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11. November 2019   Markt & Werte

Drei Streifen werden siebzig

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Ein DAX-Wert feiert dieses Jahr runden Geburtstag, und was für einen: Seit 70 Jahren existiert die Firma adidas nun schon. An der Börse ist sie seit 1995 – für die Aktionäre eine einzigartige Erfolgsstory.

 

Das exakte Gründungsdatum der heutigen adidas-Konzerns war der 18. August 1949. Die Anfänge der weltbekannten Sportmarke reichen aber sogar bis in die Zwanzigerjahre zurück. Bereits 1924 gründeten Adolf und Rudolf Dassler nämlich die „Sportschuhfabrik Gebrüder Dassler“. Nach dem 2. Weltkrieg entstanden daraus bekanntermaßen zwei Unternehmen: Die von Adolf gegründete adidas (als Kurzform von „Adi Dassler“) und der von Rudolf gegründete Konkurrent Puma.

 

1978 bereits Weltmarktführer

Das bekannte Markensymbol des Konzerns, die drei Streifen, feiern ebenfalls 70-JährigesJubiläum: Adi Dassler ließ sie sich am Tag der Firmengründung patentieren. International bekannt wurde die Firma 1954, als die deutsche Fußballnationalmannschaft in adidas-Schuhen überraschend Weltmeister wurde. In den Sechzigerjahren begann dann die Produktion von Sportbekleidung.

Als Adi Dassler 1978 starb, war das Unternehmen bereits Weltmarktführer. Doch nach dem Tod des Patriarchen kamen schwere Zeiten: Seine Witwe Käthe und Sohn Horst verstarben wenige Jahre später, zudem rutschte das Geschäft in die roten Zahlen. Die verbliebenen Dassler-Töchter verkauften den Sanierungsfall nach Frankreich: Zuerst übernahm Bernard Tapie 1990 das Unternehmen, dann die Großbank Crédit Lyonnais und wenig später Robert Louis-Dreyfus.

 

Seit 1998 ununterbrochen im DAX

Louis-Dreyfus baute die Firma komplett um und machte sie wieder profitabel. Vor allem aber brachte er adidas 1995 an die Börse. Danach fungierte er noch bis 2001 als Vorstandschef. Der Börsengang war ein riesiger Erfolg: Die Aktie stieg vom Ausgabepreis von umgerechnet 9,63 auf über 40 Euro im Jahr 1998 und wurde in diesem Jahr am 19. Juni in den DAX aufgenommen. Seitdem ist sie dort ununterbrochen Mitglied. Dabei ging der Kurs unmittelbar nach der Aufnahme wieder auf Talfahrt, denn die 1997 zugekaufte Wintersportmarke Salomon erwies sich als Flop.

2001 folgte auf Vorstandschef Louis-Dreyfus Herbert Hainer. Er verkaufte Salomon im Jahr 2005 mit hohem Verlust – übernahm mit Reebok allerdings selbst einen faulen Apfel. Hier scheint die Geschichte allerdings glücklicher zu enden: Denn nach harten Sanierungsmaßnahmen ist Reebok seit letztem Jahr und damit pünktlich zum adidas-Jubiläum wieder profitabel.

 

300 Euro im Visier

Nach dem Verkauf von Salomon begann der Kurs wieder nachhaltig zu steigen, Ende 2007 wurde erstmals die Marke von 50 Euro überschritten. Der Einbruch während der Finanzkrise war nur von kurzer Dauer, bereits 2011 folgte ein neues Allzeithoch. Anfang 2014 näherte sich das Papier erstmals der Marke von 100 Euro, die dann Anfang 2016 geknackt wurde. Seitdem kennt die Aktie an der Börse quasi kein Halten mehr.

Als wir adidas in der AnlegerPlus-Ausgabe 9/2017 (Print) zuletzt als Qualitätsaktie vorstellten, stand sie gerade kurz vor der 200-Euro-Marke, die schließlich erstmals im April 2018 erreicht wurde. In diesem Sommer kam der Titel mit 296,35 Euro sogar dicht an die 300-Euro-Marke heran, konnte sie jedoch nicht knacken. Diese Marke zu überwinden, wäre natürlich das schönste Jubiläumsgeschenk gewesen. Aber die Kursentwicklung kann sich auch so sehen lassen: Seit dem Börsengang hat sich die Aktie fast verdreißigfacht. 

 

Erfolgreicher Spagat

Und parallel dazu wird seit 1996 ununterbrochen eine Dividende gezahlt. Die hat sich seitdem von umgerechnet 0,03 auf 3,35 Euro je Aktie erhöht – mehr als eine Verhundertfachung! Ein wesentlicher Grund für den dauerhaften Erfolg von adidas ist, dass man den Spagat zwischen Sportausrüster und Modemarke immer geschafft hat. Der Konkurrent Puma kann ein Lied davon singen, was passiert, wenn man zu stark auf „Lifestyle“ setzt und das Sportsegment vernachlässigt.

Eines wurmt den adidas-Konzern, der zuletzt auf einen Jahresumsatz von 21,9 Mrd. Euro kam, aber möglicherweise: Der US-amerikanische Konkurrent NIKE ist mit umgerechnet 35 Mrd. Euro Umsatz mittlerweile klarer Weltmarktführer und dürfte nur schwer wieder einzuholen sein. Doch der Markt ist nach wie vor groß und wachstumsstark genug für beide Riesen.

 

Einer der teuersten DAX-Werte

Das gilt nicht zuletzt wegen der zunehmenden Innovationen, die den Nerv der Zeit treffen: Funktionstextilien aus recyceltem Plastik beispielsweise, biologisch abbaubare Fasern oder personalisierbare Schuhe aus dem 3D-Drucker. Kein Wunder also, dass adidas auch dieses Jahr bei den Erlösen um 5–8 % zulegen will und beim Gewinn sogar um 10–14 %.

Ein Ende des Wachstumstrends ist nicht in Sicht, das sieht auch die Börse so, die der Aktie auf Basis der Schätzungen für 2020 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 25 zugesteht. Damit sind die Franken einer der teuersten DAX-Werte – dafür aber nicht nur wachstumsstark, sondern auch finanzschuldenfrei. Deshalb bleibt die Aktie trotz der hohen Bewertung ein Top-Investment für Langfristanleger.

Gemessen an der nominalen Höhe des Aktienkurses ist der Titel mit knapp 300 Euro im Moment der teuerste DAX-Wert. Das Problem, wenn es denn eines ist, ließe sich leicht durch einen Aktiensplit beheben. Den gab es schon mal, nämlich im Jahr 2006, als aus einer Aktie vier wurden.

Stefan Müller, Redaktion AnlegerPlus



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