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7. November 2019   Markt & Werte

Facebook – wird das was mit Libra?

NDAC Bulle7

Unser Depotwert Facebook wird wieder einmal unter Beschuss genommen, doch dieses Mal nicht wegen Datenschutzverletzungen, Hass-Postings oder gar schlechter Zahlen. Aktuell ist die Diskussion über die von Facebook geplante Einführung einer weltweit gültigen Kryptowährung neu entbrannt.

 

Am 14.10.2019 ist die Libra Association in Genf zusammengekommen, um offiziell ihre Arbeit aufzunehmen. Und schon gerät Facebook unter Beschuss durch die Notenbanken, die das Vorpreschen des Internetunternehmens hin zu einer eigenen Kryptowährung aufgeschreckt hat. In der Diskussion darum geht es allerdings vor allem um nationale und nicht um sinnvolle, von allen Seiten akzeptierte, international gültige Lösungen.

 

Rückzug der Unterstützer

Doch nicht nur die Zentralbanken haben gegen eine international akzeptierte Währung jenseits der Notenbanken sehr viel einzuwenden. Der im Juni von Facebook verkündete Plan für einen Stablecoin musste sich seit Monaten auch gegen immense Kritik von Aufsehern, Politikern und Kryptofans gleichermaßen behaupten. Innerhalb kurzer Zeit nach Ankündigung verließ gut ein Viertel der ursprünglich vorgesehenen Mitglieder das Projekt – unter anderem so prominente Unterstützer wie PayPal, Visa, Mastercard und Stripe. Ob wegen des Drucks der internationalen Finanzindustrie, der Politik oder der Notenbanken auf die Partnerunternehmen oder weil diese nicht mehr vom Erfolg überzeugt sind, sei dahingestellt. Fakt ist jedenfalls, dass die geplante Kryptowährung Libra erste Auflösungserscheinungen zeigt, bevor es überhaupt richtig losgegangen ist.

 

Der Rückzug der prominenten Libra-Mitstreiter könnte stark mit dem regulatorischen Druck auf das Projekt zusammenhängen. Am Ende geht es jedoch wohl vor allem darum, dass sich Libra nie so richtig von Facebook emanzipieren konnte. Sich mit Facebook einzulassen, scheint gerade kein Glück zu bringen, zumal bereits der Wahlkampf ums Weiße Haus in Washington tobt. Mit Senatorin Elizabeth Warren gewinnt derzeit eine Kandidatin der Demokraten an Zulauf, die es erklärtermaßen auf Facebook abgesehen hat. Mark Zuckerberg selbst hat das längst erkannt und spricht offen darüber, dass eine Warren-Präsidentschaft „beschissen“ für Facebook wäre. Doch auch Präsident Trump würde Facebook und andere BigTechs am liebsten an die Kandare nehmen.

 

Die Wirtschaftsmacht von Facebook

Ungeachtet dessen müssen alle Kritiker und erklärte Gegner von Facebook jedoch die Macht der Zahlen des sozialen Netzwerkes anerkennen. Seit dem Börsenstart 2012 legte die Aktie von 25 Euro bis zum Allzeithoch von 188,50 Euro zu und ist aktuell mit rund 175 Euro nicht sehr weit von diesem Rekordhoch entfernt.

 

Laut Bericht zum dritten Quartal 2019 konnte Facebook seinen Gewinn und Umsatz erneut stark steigern. Der Konzern verzeichnete einen Umsatz von knapp 17,7 Mrd. US-Dollar, 29 % mehr als vor einem Jahr. Der Periodengewinn lag bei 6,1 Mrd. US-Dollar oder 2,12 US-Dollar je Aktie. Die Steigerung zum zweiten Quartal, als der Gewinn 2,6 Mrd. US-Dollar (0,91 US-Dollar je Aktie) betrug, fiel besonders deutlich aus. Da hatte allerdings ein Vergleich mit der Handelsaufsicht der US-Regierung, der Federal Trade Commission (FTC), wegen diverser und hinlänglich bekannter Datenschutzskandale das Ergebnis beeinträchtigt. Zusätzlich zog eine Änderung der Bilanzierung von Steuerabzügen für aktienbasierte Vergütungen den Gewinn in Mitleidenschaft. Ohne diese beiden Faktoren hätte das Unternehmen im zweiten Quartal bereits 1,99 US-Dollar pro Aktie verdient. Zum 30. September 2019 waren bei Facebook 43.030 Personen beschäftigt, ein Plus von 28 % gegenüber dem Vorjahr.

 

Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer stieg im dritten Quartal um 8 % auf 2,45 Milliarden Benutzer. Darüber hinaus verwenden Schätzungen zufolge rund 2,2 Milliarden Menschen täglich Facebook sowie Instagram, WhatsApp oder Messenger, die ebenfalls zum Imperium von Zuckerberg gehören. Mindestens 2,8 Milliarden Menschen nutzen jeweils mindestens einen dieser Dienste im Monat, erklärte das Unternehmen.

 

Fazit

Egal, wann und ob überhaupt das Projekt Libra verwirklicht werden wird, Zuckerbergs Unternehmen kann, wie die herausragenden Zahlen zeigen, einen Fehlschlag sehr wohl verkraften – womöglich sogar besser als die Notenbanken und die vielen Bezahldienste, die um ihre Existenz fürchten müssen, wenn es plötzlich eine Alternative zu ihnen gäbe.

 

Ungeachtet der jüngsten Abgänge von Partnerunternehmen peilt der verantwortliche Libra-Manager David Marcus für den Start der neuen Währung die Marke von 100 Partnern an. Zu den bestehenden Mitgliedern gehören so namhafte Risikokapitalgesellschaften wie Andreessen Horowitz und Union Square Ventures, aber auch die Fahrdienste Uber und Lyft. Weitere Schwergewichte im Partnerpool bilden Musikanbieter Spotify und Vodafone.

Die meisten Aktionäre halten Facebook nicht wegen der Pläne zur Kryptowährung Libra in ihren Depots, sondern weil sich das Unternehmen sich zu einer Gelddruckmaschine mit glänzenden Aussichten für die Zukunft entwickelt hat. Deshalb bleiben wir ebenfalls weiter dabei.

 

Torsten Arends, NDAC




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