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11. Januar 2021   Schwarzbuch Börse

Die Akte Wirecard

Wirecard

Der 19. Juni 2020 ist der letzte Tag von Markus Braun bei der Wirecard AG. Fast 20 Jahre war er hier der Chef. Doch an diesem Freitag ist es vorbei.

 

Was am späten Vormittag in der Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München passiert, schildern mehrere Mitarbeiter so: Der Compliance-Chef des Konzerns betritt Brauns Büro im vierten Stock. „Ich bin geschickt worden, um dich nach draußen zu begleiten“, sagt der Mann, der bei Wirecard für die Einhaltung von Recht und Gesetz zuständig ist. Braun wirkt irritiert. Ist es schon so weit?

Am Vormittag hat ihm der Aufsichtsrat das Vertrauen entzogen. Braun tritt zurück. Nun aber wirkt er überrascht von der Geschwindigkeit, mit der ihn seine Firma loswerden will.

 

Braun wird in die Tiefgarage geführt, auf einem abgeschotteten Parkplatz steht der Dienst-Maybach des Noch-Vorstandsvorsitzenden bereit. Braun muss seinen Hausausweis abgeben. Er steigt ein. Der Compliance-Chef wartet noch, bis der Chauffeur den Wagen aus der Tiefgarage gelenkt hat. Dann lässt er alle Zugangsdaten von Markus Braun in den Systemen von Wirecard sperren.

Aus. Vorbei.

 

Wirecard, das war eine Firma, die aus einem öden Gewerbegebiet des Münchner Vororts Aschheim heraus die Welt eroberte – ein Milliardenkonzern, zwischenzeitlich wertvoller als die Deutsche Bank, eine Art Tesla der globalen Finanzindustrie. Dank ihres Chefs. Markus Braun – ein Nerd, Guru, Heiland.

 

Seit Juni 2020 aber steht fest: Es war alles eine große Illusion. Auf Konten zugunsten von Wirecard fehlen 1,9 Mrd. Euro. Der Unternehmensgewinn von mehr als fünf Jahren – er ist nicht da. Wirecard meldet Insolvenz an, als erstes DAX-Unternehmen überhaupt.

Aktionäre haben insgesamt 20 Mrd. Euro verloren. Vier Männer kommen deswegen in Untersuchungshaft. Ex-Vorstand Jan Marsalek ist auf der Flucht. Die Münchner Staatsanwaltschaft verdächtigt die Wirecard-Manager des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs, der Untreue und der Marktmanipulation. Braun weist über seine Anwältin „sämtliche gegen ihn erhobenen Vorwürfe entschieden zurück“.

 

Was bleibt, ist die Geschichte einer Milliardenlüge. Die Geschichte eines Unternehmens, in dem ein dubioser Deal auf den nächsten folgte. Ein Konstrukt, das nur so lange hielt, weil so viele wegschauten – Mitarbeiter, Aufsichtsräte, Wirtschaftsprüfer, Behörden.

Wirecards Geschichte – sie war zu schön, um wahr zu sein. Von Anfang an.

[...]

 

Lesen Sie jetzt die gesamte Chronik eines deutschen Wirtschaftsskandals - Die Akte Wirecard - von den beiden WirtschaftsWoche-Redakteuren Melanie Bergermann und Volker ter Haseborg, Verfasser des Buchs "Die Wirecard Story", im Schwarzbuch Börse 2020 der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V.

Die Anlegerschützer befassen sich im Schwarzbuch Börse außerdem mit dem Behördenversagen rund um den Wirecard-Skandal. Denn nahezu sämtliche Kontrollinstanzen wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die Staatsanwaltschaft München I oder der Abschlussprüfer EY, dessen Rolle im Skandal ebenfalls ein eigener Beitrag gewidmet ist, haben in diesem Fall versagt, ebenso wie die meisten Analysten, Fondsmanager und die überwiegende Zahl der Pressevertreter.

 

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(Artikelbild: Wirecard AG)