6. Februar 2019   Interview

CECONOMY im Umbruch

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Die Aktie der CECONOMY AG zählt zu den Sorgenkindern des deutschen Aktienmarkts. Die Muttergesellschaft von MediaMarktSaturn streicht die Dividende und muss mit neuen Vorständen in Deutschland den Turnaround schaffen. SdK Sprecher Alexander Elsmann (44) erklärt vor der HV am 13. Februar, was sich ändern muss.

 

Herr Elsmann, im Oktober 2018 wurden Personalentscheidungen mit Tragweite getroffen: CEO Pieter Haas musste nach mehreren Gewinnwarnungen gehen, auch CFO Mark Frese ist nicht mehr an Bord. Wie schätzen Sie die Entscheidungen ein?

Insgesamt ist es unglücklich gelaufen, weil nach der Aufspaltung aus dem Metro-Konzern eigentlich eine Aufbruchstimmung herrschte. Nach drei Gewinnwarnungen und derart massiven Planverfehlungen waren die Wechsel aber wohl alternativlos. Der Aufsichtsrat musste die Notbremse ziehen.

 

Das Geschäftsjahr 2018/2019 wird als Jahr des Umbruchs bezeichnet. Was muss denn jetzt alles besser werden?

Ganz wichtig werden die ersten Quartalszahlen sein, also kalendarisch für das vierte Quartal 2018 mit dem so bedeutenden Weihnachtsgeschäft. Hier wird man sehen, ob CECONOMY aus den Fehlern des Vorjahres gelernt hat. Die Rabattschlachten um den Black Friday im November 2017 gingen zulasten der Marge. Dieses Mal wollte man die Angebote intelligenter gestalten, beispielsweise, indem man mehr margenstarke Add-on-Services, also zum Beispiel Lieferung oder Montage, mitverkauft.

 

Der Einzelhandel klagt über geringere Frequenzen in den Geschäften. Wie herausfordernd schätzen Sie die nächsten drei bis fünf Jahre ein?

Sehr herausfordernd, weil ich glaube, dass der Onlinehandel weiter zunehmen wird, insbesondere für Elektronik. Und gegenüber den Pure-Online-Playern hat der stationäre Handel einfach einen Kostennachteil. Für CECONOMY entsteht dadurch zusätzlicher Druck, vielleicht ergeben sich aber auch neue Chancen, wenn Wettbewerber aufgeben und man ein Gewinner der Konsolidierung sein kann. Denn klar ist: Es gibt einen Markt für den stationären Handel.

 

Das EBIT betrug im abgelaufenen Jahr rund 400 Mio. Euro. Immerhin verdient CECONOMY noch Geld. Ist die Aktie mit einem Rückgang von rund 75 % damit zu hart abgestraft worden?

Wir sehen vielleicht eine Übertreibung nach unten. Institutionelle Aktionäre meiden die Aktie, solange nicht klar ist, wohin die Reise geht. Grundsätzlich geht die Kursentwicklung aber in Ordnung, weil man auch im kommenden Jahr mit einem leichten Rückgang von EBIT und EBITDA rechnet – und zwar ausdrücklich vor Sonderfaktoren wie Restrukturierungskosten.

 

Die Aktionäre dürften nicht nur deshalb mit Enttäuschung im Gepäck zur Hauptversammlung am 13. Februar reisen. Auch die Dividende wurde gestrichen, obwohl Analysten noch mit einer kleinen Ausschüttung gerechnet hatten.

Glücklicherweise hatte CECONOMY im vergangenen Jahr noch eine Kapitalerhöhung vorgenommen. Wenn die zusätzlichen 277 Mio. Euro nicht gekommen wären, hätte man viele Probleme, beispielsweise in Russland, nicht lösen können. Trotzdem ist die Eigenkapitalquote mit 8 % nach wie vor niedrig. Mit Blick auf die anstehenden Restrukturierungskosten ist es wohl der richtige Weg, die Dividende in diesem Jahr zu streichen.

 

Dieses Interview ist zuerst erschienen in der aktuellen Ausgabe AnlegerPlus 1/2019. Sind Sie neugierig geworden? Dann testen Sie uns über ein Schnupperabo oder fordern Sie ein kostenloses Probeheft an.

Sven Köpsel



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