkartenchampions

Die US-Gesellschaft Square wiederum verkauft Hardware, die jedes Smartphone in ein Lesegerät für Kreditkarten verwandelt. Ein lukratives Geschäft vor allem für kleinere Firmen, für die sich die Anschaffung eines Kassensystems für Kredit- oder Bankkarten noch nicht rechnet. Für jede Transaktion, die auf einer Plattform von Square stattfindet, berechnet die Firma eine Transaktionsaktionsgebühr. Eine eigene App für den elektronischen Zahlungsverkehr, Services für kleinere Unternehmenskredite sowie die App Square Cash, die Geldüberweisungen zwischen den Square-Kunden ermöglicht, runden das Angebot ab.

Margen- und wachstumsstark sind auch die beiden Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard. Sie haben ihr globales Marktpotenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Um sich am Boom mit dem mobilen Bezahlen Marktanteile zu sichern, setzen beide Konzerne auf Kooperationen mit Tankstellen, Einzelhändlern und Gastronomieketten wie Starbucks. Mit einem 2020er-KGV von 28 bei einem erwarteten Gewinnwachstum von 30 % auf Sicht der nächsten drei Jahre ist die Mastercard-Aktie optisch günstiger bewertet. Visa mit einem 2020er-KGV von 26 bei einem Gewinnplus, das sich bis 2021 im Schnitt bei 21 % bewegen soll, glänzt demgegenüber mit der eindeutig höheren operativen Marge von zuletzt 66,7 % (Mastercard: 56,3 %).

Wer den gesamten Sektor in einem Investment abbilden will, fährt am besten mit dem endlosen und dividendenausschüttenden Indexzertifikat der Deutschen Bank auf den Solactive Mobile Payment Index (ISIN DE000DS8PAY5). Dieser Index beinhaltet die 20 höchstkapitalisierten Firmen, die im Mobile Payment unterwegs sind.

Stefan Riedel, Redaktion AnlegerPlus



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