16. Januar 2020   Wirtschaft

Das größte Geschäftsrisiko ist virtuell

Allianz Risk Barometer 2020 Risiken Deutschland

Die Schattenseiten der Digitalisierung bereiten den Unternehmen weltweit zunehmend Sorgen. Der Klimawandel spielt ebenfalls eine immer größere Rolle in der Risikowahrnehmung.


Cybervorfälle sind erstmals das wichtigste Geschäftsrisiko für Unternehmen weltweit. Im Allianz Risk Barometer 2020 verdrängen IT-Gefahren (39 % der Antworten) das Risiko einer Betriebsunterbrechung (37 %) auf den zweiten Platz. Die Betriebsunterbrechung hatte seit 2013 den Spitzenplatz im Ranking inne, damals lag Cyber noch mit 6 % der Antworten auf Platz 15. Die Sorge vor rechtlichen Veränderungen im Wirtschaftsumfeld (Platz 3 mit 27%), zum Beispiel durch Handelskriege, Zölle oder Wirtschaftssanktionen, und die Folgen des Klimawandels (Platz 7 mit 17%) sind weltweit die größten Aufsteiger in der Rangliste der größten Geschäftsrisiken, die sich aus der Befragung von über 2.500 Teilnehmern in mehr als 100 Ländern speist.

Cybervorfälle sind im Risk Barometer nicht nur das Top-Risiko weltweit, sie finden sich außer in Deutschland auch in vielen anderen der untersuchten Länder unter den ersten drei Risiken. Ganz an der Spitze stehen Cybervorfälle sogar u. a. in Frankreich, Österreich, der Schweiz, Spanien, Großbritannien und in den USA. Unternehmen weltweit sehen sich mit immer größeren und teureren Datenskandalen, einer Zunahme von Cybererpressungen, aber auch mit höheren Bußgeldern aufgrund strengerer Datenschutzbestimmungen und Schadenersatzklagen konfrontiert. Ein schwerer Datendiebstahl – mit mehr als einer Million Datensätzen – kostet heute laut dem Ponemon Institute durchschnittlich 42 Mio. Dollar, was einem Anstieg von 8 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

 

Viele mögliche Ursachen für Betriebsunterbrechungen

Der Trend zu weitreichenden Betriebsunterbrechungen hält den Ergebnissen des Risk Barometers zufolge ebenfalls unvermindert an. Die Ursachen hierfür werden immer vielfältiger und reichen von Bränden, Explosionen oder Naturkatastrophen über Ausfälle in digitalen Lieferketten bis hin zu politischer Gewalt. Ein Brand in einem Rechenzentrum, eine technische Panne oder ein Hacker-Angriff könnten sogar teure Ausfälle für mehrere Unternehmen gleichzeitig verursachen, die alle ein- und dasselbe System nutzen und nicht schnell zu manuellen Prozessen zurückwechseln können, warnt die Allianz.

Unternehmen seien außerdem zunehmend den direkten oder indirekten Auswirkungen von Unruhen, Aufständen oder Terroranschlägen ausgesetzt. Im vergangenen Jahr eskalierten Massenproteste zum Beispiel in Hongkong, Chile, Bolivien, Kolumbien und Frankreich. Dies führte zu Sachschäden, Betriebsunterbrechungen und Umsatzverlusten für lokale und multinationale Unternehmen, da Geschäfte monatelang geschlossen waren, Kunden und Touristen fernblieben oder weil Angestellte aus Sicherheitsgründen nicht an ihren Arbeitsplatz kommen konnten.

 

Rechtliche Risiken

Die Sorge vor rechtlichen Veränderungen im Wirtschaftsumfeld rangieren im Risk Barometer sowohl im deutschen als auch im weltweiten Ranking an dritter Stelle. Zölle, Sanktionen, der Brexit und zunehmender Protektionismus werden als zentrale Anliegen der Unternehmen angeführt. Allein 2019 wurden rund 1.300 neue Handelshemmnisse registriert. Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat den US-amerikanischen Durchschnittszoll zwischenzeitlich auf das Niveau der 70er Jahre befördert. Neue regulatorische Herausforderungen dürften sich im nächsten Jahrzehnt auf Umwelteinflüsse, die Dekarbonisierung und den Klimawandel konzentrieren. Die Regulierungspläne der EU zu Nachhaltigkeit und Umwelt sehen die Allianz-Experten als „Game-Changer“. Die Auswirkungen auf Unternehmen würden so weitreichend sein wie in der Vergangenheit die neuen Vorschriften zur Rechnungslegung oder zum Datenschutz.

 

Klimawandel rückt in den Fokus

Der Klimawandel erreicht im Risk Barometer 2020 erstmals Rang sieben weltweit und gehört u. a. zu den drei größten Geschäftsrisiken in Australien, Hongkong und Indien. Unternehmen fürchten vor allem eine Zunahme der Sachschäden (49 % der Antworten), da der Anstieg des Meeresspiegels, längere Dürrephasen, heftige Stürme und massive Überschwemmungen Fabriken und andere Unternehmensgüter gefährden und weltweit Transport-, Lieferketten- und Energienetzwerke lahmlegen könnten. In Deutschland fürchten sich Unternehmen in Sachen Klimawandel nicht nur vor Sachschäden, sondern vor allem vor den potenziellen Auswirkungen auf Absatzmärkte (52 %), etwa durch den Wandel zur Elektromobilität oder neue Emissionsvorschriften.

Redaktion AnlegerPlus



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