symposiumbanner160x600px2

19. Dezember 2018   Buchbesprechung

„Der unterlegene Mensch“

Der unterlegene Mensch

Armin Grunwald ist Physiker und Philosoph – und als solcher hervorragend geeignet, sich als Wissenschaftler mit den Folgen der Digitalisierung und Technisierung zu beschäftigen. So leitet er denn auch das Institut für Technikfolgenabschätzung in Karlsruhe. Seine Überlegungen hat er nun zu Papier gebracht; – mit dem vielsagenden Titel: „Der unterlegene Mensch“.

 

Das verkündet Unheil. Der Mensch scheint der digitalen Technik, seiner eigenen Schöpfung, zusehends unterlegen. In immer mehr Bereichen übertreffen uns Roboter und Algorithmen. Vielleicht digitalisieren wir uns allmählich weg. Das ist Stoff für die Erzählungen vom Ende der Menschheit, wie wir sie aus Science-Fiction-Romanen und aus Kinofilmen wie der Matrix-Trilogie kennen. Der prickelnde Schauer des Untergangs sichert Einschaltquoten und Besucherzahlen.

Zum Glück neigt Armin Grunwald nicht zu Zukunftsängsten und Katastrophenbefürchtungen. Natürlich sieht auch er, dass der sogenannte Fortschritt nicht einfach nur Fortschritt ist. Denn leider bringen die angenehmen und gewünschten Effekte unweigerlich auch Risiken und Nebenwirkungen mit sich.

Und tatsächlich klingt der Titel des Buchs düster: Der Mensch könnte gegenüber Algorithmen und künstlicher Intelligenz und Robotern den Kürzeren ziehen. Viele machen sich Sorgen – Armin Grunwald ebenfalls. Auch einem Optimisten kann der Gedanke kommen, dass Folgenabschätzung und Ethik, Verantwortungsdebatten, engagierte Zivilgesellschaft und kluge Regulierungen möglicherweise nicht ausreichen, um die weitere technische Entwicklung auf einem menschenfreundlichen Weg zu halten. Die Sorge steht im Raum, dass wir die digitalen Geister, die wir mit guten Gründen gerufen haben, nicht nur nicht wieder loswerden, sondern dass sie uns auch noch das Heft aus der Hand nehmen könnten.

So geht dieses Buch, kurz gefasst, den verbreiteten Sorgen über eine schnelle Digitalisierung und den „unterlegenen Menschen“ nach, gibt ihnen eine Stimme, nimmt sie ernst und prüft sie auf ihren tatsächlichen Gehalt. Dies führt gelegentlich zu einer Entwarnung, teils aber auch zur Bekräftigung der Sorgen. Relativ oft muss der Leser feststellen, dass die wirklichen Sorgen gar nicht die sind, die in Medien und Öffentlichkeit zurzeit sehr präsent sind. Sondern es tun sich hinter den viel diskutierten Fragen andere und tiefer gehende Probleme auf.

Das Buch „Der unterlegene Mensch“ trägt dazu bei, dass die weitverbreiteten Sorgen um die Digitalisierung und ihre möglichen Folgen nicht in einen passiven Fatalismus münden. Stattdessen ist es Plädoyer für ein zupackendes Engagement. Die Digitalisierung darf nicht sich selbst oder den IT-Experten oder den globalen KI- und Datenkonzernen überlassen werden, sondern wir alle müssen aktiv auf ihre menschenfreundliche Gestaltung drängen. Denn darum geht es: die wunderbaren Potenziale von Algorithmen, künstlicher Intelligenz und Robotern zu unser aller Wohl und für eine gute Zukunft zu nutzen. Dieses dann doch optimistische Plädoyer ist Armin Grunwald in überzeugender Weise gelungen.

Redaktion AnlegerPlus



Diese Website verwendet Cookies. Mit der weiteren Nutzung dieser Website, akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung und die Verwendung von Cookies und um Ihnen spezielle Services und personalisierte Inhalte bereitzustellen. Weiteres erfahren Sie unter der Rubrik Datenschutz.

X schließen