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14. Februar 2019   HV-Bericht

Einschneidende Veränderungen bei thyssenkrupp

thyssenkrupp hv

Die thyssenkrupp AG blickt auf ein sehr turbulentes Geschäftsjahr zurück. Entsprechend vielfältig waren die Diskussionsgrundlagen auf der diesjährigen ordentlichen Hauptversammlung. Mit der geplanten Unternehmensteilung will das Management den Stahl- und Industriekonzern wieder voranbringen.

 

Der neue Vorstandsvorsitzende Guido Kerkhoff warb in seinen Ausführungen auf der Hauptversammlung am 1. Februar in Bochum für eine Aufteilung des Konzerns. Aus thyssenkrupp soll ein fokussierter Industriekonzern und ein führender Werkstoffkonzern entstehen. Auf der einen Seite soll die thyssenkrupp Industrials AG als Industriegüterkonzern die Bereiche Aufzüge, Automobilzulieferergeschäft und Anlagenbau umfassen. Der zweite Konzern, die thyssenkrupp Materials AG, soll vor allem die Beteiligung am Stahl-Joint-Venture, den Materialhandel sowie das Marinegeschäft beinhalten.

 

Aufteilungspläne in der Kritik

Unter der neuen Aufstellung rechnet das Management mit einer schnelleren und dynamischeren Entwicklung. Zudem sollen laut Kerkhoff mit diesem Schritt stille Reserven gehoben werden, die es ermöglichen, beide Konzernteile adäquat mit Kapital auszustatten. Der Vorstand hat sich für den Teilungsprozess einen strammen Zeitplan gesetzt: Bereits auf der kommenden Hauptversammlung Ende Januar 2020 sollen die Aktionäre gebeten werden, der Teilung zuzustimmen. Nach den internen Querelen des vergangenen Jahres ist hierbei positiv zu werten, dass beide Großaktionäre den Plan des Managements unterstützen.

Aufseiten der Aktionäre war das Echo jedoch eher kritisch: Der HV-Sprecher der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. Daniel Vos sah die Aufspaltung aus der Not heraus geboren. Kritik übten viele Aktionäre außerdem an den im Rahmen der Teilung zu erwartenden Kosten im hohen dreistelligen Millionenbereich. Zudem verwiesen die Aktionäre auf die METRO AG, deren Aufteilung den Anteilseignern bisher lediglich Verluste bescherte.

 

Stahl-Joint-Venture auf der Zielgeraden

Auf dem Prüfstand der Hauptversammlung stand auch  ein im Sommer 2018 unterschriebenes  gemeinsames Joint-Venture zwischen thyssenkrupp und Tata Steel. Durch die Zusammenarbeit entsteht die Nummer zwei in der europäischen Stahlindustrie. Der Vorstand sieht dadurch deutlich verbesserte Chancen im Wettbewerb mit den asiatischen Anbietern. Sobald die Transaktion komplett vollzogen ist, wird das Stahlgeschäft aus dem Konzern herausgelöst. Zwar befindet sich die EU-Kommission derzeit noch in der Prüfung des Zusammenschlusses, CEO Kerkhoff zeigte sich vor den anwesenden Aktionären dennoch zuversichtlich, die Transaktion bereits im Frühjahr abschließen zu können. Durch die Zusammenarbeit erhofft sich das Management jährliche Synergieeffekte in Höhe von 400 bis 500 Mio. Euro.

 

Enttäuschende Geschäftszahlen

Diese sind auch dringend notwendig. Denn die thyssenkrupp AG erreichte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 zwar eine Umsatzsteigerung auf 34,8 Mrd. Euro, das Ergebnis blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück. Einmal mehr belasteten zusätzliche Rückstellungen für Kartell-Altlasten das Ergebnis. Für das laufende Jahr kündigte Kerkhoff ein bereinigtes EBIT von über 1 Mrd. Euro an, das im Vorjahr bei lediglich 706 Mio. Euro lag. Mit der neuen Aufstellung des Konzerns will das Management die Profitabilität bis zum Geschäftsjahr 2020/21 kräftig steigern und dann auch einen positiven Free Cashflow erwirtschaften.

Der Kapitalmarkt sieht die neuen Pläne derzeit eher skeptisch. Nach einem kurzen Sprung bei Bekanntgabe der Spaltungspläne geriet der Aktienkurs in den letzten Monaten deutlich unter Druck. Der geplante Konzernumbau wird thyssenkrupp mindestens ein Jahr beschäftigen. Ob sich die daraus erhofften Erfolge einstellen, bleibt jedoch abzuwarten.

Matthias Wahler, Redaktion AnlegerPlus



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