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15. Januar 2019   Investment

ESG oder besser Impact?

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Nachhaltige Kapitalanlagen haben enorm an Bedeutung gewonnen. Häufig lässt sich der konkrete Nutzen jedoch nicht messen. Hier kommen sogenannte Impact Investments ins Spiel.

Als Themeninvestment erfreuen sich nachhaltige Anlagen seit geraumer Zeit steigender Beliebtheit unter den Anlegern, vor allem den institutionellen Anlegern. Aber auch private Anleger nehmen diese Anlagealternativen verstärkt wahr. Allerdings ist die Spannbreite des Investmentansatzes in der Umsetzung riesig.

 

Das Schlechte vermeiden...

Meist versuchen nachhaltige Investments, das klassische Anlegerdreieck aus Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit um das Thema Nachhaltigkeit zu erweitern. Der Grundgedanke dahinter ist die Erfüllung des Wunsches, auch mit der Geldanlage Nutzen zu stiften und Gutes zu tun – im Idealfall ohne Renditeverzicht. Die Landschaft der Investitionsmöglichkeiten ist groß und bunt – so ziemlich jede  Fondsgesellschaft hat heute ihr Angebot um derartige  Fonds erweitert.

Unter dem Oberbegriff ESG (Environment, Social und Governance) wird subsumiert, was der Nachhaltigkeit dienen soll. Im Investitionsprozess sollen also die Bereiche Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung berücksichtigt werden. Dabei werden in der Regel gewisse Problembranchen (z. B. Waffenindustrie) oder andere kritische Punkte (wie Kinderarbeit) ausgeschlossen. Aus dem verbleibenden Universum werden diejenigen Anlageobjekte gewählt, deren Unternehmen oder Staaten nach gewissen Gesichtspunkten positiv abschneiden (Umgang mit Mitarbeitern, CO2-Abdruck, etc.). In einem dritten Schritt werden abschließend die renditestärksten Anlagen gewählt.

Zusätzlich versuchen immer mehr Fondsmanager, Einfluss auf Unternehmen zu nehmen, um die ESG-Werte zu verbessern. Sie üben z.B. Druck auf das Management aus, die Lieferketten genauer auf Arbeitsstandards überprüfen zu lassen.

 

Fondshäuser bieten allerdings nicht immer aus Überzeugung nachhaltige Varianten an, sondern folgen damit „nur“ der Nachfrage am Markt.  Dabei wird nicht selten ESG-Washing betrieben. Hauptsache, es steht Nachhaltigkeit auf dem angebotenen Investmentvehikel, ob es dann auch tatsächlich unter diesen Voraussetzungen betrieben wird, scheint weniger wichtig.  Manchmal wird lediglich versucht, etwas nachhaltiger als eine Benchmark zu sein. Oder bei einem sehr locker gesetzten Best-in-Class-Ansatz taucht schon mal ein Ölkonzern im Portfolio auf, weil es das nachhaltigste Unternehmen aus der (an sich problematischen) Branche ist.

Da es keine einheitliche Definition von Nachhaltigkeit bei der Geldanlage gibt (ähnlich der Ökolables im Supermarkt), lässt sich diesem Vorgehen kein Riegel vorschieben. Dennoch gibt es in der Politik Gedankenspiele, das Thema Nachhaltigkeit in der Wertpapierberatung oder seitens der Produktanbieter verpflichtend einzuführen. Bis dahin sollten Anleger einzelne Fonds selbst genau prüfen, die sie unter dem Label der Nachhaltigkeit erwerben. Generell muss bei der Investmentauswahl meist ein Kompromiss zwischen dem Wünschenswerten und Machbaren eingegangen werden. Es geht dann eher darum, die Welt nicht weiter zu verschlechtern, denn sie zu verbessern.

 

...oder Gutes tun

Wem das nicht ausreicht, kann eine Stufe weiter gehen und sich einem Impact-Investment zuwenden. Im Unterschied zu den klassischen ESG-Anlagen geht es hier weniger um die Vermeidung von kritischen Inhalten, sondern vielmehr um die Erzielung eines konkret messbaren positiven Effektes auf ein bestimmtes Thema. In der Regel werden hier Bereiche wie Umweltschutz und nachhaltige Landwirtschaft, Zugang zu Bildung, Gesundheit und Verminderung von Armut angegangen. Leider besteht im Unterschied zu den ESG-Anlagen in diesem Umfeld meist kein Zugang für Privatanleger. Überwiegend Stiftungen, institutionelle Anleger oder Family Offices tummeln sich bei Impact-Investments.

Dennoch bestehen für schmalere Geldbeutel gewisse Möglichkeiten zielorientiert mit Impact zu investieren: Durch Kleinkreditvergabe kann über Mikrofinanzfonds nachhaltig und konkret messbar Armut bekämpft werden. Der Invest in Vision Mikrofinanzfonds (WKN A1H44T) hat beispielsweise seit 2011 über 140.000 Kleinkreditnehmern aus aller Welt den Weg in die unternehmerische Tätigkeit geebnet und damit einen Ausweg aus der Armut gezeigt. Die Fondsgesellschaft veröffentlicht nicht nur die Gesamtzahl der Kreditnehmer, sondern zeigt in ihren Monatsberichten auch konkrete Einzelfälle.

 

Etwas schwieriger wird es beim Thema CO2-Reduktion. Ein Green Bond der KfW verwendet die eingesammelten Mittel unter anderem, um Projekte zur CO2-Reduktion zu finanzieren (https://www.kfw.de/nachhaltigkeit/KfW-Konzern/Nachhaltigkeit/Nachhaltige-Unternehmensprozesse/Nachhaltiges-Investment/KfW-Green-Bond-Portfolio/). Wie und wo genau die eingesparten Tonnen CO2 aber der Umwelt helfen, lässt sich nicht exakt messen – deshalb handelt es sich hierbei eher um ein „Light Impact Investment“.

Wer die Mittel und Zeit hat, kann sich darüber hinaus über Direktinvestments und geschlossene Fonds im Impact-Bereich Gedanken machen, für die breite Anlegerschicht ist dies eher keine Lösung. Generell dienen Impact-Anlagen mehr als Beimischung im Portfolio, über ESG-Anlagen kann auch der Kern dessen abgedeckt werden.

 

Fazit

Sobald die Euphorie um nachhaltige Geldanlagen wieder abebbt, wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Generell empfiehlt sich genau zu prüfen, ob die in der Anlagestrategie genannten Kriterien den eigenen Ansprüchen genügen. Wer wirklich etwas Messbares bewirken will, muss sich mit dem Impact Investment näher beschäftigen und die Augen nach machbaren Anlagen offen halten.

 

Mehr über nachhaltige Investments lesen Sie in der nächsten Ausgabe unseres Magazins AnlegerPlus 1/2019, das am 2. Februar erscheint.

Christoph Richter



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