3. Februar 2020   Markt

Blockbuster-Fantasie beflügelt die Aktie von Novo Nordisk

Novo

Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk ist seit Jahrzehnten mit Medikamenten gegen die Zuckerkrankheit erfolgreich. Ein neues Arzneimittel könnte ein weiterer Verkaufsschlager werden: Tablette statt Spritze heißt die Therapieform.

 

Das Hauptgeschäft von Novo Nordisk sind Medikamente zur Behandlung von Diabetes. Mit 28 % Marktanteil ist der Pharmakonzern hier weltweit klar die Nummer eins. In den USA – dem mit Abstand größten Gesundheitsmarkt der Welt – sind die Dänen am stärksten aufgestellt: Dort erzielt das Unternehmen über 45 % seines Umsatzes.

 

Weltweit enorme Nachfrage

Jeder elfte Erwachsene weltweit ist Diabetiker. In Deutschland leiden laut dem Bundesministerium für Gesundheit circa 7,2 % der Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren an der Zuckerkrankheit, auch Diabetes mellitus genannt. Circa 90 bis 95 % aller Betroffenen erkranken an Typ-2-Diabetes, auch Altersdiabetes genannt. Bei ihnen besteht eine verminderte Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin und die Bauchspeicheldrüse kann nicht genügend Insulin für den erhöhten Bedarf produzieren. Typ-1-Diabetes dagegen wird durch einen absoluten Mangel des Hormons Insulin hervorgerufen.

Ende September 2019 hat die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA das Arzneimittel Rybelsus von Novo Nordisk zugelassen, das beim o. g. Typ 2 angewandt wird und erstmals oral als Tablette eingenommen werden kann. Die darin enthaltenen GLP-1-Analoga bewirken beim Patienten laut dem Hersteller, dass seine Bauchspeicheldrüse mehr Insulin produziert und dadurch der Blutzuckerspiegel sinkt. Zudem soll die neue Tablette Zuckerkranke vor Krankheiten an Herz und Gefäßsystem schützen und dabei helfen, überschüssige Pfunde abzubauen.

 

Genau dieser „Zusatzschutz“ ist von hoher Bedeutung. Denn um Zulassungsbehörden und Ärzte zu überzeugen, müssen neue Diabetesmittel nicht nur den Blutzuckerspiegel dauerhaft senken. Immer wichtiger wird für eine Verschreibung, das Übergewicht betroffener Patienten zu reduzieren und Folgeschäden wie Verengung der Blutgefäße, Herzinfarkt oder Schlaganfall deutlich zu dezimieren.

Novo Nordisk hat sich darauf mit immer komplexeren Wirkstoffen in seiner Entwicklungspipeline eingestellt. Bislang setzte Novo Nordisk beim Kampf gegen die Zuckerkrankheit auf den Wirkstoff Semaglutide: Das 2018 in den USA und Europa zugelassene Arzneimittel Ozempic wird einmal in der Woche unter die Haut gespritzt.

Laut Analystenmeinung werden die beiden oben erwähnten Medikamente für Milliardenumsätze bei den Dänen sorgen. Das Marktpotenzial für die neue Tablette Rybelsus ist weltweit enorm: Allein in den USA sind 28 Millionen Patienten an Typ-2-Diabetes erkrankt. Die Investmentbank Morgan Stanley schätzt das jährliche Umsatzpotenzial dort auf insgesamt 7 Mrd. US-Dollar. Damit würde Novo Nordisk von einem weiteren Blockbuster profitieren. Arzneien werden so bezeichnet, wenn sie einen jährlichen Umsatz von mehr als 1 Mrd. US-Dollar erzielen.

 

Blockbuster-Status bereits erreicht

Damit wären wir bei den Fundamentaldaten. Die Umsätze von Novo Nordisk legten im ersten Halbjahr 2019 in den USA und Europa um 4 bzw. 6 % zu. Das Wachstumstempo in den Schwellenländern war dagegen deutlich höher: In Afrika, Asien, Mittlerer Osten und Pazifik kletterten die Erlöse um satte 20 %. In Lateinamerika schnellten die Verkaufszahlen sogar um 26 % nach oben, in China zogen sie um 14 % an. Hintergrund dieser Entwicklung: Immer mehr Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika nehmen sich ungesunde Essgewohnheiten der westlichen Welt zum Vorbild, weshalb inzwischen dort ebenfalls vermehrt Übergewicht und Zuckerkrankheiten auftreten.

 

Umsatz und Gewinn in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2019 unterstreichen den Wachstumskurs, auf dem sich Novo Nordisk derzeit befindet: Die Erlöse legten im Jahresvergleich um 9 % auf knapp 12 Mrd. Euro zu. Währungsbereinigt betrug das Plus 5 %. Das operative Ergebnis stieg um 11 % (wechselkursbereinigt 5 %). Angetrieben wurde das Wachstum von der hohen Nachfrage nach dem Diabetesmittel Ozempic, dessen Umsatz sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verachtfachte. Mit knapp 6,9 Mrd. dänischen Kronen überschritt es auch in US-Dollar die Milliardenschwelle.

 

Für das Gesamtjahr 2019 erhöhte das Management seine Prognose bereits zum zweiten Mal auf ein währungsbereinigtes Umsatzplus von 5 bis 6 %. Vorher waren die Dänen von mindestens 4 % ausgegangen. Beim operativen Ergebnis erwartet CEO Lars Jørgensen einen währungsbereinigten Anstieg von 4 bis 6 %. Noch ambitionierter sind die Langfristziele: Auf bis zu 10 % will er das jährliche Erlöswachstum im internationalen Geschäft bis 2025 pushen. Der globale Marktanteil bei Diabetes-Pharmazie soll auf über ein Drittel steigen und vor allem der US-Markt soll von innovativen Arzneien profitieren.

 

Höhere Dividende möglich

Die nächsten Quartale könnten für weitere positive Überraschungen sorgen: Bisher waren die ersten Verkäufe des neuen Medikaments Rybelsus in den Planzahlen noch nicht berücksichtigt. Sollten sie höher als bisher erwartet ausfallen, könnten die Prognosen erneut nach oben korrigiert werden. Da Novo Nordisk auch finanziell sehr solide aufgestellt ist, könnten Anleger von einer höheren Dividende profitieren.

 

Und der Gesundheitskonzern ist nicht nur mit Pharmazie gegen die Zuckerkrankheit aktiv. Einem Medienbericht zufolge steuern die Dänen möglicherweise auf eine Behandlung gegen Alzheimer zu: Es gebe Hinweise, dass die Diabetes-Therapie mit Victoza bei Demenz wirken könnte.

Positive Neuigkeiten für Novo Nordisk kommen zudem aus den USA: Die FDA hat für Ozempic eine erweiterte Wirksamkeit erteilt. Die britische Investmentbank Barclays hob deshalb ihr Kursziel für die Aktie von 445 (59,55 Euro) auf 460 dänische Kronen (61,56 Euro) an (aktueller Kurs: 54,91 Euro).

 

Thomas Müncher, Redaktion AnlegerPlus



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