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13. Februar 2020   HV-Bericht

Drittligist Unterhaching erobert die Herzen der Aktionäre

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Viel fehlte bei der ersten ordentlichen Hauptversammlung (HV) der noch jungen Unterhachinger-Börsengeschichte am 30.1.2020 nicht mehr zur Vollversammlung. Die 260 anwesenden Aktionäre vertraten rund 94 % des Grundkapitals und für alle war klar: Der Aufstieg in die 2. Bundesliga soll her.

 

Im Juli 2019 richteten Fußball- und Börsenfans deutschlandweit ihre Blicke gespannt gen Süden. Der Börsengang eines Fußballvereins stand an, so etwas hatte es seit dem IPO des BVB im Jahr 2000 nicht mehr gegeben. Dass nun gerade ein Drittligaverein diesen Schritt knapp 20 Jahre später wagt, kam einer kleinen Sensation gleich. Jenseits der Ankerinvestoren, darunter Präsident „Manni“ Schwabl mit einem Anteil von 19,34 %, sammelte die Spielvereinigung Unterhaching bei einem Ausgabepreis von 8,10 Euro rund 2,69 Mio. Euro an frischem Kapital ein. Geld, das der Verein dringend für Investitionen in das Stadion benötigt.

 

Doch auch das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) soll von den Millionen profitieren. Die hauseigene Talentschmiede ist laut Schwabl das Herz des Vereins und birgt für die Aktionäre ein interessantes Wertpotenzial. Rund 50 % der aktuellen Profi-Mannschaft haben ihre Wurzeln im NLZ. Das in der Talentschmiede schlummernde „Beingold“ versorgt die Spielvereinigung zudem regelmäßig mit außerordentlichen Einnahmen. Beispielhaft nennt Schwabl hier gerne den U16-Nationalspieler Karim Adeyemi, dessen Transfer zu RB Salzburg dem Verein eine Rekordablösesumme von 3,35 Mio. Euro bescherte.

 

Großes Vorbild BVB?

Dennoch stellen sich viele Investoren bis heute die Frage: Fußballverein und Börse – passt das zusammen? In Deutschland geht hierbei der Blick nach Dortmund. Die Börsengeschichte der Borussen-Aktie gleicht einer Achterbahnfahrt. Gestartet bei einem Ausgabepreis von 11 Euro, brach die Notierung bis zum Jahr 2009 auf 80 Cent ein. Der aktuelle Kurs von rund 8,90 Euro ist jedoch immer noch etwas vom damaligen IPO-Preis entfernt.

Doch bei den Unterhachingern scheint alles anders zu sein. Es gibt nur wenige Fußballclubs, die den Münchner Vorstädtern in Sachen Bodenständigkeit und Innovation das Wasser reichen können. Vereinspräsident Schwabl kommuniziert diese Werte nicht nur, er lebt sie. Daher richtet er den Blick viel lieber weg von Dortmund, hin in die ebenfalls kleine Fußballprovinz Heidenheim. Der 1. FC Heidenheim schaffte es durch weise und innovative Führung von der Regionalliga in die 2. Bundesliga und ist wirtschaftlich dennoch solide aufgestellt.

 

Der Aufstieg und die Millionen

Dass sich das Erreichen der Profitabilität in der 3. Liga als nahezu unmöglich darstellt, daraus macht Schwabl auch am Tag der HV kein Hehl. Im letzten Geschäftsjahr häufte sich ein Verlust von 5,2 Mio. Euro an. Schwabl sieht zwar auch hier einiges an Verbesserungspotenzial, doch klar ist: Jedes weitere Jahr in der Drittklassigkeit reißt weitere Löcher in das finanzielle Polster. Eine Liga höher sieht das bereits ganz anders aus. Dort erhalten die Vereine TV-Gelder zwischen 7 und 24 Mio. Euro pro Spielzeit. Aktuell sind es für Haching nur 1 Mio. Euro.

Beim aktuellen Aktienkurs von 8,85 Euro errechnet sich eine „sportliche“ Marktkapitalisierung von knapp 35 Mio. Euro. Eine Bewertung, die dem von GBC-Analyst Goldmann taxierten fairen Unternehmenswert von 40 Mio. Euro bereits sehr nahe kommt. Dieser unterstellt hierbei einen Aufstieg in der Saison 2021/22. Eine Zielsetzung, die nicht unrealistisch erscheint, stehen die Unterhachinger in der aktuellen Saison doch an dritter Stelle auf dem Relegationsplatz.

 

Fans und Aktionäre vereint

Nicht nur in der Fanbrust schlummert somit die Hoffnung auf einen baldigen Aufstieg. Schwabl beabsichtigte mit dem scheinbar greifbaren Ziel Aufstieg, auch am Kapitalmarkt erneut Herzen für seine Spielvereinigung zu gewinnen. Im Nachgang zum IPO sollte durch Ausübung des genehmigten Kapitals einem neuen Großaktionär der Einstieg ermöglicht werden. Am Tag der HV kam dann jedoch die ultimative Liebesbekundung. Der Präsident verkündete, dass er doch viel lieber eine Bezugsrechtskapitalerhöhung durchführen möchte. Die Aktionäre wird’s freuen.

Paul Petzelberger, Redaktion AnlegerPlus



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