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25. April 2019   Vermögen

„Deutscher Bürgerfonds“ für die Altersversorgung

fotoifo

Das Münchener ifo Institut stellt mit dem „Deutschen Bürgerfonds“ ein neues Instrument zur Stärkung der Vermögensbildung und der Altersversorgung für die gesamte Bevölkerung vor. Es könnte die Versorgungslücke bei Geringverdienern verringern.

 

Die hervorragende Bonität der Bundesrepublik Deutschland als Schuldner ermögliche es, Kredite günstig aufzunehmen und bei einer Reinvestition eine erhebliche Renditedifferenz zu erzielen, argumentieren die Wissenschaftler des ifo Instituts. In einer ifo-Simulation legt der Bund ab heute 0,5 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Jahr für alle Erwerbsfähigen an, finanziert durch langsameren Staatsschuldenabbau. Daraus ergäbe sich nach 50 Jahren bei einer durchschnittlichen Renditedifferenz von zwei Prozentpunkten ein Ertrag von gut 16 000 Euro pro Kopf, der mit dem Erreichen von 67 Jahren ausgezahlt werden könnte.

„Wegen des seit Jahren niedrigen Zinsniveaus fällt es vielen Menschen heute schwer, privates Vermögen aufzubauen. Gleichzeitig werden bei vielen die Leistungen der umlagefinanzierten Rentenversicherung kaum ausreichen, um eine gute Versorgung im Alter zu sichern. Hier könnte das Instrument eines ‚Deutschen Bürgerfonds‘ einspringen“, sagt Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts und einer der Autoren der Studie. „Da die Bürger selbst keine zusätzlichen Einzahlungen aus ihrem Einkommen leisten müssten, um das Vermögen aufzubauen, ist der ‚Deutsche Bürgerfonds‘ vor allem für Menschen interessant, die wenig verdienen“, ergänzt Fuest.

Die deutschen Staatsschulden haben mittlerweile die europäische Verschuldungsgrenze von 60 % des BIP unterschritten. Für die Dauer hoher Renditedifferenzen zwischen Bundesanleihen und anderen Kapitalmarktanlagen könnte der Bund im Rahmen der geltenden Verschuldungsregeln Schulden aufnehmen bzw. den Schuldenabbau verlangsamen, um die Mittel international breit diversifiziert anzulegen, so das ifo Institut. Dabei werde der Umstand genutzt, dass für Aktien und Immobilien weiterhin ansehnliche Renditen erzielbar seien, wenngleich aufgrund von Kurs- und Wertschwankungen nicht in jedem Jahr.

Die Differenz zwischen Schuldendienst und Anlagerendite fließt nach dem Vorschlag der ifo-Experten in eine Kapitalleistung – analog zu einer Lebensversicherung. Simulationen mit verschiedenen Szenarien und Annahmen zu den erzielbaren Renditen gehen von einer kreditfinanzierten Investition in Höhe von 0,5% des BIP pro Jahr und einer durchschnittlichen Renditedifferenz von zwei Prozentpunkten aus. Der Fonds erreiche dann nach 50 Jahren seinen Reifezustand mit dem ersten Altersjahrgang, für den im gesamten Erwerbsalter Erträge im Fonds angesammelt worden sind. Die Kapitalleistung beträgt laut ifo-Studie in diesem Fall pro Kopf im Alter von 67 Jahren gut 16.000 Euro (in Preisen von 2020). Bei einer durchschnittlichen Renditedifferenz von drei Prozentpunkten würde die Kapitalleistung sogar auf etwa 30.000 Euro steigen. In den rentennäheren Jahrgängen würden die Auszahlungen geringer ausfallen.

Die Verwaltung des „Deutschen Bürgerfonds“ sollte nach Ansicht des ifo Instituts dem politischen Tagesgeschäft entzogen sein und beispielsweise durch die Bundesbank erfolgen.

Die komplette Studie ist hier abrufbar.

Redaktion AnlegerPlus



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