Unser kostenfreies Online-Magazin

Kennen Sie unser kostenfreies Online-Magazin AnlegerPlus News? Dieses erscheint einmal monatlich immer zwischen den Printausgaben. AnlegerPlus News bietet Kapitalanlegern ein breites Informationsangebot und fundierte Hintergrundberichte zu den Themen Aktien und Geldanlage. Weitere Schwerpunkte sind Unternehmensanalysen und Hauptversammlungsberichte. Das Angebot wird abgerundet durch Essays zum Kapitalmarkt.


KOSTENFREI UND UNVERBINDLICH REGISTRIEREN

10. Juni 2021   Investment

Freiheit für Fondsmanager – nur so können sie Alpha

korr.78RuR5 21

Mit den hervorragenden Ergebnissen vieler aktiv gemanagter Investmentfonds im vergangenen Jahr flammt die Diskussion „aktiv oder passiv“ wieder stärker auf. Was stimmt denn nun? Die kurze Antwort lautet „Es kommt darauf an“. Und die längere: Darauf, wie viel Freiheiten Fondsmanager erhalten, um Anlageentscheidungen zu treffen, die sich nicht am Index, sondern an ihrer Überzeugung orientieren.

 

Aktive Manager sind grundsätzlich nicht in der Lage, im langfristigen Durchschnitt bessere Renditen zu erzielen als der breite Markt. Sagen Kritiker. Denn Aktienmärkte seien effizient und deshalb sämtliche Informationen in den Kursen bereits enthalten. Das bestärkt manchen darin, sich nur noch passiv investierende ETFs zuzulegen. Vielleicht überrascht es: Ich bin selbst in passiven Produkten investiert. Denn sie haben überall dort ihre Berechtigung, wo Anleger kostengünstig in Leitindizes investieren möchten. Den EuroStoxx 50 zum Beispiel. Oder den S&P 500. In Märkte also, die tatsächlich sehr effizient sind. Aktive Manager haben es in einem solchen Umfeld schwer, nachhaltig besser als der Markt abzuschneiden.

 

Anders sieht es mit spezielleren Anlageklassen aus. Nehmen wir die europäischen Nebenwerte, die mit rund 2.000 Einzelaktien eine überwältigende Vielfalt an Unternehmen umfassen. Es gibt kaum eine Branche, eine Technologie oder einen Trend, die man hier nicht findet. Für die meisten dieser Werte interessiert sich nur eine Handvoll Analysten. Das führt zwangsläufig zu ineffizienter Preisbildung, also dazu, dass nicht jede an sich öffentlich verfügbare Information bereits in den Kursen dieser Aktien enthalten sein muss.

 

Hier kann ein langjährig erfahrener Stockpicker den entscheidenden Unterschied machen. Seine eingehende Branchen- und Marktkenntnis, detaillierte Analysen, persönliche Unternehmensbesuche und regelmäßige Gespräche mit dem Management helfen ihm, solche Informationen zu finden und zu bewerten. Eine Garantie für überdurchschnittliche Renditen gibt es trotzdem nicht. Auch Nebenwertefonds entwickeln sich höchst unterschiedlich. Vielen gelingt es trotz Spezialwissen in ihrem Nischenmärkten nicht, ihren Vergleichsindex immer wieder neu hinter sich zu lassen.

 

Woran liegt das? Nach meiner Überzeugung müssen Fondsmanager in einem Umfeld arbeiten, das ihnen das notwendige Vertrauen entgegenbringt und ihnen den Rücken stärkt. Fondsmanager müssen die Freiheit haben, mit überzeugten Investmententscheidungen ins Risiko zu gehen. Sie müssen in ihrem Mut zu einer starken, vom Konsens abweichenden Meinung bestärkt werden. Und es muss ihnen erlaubt sein, diese Überzeugungen umzusetzen, nur die besten Unternehmen ins Portfolio zu holen und sich dabei nicht an ihrem Vergleichsindex zu orientieren. Nur so können sie langfristig bessere Ergebnisse erzielen als der Marktdurchschnitt. Wer hingegen nur dem Konsens folgt, darf nicht mehr erwarten als die Konsens-Rendite – und das ist eben nur der Markt.

 

Manche Fondsgesellschaft gibt ihren Portfoliomanagern diese unbedingt notwendigen Freiheiten nicht; um keine Risiken einzugehen. Also werden diese Manager eher dazu neigen, sich eng an ihrem Vergleichsindex zu orientieren und in Wahrheit passiv agieren. So stehen sie vermeintlich auf der sicheren Seite. Hier liegt ein ganz wesentlicher ein Grund dafür, warum viele aktive Portfoliomanager ihrem Vergleichsindex nach Kosten hinterherhinken.

 

Meines Erachtens erkennt man gutes aktives Management an einer langfristig den Markt übertreffenden Rendite und einer hohen Information Ratio, die die Fondsrendite ins Verhältnis zum Fondsrisiko setzt. Keine Frage: Klare, verbindliche, sanktionierbare Richtlinien und Risikovorgaben für Fondsmanager sind unverzichtbar. Doch viele Fondsgesellschaften zwängen ihre Managementteams in ein Korsett kleinteiliger Investmentprozesse, das kaum noch Raum für kreative Investmentideen lässt – das Gleichgewicht zwischen Kontrolle und Sinn für Chancen ist gestört. Interessant: Gerade Fonds-Boutiquen sind es, denen dieser Spagat häufiger gelingt. Je geringer die Freiheitsgrade für die Portfoliomanager, desto geringer sind ihre Chancen auf Alpha.

 

Über Ralf Lochmüller & Lupus alpha

Heute seit über 30 Jahren im Asset Management tätig, gründete Lochmüller im Jahr 2000 mit vier Partnern Lupus alpha – ein unabhängiges, eigentümergeführtes Fondshaus für Spezialsegmente wie europäische Nebenwerte, Wandelanleihen und Volatilität. Lupus alpha verwaltet über 13 Mrd. Euro für professionelle Investoren und Privatanleger, davon mehr als 2 Mrd. Euro in Publikumsfonds.

Ralf Lochmüller, Lupus alpha