27. Dezember 2019   Wirtschaft

Ein Plädoyer für freie Märkte

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Besonders gut gelingt das produktive und friedvolle Zusammenwirken der Menschen, wenn die Märkte frei sind: Wenn jeder die Freiheit hat, das nachzufragen, was er zu kaufen wünscht; und wenn jeder die Freiheit besitzt, das anzubieten, was die Kunden nachzufragen wünschen. Im freien Markt können Unternehmen ihr Angebot konsequent an den Bedürfnissen der Nachfrager ausrichten, Güter in bester Qualität zu niedrigsten Preisen anbieten. Erfolgreiche Unternehmer werden mit Gewinn belohnt und sie können ihre Produktion ausweiten – zum Nutzen der Kunden.

 

Die Konkurrenz schläft nicht

Wenn die Erzeugnisse des Unternehmers hingegen keinen Absatz finden, scheidet er früher oder später aus dem Markt aus. Seine Kapitalien wandern dann in die Hände besserer Wirte – und auch das ist im Sinne der Kunden. Und weil auf freien Märkten Wettbewerb herrscht – Markteintritt und Marktaustritt also jederzeit möglich sind –, ist jeder Produzent angehalten, seinen Erfolg quasi jeden Tag aufs Neue zu erringen; ansonsten überholt ihn die Konkurrenz.

In einem freien Markt sind unternehmerische Erfolgspositionen nicht etwa in Stein gemeißelt, sondern vielmehr fortlaufend zur Disposition gestellt.

 

Das ist auch der Grund, warum viele Unternehmer den Wettbewerb nicht mögen und staatliche Markteingriffe (in Form von Steuern, Ge- und Verboten und Regularien) befürworten, durch die der Wettbewerb heruntergeregelt und neuen Anbietern das Leben schwergemacht wird – zulasten der Nachfrager. Aber auch Arbeitnehmer sind häufig kein Fan freier Märkte. Denn freie Märkte sorgen dafür, dass jeder ganz konsequent nach dem Beitrag entlohnt wird, den er zum Wohlergehen seiner Mitmenschen leistet.

 

Wenn die Talentierten und Fleißigen hohe Einkommen erzielen, macht sich Unzufriedenheit breit bei den weniger Talentierten und weniger Fleißigen. Sie fühlen sich schlecht behandelt.

Doch solch ein Unmut, so menschlich er auch sein mag, ist bei genauem Durchdenken ungerechtfertigt. Denn letztlich profitieren alle, die an der Arbeitsteilung teilnehmen, wenn einige besonders erfolgreich sind. Denn das bedeutet Produktivitätssteigerungen, durch die die Löhne steigen können. Und das kommt letztlich allen Branchen zugute, auch den Branchen, in denen es üblicherweise nur geringe Produktivitätssteigerungen gibt.

 

Weniger Armut durch freie Märkte

Freie Märkte sorgen nicht nur für die größtmögliche Güterversorgung. Sie genügen auch – und das mag manchen Skeptiker überraschen – höchsten ethischen Anforderungen. Eine ethische Handlungsvorgabe („Norm“) muss bekanntlich für alle und jeden und jederzeit gelten, und ihr Befolgen muss zudem das Überleben derjenigen sicherstellen, die sich an diese Norm halten. Und genau das gewährleistet das System freier Märkte, dessen Kern der unbedingte Respekt vor dem Eigentum ist.

Jeder ist hier Eigentümer seiner selbst („Selbsteigentum“) und auch der Güter, die er sich auf nicht-aggressivem Wege aneignet: durch Inlandnahme bisher freier Ressourcen („Homesteading“), Produktion und freiwilliges Tauschen. Der unbedingte Respekt vor dem Eigentum, wenn also ich akzeptiere, was Deins ist, und Du akzeptierst, was meins ist, stellt eine Norm bereit, mit der sich interpersonelle Konflikte verhindern oder, wenn sie entstanden sind, sich prinzipiell lösen lassen. Das Befolgen der Eigentumsnorm erlaubt auch das Überleben der Menschheit und dass sie ihren materiellen Wohlstand erhöht.

 

Noch nie war die Bevölkerungszahl auf dem Globus so hoch wie heute und noch nie zuvor war der materielle Wohlstand so hoch. Die Armut ist auf dem Rückzug. Sie könnte zweifellos noch viel niedriger sein, hätte man in den letzten Jahrzehnten den freien Märkten erlaubt, sich weltweit ungehindert zu entfalten.

Doch genau dagegen arbeiten die Staaten an. Besonders augenscheinlich war das im Sozialismus des Ostblocks, der die freien Märkte mit aller Macht unterdrückt und zerstört hat. Aber auch im modernen Neo-Sozialismus, der in der westlichen Welt im Gewand des Wohlfahrtsstaates daherkommt, geht der Feldzug gegen die freien Märkte weiter.

 

Staatsversagen auf allen Ebenen

Die Staaten dringen in alle Wirtschafts- und Lebensbereiche vor: Ob Erziehung, Bildung, Gesundheit, Altersvorsorge, Umwelt, Recht und Sicherheit sowie Geld und Kredit – überall ist der Staat zum dominanten (Mit-)Spieler geworden und hat den freien Markt verdrängt. Mit Verordnungen und Gesetzen, mit Ge- und Verboten und Regularien und Steuern relativieren die Staaten das Eigentum, lösen es ökonomisch gesehen immer weiter auf. Dieser sogenannte „Interventionismus“ läuft auf nichts anderes heraus als die Abschaffung der freien Märkte.

 

Die Markteingriffe der Staaten erzielen nicht das, was beabsichtigt wird. Illustrative Beispiele gibt es dafür genug; man denke nur einmal an die Energiepolitik, die staatliche Altersvorsorge, die Geldpolitik.

Die Zielverfehlungen und Schäden, für die der Interventionismus sorgt, ermuntern seine Befürworter aber leider regelmäßig dazu, „bessere“ und „beherzte“ Interventionen zu fordern. Eine Interventionsspirale kommt so in Gang, die, wenn sie nicht gestoppt wird, die Marktwirtschaft nach und nach zerstört; der Staat bestimmt dann alles und jedes: Unternehmensgewinne, Löhne, Managementgehälter, Zinsen, Produktionsstruktur etc.

 

Privateigentum statt Staatseingriffe

Viele der Missstände, die sich heute auf dem Globus zeigen, wie Finanz- und Wirtschaftskrisen, eine wachsende Schere zwischen Arm und Reich, Altersarmut und Umweltverschmutzung, werden meist den freien Märkten angelastet, obwohl sie das Ergebnis des Interventionismus sind.

Die freien Märkte werden diskreditiert und so wird dem Vordringen des Staates Vorschub geleistet. Das gilt vor allem bei Umwelt- und Klimaproblemen. Man ruft nach dem Staat, nicht nach den freien Märkten. Doch wirksamer Umweltschutz braucht freie Märkte. Sie befördern technischen Fortschritt und Wohlstand und geben den Menschen erst dadurch die Möglichkeit, Ressourcen zu schützen. Was zusätzlich notwendig ist, ist allerdings eine konsequente Privatisierung aller Ressourcen.

 

Erst das Privateigentum befördert den sorgsamen Umgang mit Ressourcen, während öffentliches Eigentum Verschwendung und Übernutzung fördert. Befinden sich Land, Meer und Binnengewässer in privaten Händen, lassen sich nachweisliche Verstöße gegen Eigentumsrechte in Form von zum Beispiel Verschmutzung wirksam einklagen und sanktionieren.

Ob es um Naturressourcen, Geld und Kredit oder Recht und Sicherheit geht – die freien Märkte bieten ungeahnte Möglichkeiten, die Probleme der Zeit effizient und nachhaltig zu lösen. Nicht der Staat, sondern die freien Märkte verdienen Vertrauen. Mit ihnen, nicht aber mit dem Staat lässt sich Wohlstand auf der Welt schaffen und erhalten.

 

Prof. Dr. Thorsten Polleit

Präsident des Ludwig von Mises Institut Deutschland e.V.

und Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel GmbH




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