728x90leaderboard.2020

2. November 2020   Investment

Das Jahr der Wandelanleihe

iStock 860213872

Das Jahr 2020 hat Anlegern viele Nerven gekostet. Dem heftigen Corona-Börsencrash folgte eine fast ebenso schnelle Aufholbewegung an den Aktienmärkten. Im Herbst übernahmen dann die Bären und Corona wieder das Ruder an der Börse. Die Anlageklasse „Wandelanleihe“ hat sich in diesem schwierigen Marktumfeld  gut geschlagen. Was zeichnet diese hybriden Wertpapiere aus?

 

Bei klassischen Wandelanleihen („Convertible Bonds“) handelt es sich um Unternehmensanleihen, in die ein Wandlungsrecht integriert ist. Dieses gibt dem Investor die Möglichkeit, eine Wandelanleihe in einem vorher definierten Verhältnis in Aktien des emittierenden Unternehmens umzutauschen (Wandlungsverhältnis). Wandelanleihen bieten – bis zur optionalen Wandlung, deren Frist im Emissionsprospekt festgelegt ist – eine regelmäßige Zinszahlung. Allerdings ist diese niedriger als bei herkömmlichen Unternehmensanleihen. Denn Convertible Bonds bieten zusätzlich zu den Zinserträgen die Chance, die Bondsanteile günstiger in Aktien zu tauschen, als es der Börsenkurs zum Zeitpunkt der Wandlung zulassen würde (Wandlungsprämie). Wie Unternehmensanleihen versprechen Wandelanleihen am Ende der Laufzeit die Rückzahlung zum Nennwert. Es liegt bei der klassischen Form in der Hand des Investors zu entscheiden, ob eine Wandlung, d. h. der Tausch der Anleihe gegen Aktien, stattfinden soll.

 

Wandelanleihen, häufig als hybride Wertpapiere bezeichnet, da sie sowohl bondähnliche als auch aktienähnliche Eigenschaften und Verhaltensmerkmale aufweisen, sind also durchaus eine komplexe Anlageklasse. Den genannten Vorteilen steht gegenüber, dass der Markt für Convertible Bonds eher klein ist und die Mindestanlagebeträge häufig bei 30.000 Euro aufwärts liegen. Geht der Emittent insolvent, tritt der Wandelanleiheinhaber in der Gläubigerrangfolge hinter Banken und andere Gläubiger mit gesicherten Forderungen zurück.

 

Zahlreiche Neuemissionen

Im Corona-Jahr 2020, in dem die Aktienmärkte eine hohe Volatilität zeigten, während die Rendite von Staats- und Unternehmensanleihen (mit Ausnahme von Risikopapieren) auf überschaubarem Niveau blieb, konnten sich Wandelanleihen im Vergleich zu diesen Anlageklassen besser behaupten. Die Unternehmen zeigten zudem eine rege Emissionstätigkeit. Convertible Bonds für über 120 Mrd. US-Dollar wurden weltweit bis Oktober emittiert. Der Rekord für ein Gesamtjahr liegt bislang bei 180 Mrd. US-Dollar.

 

Laut den Experten von J.P. Morgan Asset Management macht sich das asymmetrische Renditeprofil von Wandelanleihen in diesem Jahr besonders bezahlt. Zunächst bot im März der Bond Floor – also die Rückzahlung mindestens zum Anleihen-Nennwert – eine Begrenzung der Kursverluste und später ermöglichte die eingebettete Wandlungsoption eine Partizipation an der Erholung des Aktienmarktes. Wandelanleihen konnten sich deshalb vergleichsweise schnell vom Markteinbruch im März erholen und weisen seit Jahresanfang im globalen Durchschnitt einen deutlich positiven Ertrag von 14,5 % aus (per 30.9.2020). Damit haben sie andere Anlageklassen wie Staatsanleihen (5 %), Unternehmensanleihen hoher Bonität (4,2 %) sowie globale Aktien (0 %) deutlich übertroffen. Im Vergleich zu Hochzinsanleihen weisen Convertibles weiterhin einen attraktiven Risikoaufschlag aus.

 

Wandlungsprämie, Wandlungsoption, Kursreaktion auf Aktienmärkte und Zinsen, etc., wem die Anlage in einzelne Wandelanleihen zu komplex erscheint, der kann auch für diese Anlageklasse auf Fondsprodukte zurückgreifen. Schließlich konnten Wandelanleihen-Fonds 2020 ebenfalls überzeugen. Beispielsweise verlor der Lupus alpha Sustainable Convertible Bonds (WKN A2DTNQ) seit Jahresbeginn bis zu seinem Tiefpunkt im März mit 14 % weit weniger als die Aktienmärkte bis zu diesem Zeitpunkt und lag bis Ende Oktober wieder mit gut 12 % im Plus.

 

Langfristig erfolgreich

Dass sich Wandelanleihen robust in fallenden und dynamisch in steigenden Märkten zeigen, wirkt sich auch in der langfristigen Entwicklung positiv aus: Nach dem Kursverfall infolge der Finanzkrise konnten sie sich ab 2008 deutlich schneller erholen als Aktien. Während des mehrjährigen Aufwärtstrends nach der Eurokrise sind Wandelanleihen dann ab 2011 im Gleichlauf mit den Aktienmärkten gestiegen.

 

Stimmt die Qualität der Titel im Portfolio, können Wandelanleihen nach Meinung der Investmentgesellschaft Lupus alpha innerhalb der Assetallokation in verschiedenen Rollen zur Verbesserung von Diversifikation und Ertragsaussichten beitragen: Sie versprechen Anleihen-Outperformance für Fixed-Income-Investoren, ein begrenztes Risiko für Aktienanleger und Diversifikation für Multi-Asset-Investoren.



Quelle: Lupus alpha


Gute Perspektiven

Die Vermögensverwaltungsgesellschaft Degroof Petercam Asset Management (DPAM) hält Wandelanleihen im Zuge der erhofften wirtschaftlichen Erholung weiterhin für ein interessantes Investment, um reine Aktien- und Anleihenallokationen zu ergänzen. Angesichts der niedrigen Renditen bei klassischen Anleihen böten Wandelanleihen eine Chance auf höhere Erträge, insbesondere weil ein höheres Volatilitätsniveau an den Aktienmärkten ihre Bewertungen unterstützen werde.

Investoren dürften weiterhin eine große Auswahl an den hybriden Wertpapieren vorfinden. Denn für Unternehmen bieten Wandelanleihen die Möglichkeit, im Vergleich zu anderen Finanzierungsinstrumenten schnell frisches Kapital aufzunehmen.

 

Die Branchenverteilung unter den europäischen Wandelanleihenemittenten hat sich im letzten Jahr verschoben: Die Sektoren Kommunikationsdienste, Grundstoffe, Gesundheit und Industrie machten nach Berechnungen von DPAM vor einem Jahr 55 % des Universums aus, während Nicht-Basiskonsumgüter, Kommunikationsdienste, Industrie und Technologie zusammen genommen aktuell diese Gewichtung aufweisen. Für Veränderungen sorgte vor allem der IT-Sektor, auf den vor einem Jahr nur 6 % des Universums entfielen – gegenüber heute 11 %. Zuletzt zeigten sich unter den Emittenten vermehrt Digitalisierungsgewinner wie Zalando, Delivery Hero oder HelloFresh.

 

Als vielversprechend stuft DPAM außerdem Wandelanleihen von Unternehmen ein, die von Covid-19 negativ beeinflusst wurden und stark von einer Erholung profitieren würden, sobald diese kommt. Dazu gehören beispielsweise Amadeus, MTU oder Air France.

Auch das Biotech-Unternehmen MorphoSys, eher kein Coronaverlierer, konnte erst kürzlich zu für das Unternehmen attraktiven Konditionen stolze 325 Mio. Euro über eine Wandelanleihe einsammeln (mehr dazu in der AnlegerPlus-Print-Ausgabe 10/2020). Die hybriden Wertpapiere scheinen also weiterhin bei Emittenten und Investoren gleichermaßen beliebt zu sein.

Redaktion AnlegerPlus



Diese Website verwendet Cookies. Mit der weiteren Nutzung dieser Website, akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung und die Verwendung von Cookies und um Ihnen spezielle Services und personalisierte Inhalte bereitzustellen. Weiteres erfahren Sie unter der Rubrik Datenschutz.

X schließen