17. Dezember 2019   Markt

Die Angst vor Aktien

csmstudie zahlen220ab0bdef

Dass die Deutschen keine Aktienfans sind, ist schon lange bekannt. Woran das genau liegt, hat eine aktuelle Studie untersucht.


Wissenschaftler der Frankfurt School und der Goethe-Universität kommen in der Studie, die von der Deutschen Börse beauftragt wurde, zu dem Schluss, dass die Kombination von Risikoaversion und überschätztem Risiko, das vor allem durch ein Informationsdefizit entsteht, die Deutschen von einer vermehrten Aktienanlage abhält.

Die Aktienmarktteilnahmequote in Deutschland lag im Jahr 2018 bei 16 % – im Vergleich zu den USA mit bis zu 54 % ein geringer Anteil. Laut der Studie liegt das vor allem daran, dass die Deutschen ihr Finanzwissen als zu gering einschätzen und äußerst risikoscheu sind. Über 50 % der Nicht-Aktienbesitzer bewerten die Aussage „Mir fehlt das Wissen, wie man am Aktienmarkt investiert“ als „eher zutreffend“ oder „voll zutreffend“. Allerdings sind für eine Anlage in börsengehandelten Indexfonds, wie sie von zahlreichen Wissenschaftlern empfohlen wird, solche Kenntnisse nur in geringem Umfang notwendig: „Viele wissen nicht, dass man vieles nicht wissen muss“, so Prof. Dr. Michael Grote, Mitautor der Studie und Professor für Corporate Finance an der Frankfurt School. Auch die Angst vor einer ökonomischen Katastrophe sowie grundsätzliche Verlustangst sind weitverbreitete Hindernisse für die Teilnahme am Aktienmarkt.

„Beim Thema Aktienkultur ist Deutschland ein Entwicklungsland. Trotz umfangreicher Aufklärungsarbeit verändert sich die Zahl der Aktionäre seit Jahren kaum“, erklärt Nicolas Nonnenmacher, Bereichsleiter bei der Deutschen Börse. „Die vorliegende Studie bietet erstmals eine detaillierte wissenschaftliche Grundlage für die Aktien-Aversion der Deutschen, bestätigt Vermutungen und bietet neue Erkenntnisse. Jedem steht nun frei, hieraus Maßnahmen abzuleiten, um die Aktienkultur in Deutschland nachhaltig zu verbessern.“

Persönliche Erfahrungen und Emotionen spielen bei der Wertpapieranlage ebenfalls eine große Rolle. Lediglich 23 % der Personen, die keine Aktien besitzen, verbinden ein gutes Gefühl mit der Vorstellung, selbst Aktionär zu sein. Bei den Aktienbesitzenden sind dies dagegen 61 %. Letztere verbinden mit einem Aktienbesitz auch vermehrt positive Begriffe – wie Gewinn und Chance, Stolz oder Freude. Die Gedanken der Nicht-Besitzer drehen sich viel stärker um Verluste und Risiken.

„Deutschland ist eine der reichsten Volkswirtschaften der Welt. Dennoch investieren die Deutschen in einem sehr geringen Ausmaß in Aktien. Sie verschenken damit mittel- und langfristig Rendite. Nach wie vor sind die Deutschen äußerst risikoscheu. Eine gezielte Aufklärung über die tatsächlichen Risiken und Chancen einer Anlage in Aktien wäre sicher hilfreich“, erklärt Grote.

Redaktion AnlegerPlus



Diese Website verwendet Cookies. Mit der weiteren Nutzung dieser Website, akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung und die Verwendung von Cookies und um Ihnen spezielle Services und personalisierte Inhalte bereitzustellen. Weiteres erfahren Sie unter der Rubrik Datenschutz.

X schließen