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18. Mai 2018   Fondsinvestments

Die Steuer macht den Unterschied

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Seit diesem Jahr gelten infolge der Investmentsteuerreform 2018 neue Regeln für die Besteuerung von Publikumsfonds. Die geänderte Steuersystematik sollte man besonders bei der Auswahl von Mischfonds im Blick haben.

Zum 1.1.2018 wurde die Besteuerungssystematik von Publikumsfonds neu geregelt: Inländische Dividenden und Immobilienerträge werden zukünftig bei inländischen Fonds bereits auf Fondsebene mit einer Körperschaftssteuer in Höhe von 15 % belegt. Dadurch sollen deutsche und ausländische Fonds gleichgestellt und EU-Recht eingehalten werden.

Was sich für Anleger ändert

Als Ausgleich für diese steuerliche Mehrbelastung gewährt der Gesetzgeber Privatanlegern pauschale „Teilfreistellungen“. Diese reduzieren die Höhe der Besteuerung von Ausschüttungen (auch der Vorabpauschale, siehe dazu weiter unten) und – beim späteren Verkauf – von Veräußerungsgewinnen. Die Höhe der eingeräumten Freistellungsquoten richtet sich nach der in den Anlagebedingungen des jeweiligen Fonds festgelegten Mindestaktien- oder Immobilienquote.

Bei einem Investmentfonds mit mindestens 51 % Aktienanteil streicht der Anleger 30 % der Ausschüttung oder des Kursgewinns steuerfrei ein. Derartige Fonds werden dann der Kategorie Aktienfonds untergeordnet. Bei einem Mischfonds, der das Vermögen zu mindestens 25 % in Aktien anlegt, beträgt die Freistellung von der Abgeltungssteuer 15 %. Bei offenen Immobilienfonds gelten Teilfreistellungsquoten von 60 %, wenn der Fonds vor allem in inländische Immobilien investiert (mindestens 51 %); liegen die Anlagen zu mindestens 51 % in ausländischen Immobilien, erhöht sich die Quote sogar auf 80 %.

Zusätzlich hat der Gesetzgeber jährliche Vorabpauschalen eingeführt. Diese greifen, wenn ein Fonds seine Erträge vollständig thesauriert oder nur zum Teil ausschüttet. Der Fiskus möchte dadurch zeitnah Zugriff auf seinen Steueranteil an nicht ausgeschütteten Erträgen erhalten. Bei der Veräußerung der Fondsanteile wird die Pauschale mit der fälligen Abgeltungssteuer verrechnet.

Ein Fallbeispiels zur Berechnung der Vorabpauschale findet sich im Beitrag „Was ändert sich 2018 für Publikumsfonds?“ auf anlegerplus.de. Die Vorabpauschale kann nie negativ werden und sie kann maximal so hoch sein wie die tatsächliche Wertsteigerung im Fonds. Aber Achtung: Die Berechnung und Abführung erfolgt von der depotführenden Stelle am Jahresanfang. Sofern kein Freistellungsauftrag greift, darf die depotführende Stelle ohne Rücksprache mit dem Anleger von dessen Verrechnungskonto Liquidität für die Steuerpauschale entnehmen. Das könnte das Konto im ungünstigsten Fall ins Minus führen. Also ist auf entsprechende Deckung zu achten.

Zwischen den geleisteten Vorabpauschalen und dem späteren Verkauf der Fondsanteile kann zudem ein großer Zeitabstand liegen. Deshalb sollten Anleger die Informationen zum Abzug der Vorabpauschale gut aufbewahren und prüfen, ob diese beim Verkauf von der fälligen Abgeltungssteuer später tatsächlich zum Abzug gebracht wurden. Vor allem bei einem Wechsel der Depotbank muss darauf geachtet werden.

Ach ja, beinahe hätten wir es vergessen. Die Vorabpauschale hat auch einen Vorteil. Zukünftig entfällt durch sie für ausländisch thesaurierende Fonds die Angabe der ausschüttungsgleichen Erträge in der Steuererklärung.

Und dann wäre da noch der Wortbruch für Altanteile, also Fonds, die vor der Einführung der Abgeltungssteuer zum 1.1.2009 erworben wurden. Für diese gilt nämlich seit dem 1.1.2018 keine Befreiung von der Abgeltungssteuer mehr. Der sogenannte Bestandsschutz wurde also einfach mal so aufgehoben. Allerdings nur für Kursgewinne, die nach dem Jahreswechsel 2017/2018 entstanden sind.

Aus diesem Grund wurden sämtliche Fonds in den Anlegerdepots zum 31.12.2017 fiktiv veräußert und gleich wieder neu angeschafft. Die bis dahin angefallenen fiktiven Kursgewinne blieben steuerfrei, die künftig entstehenden Kursgewinne unterliegen dann der Abgeltungssteuer. Für diese, nennen wir sie Altanteilsveräußerungsgewinne, wurde jedoch ein einmaliger Freibetrag von 100.000 Euro eingeräumt (200.000 Euro für gemeinsam veranlagte Ehepaare mit einem Gemeinschaftsdepot). Dieser wird von der depotführenden Stelle bei der Veräußerung aber nicht berücksichtigt. Sondern die Verrechnung des Steuerabzugs mit dem Freibetrag muss über die Steuererklärung vorgenommen werden.

Teilfreistellung hängt an der Aktienquote

Die Investmentsteuerreform sollte die steuerliche Behandlung von Fondsanteilen für Privatanleger eigentlich einfacher machen. Herausgekommen ist ein Werk, das für den Anleger wenig vereinfacht, dafür aber viel an Eigeninitiative fordert. Im Übrigen auch bei der Auswahl von Mischfonds, wie wir nachfolgend aufzeigen.

In der öffentlichen Wahrnehmung weitestgehend unbekannt ist der Fakt, dass es sich bei den oben beschriebenen Mindestaktienquoten für die steuerliche Teilfreistellung auf Anlegerebene um physische Aktienquoten handelt. D. h., der Fonds muss die Aktien auch tatsächlich im Portfolio besitzen. Und es geht dabei nur um die tatsächliche Aktienquote. Wenn der Fonds versucht, das Aktienrisiko durch den Einsatz von Derivaten zu begrenzen, hat dies keine Auswirkung auf die Quote und damit die steuerliche Einordnung.

Beispielsweise könnte der Fondsmanager versuchen, durch Futures das Risiko einer tatsächlich gehaltenen Aktienquote von 30 % im Mischfonds auf 5 % zu reduzieren. Dann würde der Mischfonds dennoch weiterhin unter die Kategorie „30 % Aktienquote“ eingeordnet. Mit dem Ergebnis für den Anleger, dass er auf Ausschüttungen, Vorabpauschalen und Veräußerungsgewinne dieses Fonds in den Genuss der Teilfreistellung in Höhe von 15 % kommt.

Die steuerliche Einordnung der Fonds in eine steuerbegünstigte Kategorie erfolgt auf Antrag der Fondsgesellschaft. Manche Mischfonds haben auf die Beantragung einer Teilfreistellung verzichtet. Dies kann daran liegen, dass sie gemäß der im Fondsprospekt festgelegten Anlagerichtlinien keine Derivate nutzen können oder auch möchten (z. B. aus Kostengründen oder eigener Überzeugung), gleichzeitig aber die Flexibilität mit Blick auf niedrigere Aktienquoten nicht aufgeben wollen. Möglicherweise versuchen sie auch einfach nur die Änderung des Fondsprospekts zu vermeiden oder sie möchten nicht in eine höhere Risikoklasse eingestuft werden.

Umgekehrt kann ein Fonds, der ein hohes Fondsvermögen aufweist, nicht problemlos auf eine Mindestaktienquote in Form physischer Aktien umstellen. Mit dem Zukauf größerer Aktienbestände über den Markt würde er die Kurse zu seinen Ungunsten in die Höhe treiben. Möglicherweise werden einige Fonds die Quoten daher über einen längeren Zeitraum behutsam aufbauen und erst dann eine Teilfreistellung beantragen.

Der Einfluss auf die Nachsteuerrendite

Anleger, die in einen Mischfonds investieren möchten, stehen seit diesem Jahr also vor der Wahl, für welche Alternative sie sich entscheiden sollen:

A) einen Mischfonds, der sich keiner Aktienquote unterwirft und mit dem sich somit keine Teilfreistellung auf Anlegerebene ergibt

B) einen Mischfonds mit einer Aktienquote von mindestens 25 % und einer Teilfreistellung von 15 %

C) einen Mischfonds mit einer Aktienquote von mindestens 51 % und einer Teilfreistellung von 15 % (steuertechnisch gilt ein solcher Mischfonds dann als Aktienfonds)

Diese Auswahl hat ganz konkrete Auswirkungen auf den ggf. anfallenden Veräußerungsgewinn nach Steuern. Nehmen wir an, ein Musteranleger investiert zu gleichen Teilen in die drei genannten Mischfondsalternativen und erzielt beim Verkauf jeweils einen Veräußerungsgewinn von 20.000 Euro. Nach Abzug der Abgeltungssteuer, dem Soli und Kirchensteuer (9 %), mithin einer steuerlichen Belastung von 28 % also, verbleiben ihm in Variante A) 14.400 Euro, in Variante B) 15.240 Euro und in Variante C) 16.080 Euro, siehe Kasten. Die Variante C) bringt eine um 11,67 % höhere Rendite als z. B. die Variante A und eine um 5,51 % höhere Rendite als die Variante B).

Das Beispiel zeigt, dass die Anlagestrategie und die Anlagebedingungen eines Mischfonds ganz erheblichen Einfluss auf die Nachsteuerrendite haben. Die Teilfreistellung wirkt sich hier positiv aus und müsste von Fonds ohne Teilfreistellungseinstufung über eine Mehrrendite ausgeglichen werden, damit sie für Anleger weiterhin interessant bleiben. Um beim Beispiel von oben zu bleiben, müsste Fonds A) eine um 11,67 % höhere Vorsteuerrendite als Fonds C) erzielen, um mit Fonds C) konkurrieren zu können, und Fonds B) eine um 5,51 % höhere.

Und diese Renditeberechnungen gelten auch ganz allgemein für die drei verschiedenen Mischfondskategorien (ohne Teilfreistellungseinstufung, Teilfreistellungseinstufung 15 %, Teilfreistellungseinstufung 30 %). „Um beispielsweise eine Vorsteuer-Rendite von 5 % p. a. bei einem Fonds mit 30 % Teilfreistellung zu erreichen, müsste der gleiche Fonds mit nur 15 % Teilfreistellung ein Ergebnis von 5,28 % pro Jahr (+5,51 % im Vergleich zu 5,00 %) erzielen. Ohne Teilfreistellung müsste er sogar 5,58 % pro Jahr (+11,67 % im Vergleich zu 5,00 %) erzielen“, hat die Fondsgesellschaft Sauren in einer Beispielrechnung (auch über verschiedene Renditeszenarien hinweg) errechnet.

Fazit

Für den Anleger bedeutet die „neue Welt“ der Investmentfondsbesteuerung, dass beim Verkauf von Mischfonds mit vergleichbarer durchschnittlicher tatsächlicher Aktienquote, aber in den Anlagebedingungen unterschiedlich festgelegter Aktienquoten wegen daraus resultierender Teilfreistellungseinstufungen auf Anlegerebene unterschiedliche steuerlichen Belastungen entstehen. Und auch wenn steuerliche Gründe kein ausschlaggebender Punkt für Investments sein sollten, spielen sie hier nun doch eine Rolle, sofern es zu den beschriebenen Varianten alternative Mischfonds mit grundlegend ähnlicher Anlageausrichtung gibt.

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Beispielrechnung:

Veräußerungsgewinn vor Steuern: 20.000 Euro (in den Varianten A, B und C)

zu versteuernder Gewinn:

20.000 Euro (Variante A)

20.000 x 0,85 = 17.000 Euro (Variante B mit 15 % Teilfreistellung)

20.000 x 0,70 = 14.000 Euro (Variante C mit 30 % Teilfreistellung)

davon Steuer (28 %)

5.600 Euro (Variante A), 4.760 Euro (Variante B), 3.920 Euro (Variante C)

Gewinn nach Steuern

14.400 Euro (Variante A)

15.240 Euro (Variante B)

16.080 Euro (Variante C)

 

 

Christoph Richter



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