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27. April 2016   Börse

Für eine bessere Aktienkultur!

pro Aktie

Eine Studie der größten deutschen Direktbanken, die Mitte März im Rahmen des „Tages der Aktie“ an der Frankfurter Börse vorgestellt wurde, zeigt auf, welcher Mangel in Sachen Aktienkultur in Deutschland weiterhin herrscht. Aber nicht nur die Deutschen haben Nachholbedarf, auch andere Länder zeigen Defizite.

Vor einem Jahr wurde die „Aktion pro Aktie“ von den vier größten Direktbanken – der comdirect bank, der Consorsbank, der DAB Bank und der die ING-DiBa ins Leben gerufen, mit dem Ziel, die Aktienkultur in Deutschland zu stärken, das Finanzwissen der deutschen Bevölkerung zu verbessern und Vorbehalte gegenüber der Anlageform Aktie abzubauen. Anfang 2016 ist maxblue, die Online-Investment-Plattform der Deutschen Bank, diesem Aktionsbündnis beigetreten.

Zum ersten Jahrestag ihres Bestehens hat das Bündnis eine repräsentative Studie zu den Themen Aktien und Geldanlage vorgestellt. Befragt wurden im Rahmen der Studie 2.000 Deutsche und jeweils etwa 500 US-Bürger und Briten. Das Fazit der Studie ist, die Aktie hat in den USA und Großbritannien einen deutlich besseren Ruf als in Deutschland, wo die Aktie immer noch als Zockerpapier gilt und hauptsächlich den Unternehmen zum Vorteil gereicht. Überraschend dabei ist, dass sich trotz dieser unterschiedlichen Wahrnehmung der Anteil der Wertpapierinvestments international nicht deutlicher von dem in Deutschland abhebt.

Im Detail
Noch immer klaffen Wahrnehmung und Wirklichkeit im deutschen Anlageverhalten weit auseinander. Während den Deutschen durchaus bewusst ist, dass die Rente im Alter kaum dazu reichen wird, den gewohnten Lebensstandard aufrecht zu erhalten, steht das Thema Finanzen bei ihnen nicht hoch im Kurs. 57 % der Deutschen gibt das Geld lieber für Urlaub, Shopping oder Restaurantbesuche aus, statt es in die Altersvorsorge zu investieren. In Großbritannien ist dies übrigens ganz ähnlich, während in den USA 56 % ihr Geld lieber fürs Alter sparen, als es zu „konsumieren“. Überhaupt sind die Amerikaner Finanzthemen gegenüber aufgeschlossener. Nur 29 % der US-Bürger halten es für ein notwendiges Übel, sich in der Freizeit mit Geldthemen zu beschäftigen, in Deutschland liegt dieser Bevölkerungsanteil bei 44 %, in Großbritannien bei 41 %.

Angesichts dieser Ergebnisse erscheint es dann wiederum erstaunlich, dass der Anteil der Aktienanlage am Gesamtvermögen bei den als aktienaffiner eingestuften Briten und US-Amerikaner nur geringfügig höher ist als bei den Deutschen und dass dieser Anteil noch dazu eher gering erscheint: Der Anteil der Aktienanlagen am Gesamtvermögen liegt in Deutschland bei niedrigen 12 %, in den USA und UK bei gerademal 14 %. Briten, US-Amerikaner und Deutschen setzen lieber auf niedrig verzinste Anlageformen. In allen drei Ländern steht das Girokonto auf Platz 1 der Beliebtheitsskale (über 40 %).

Als ideale Anlageprodukte bezeichnen 34 % Deutschen, 38 % der Briten und 42 % der US-Amerikaner Spar- und Girokonten, während Aktien (Fonds, ETFs und Einzelaktien) nur von 17 % der Deutschen, 8 % der Briten und 17 % der Amerikaner als ideales Anlageproduktgesehen werden. Von einer Aktienkultur kann man also auch in UK und den USA keinesfalls sprechen.

Unterschiedliche Wahrnehmung
Außerdem klassifizieren 24 % der befragten Deutschen die Aktie als absolutes „Zockerpapier“. In UK (7 %) oder den USA (10 %) hat man hier eine etwas andere Sichtweise. Immerhin glauben auch 70 % der Amerikaner, dass der Aktienanleger von einem Aktieninvestment profitiert, während in Deutschland daran nur 51 % der Anleger glauben.

Das passt dann allerdings auch zu der Einschätzung der Deutschen, die Aktienanlage als sehr risikobehaftet einzustufen. Auf einer Skala von 0  bis 10 (10 = hohes Risiko), werden Einzelaktien von den Deutschen mit 6,2 bewertet, Aktien-ETFs mit 5,7 und Aktienfonds mit 5,5. Anleihen dagegen nur mit 4,4. Somit ist klar, warum deutsche Privatanleger Mittelstandsanleihen teilweise so unkritisch gegenüberstanden. In Großbritannien und den USA liegt die Bewertung der drei Aktienanlageformen übrigens größtenteils unter der Marke von 5.

Ungenügende Finanzkenntnisse
Alles in allem scheint die Ablehnung der Anlageform Aktie vor allem in einem zu geringen Fachwissen der Sparer begründet zu sein. Einmal werden laut Studie den niedrig verzinsten Anlageformen zu hohe Renditeerwartungen zugrunde gelegt, andererseits fehlen Grundlegende Kenntnisse zur Anlageform Aktie. In Deutschland wissen beispielsweise nur 68 %, dass Aktien eine Beteiligung am Unternehmen darstellen (UK 77 %, USA 72 %). 18 % der Deutschen glauben, dass es sich bei einem Aktienengagement um einen Kredit handelt, den man einem Unternehmen gibt (UK 9 %, USA 13 %). 9 % der Deutschen können mit dem Begriff Aktie überhaupt nichts anfangen (UK 13 %, USA 14 %).

Sehr überraschend gerade im internationalen Vergleich ist folgendes Ergebnis: In Deutschland wissen nur 24 %, dass die Dividende ein Renditebestandteil der Aktie ist. In Großbritannien und den USA, wo die Unternehmen traditionell eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik verfolgen und Quartalsdividenden mehrmals pro Jahr ausschütten, kannten nur 13 % bzw. 8 % die Dividende als Aktienbestandteil.

Kaufe nur was du kennst
Wenn sich der Deutsche dann aber für ein Aktieninvestment entscheidet, dann verhält er sich durchaus rational. Denn dann bevorzugt er Investments in nationale Unternehmen, die er kennt und deren Entwicklung er in den einschlägigen Medien verfolgen kann. Ähnlich verhält sich der US-Amerikaner. Allerdings wäre es aus Diversifikationsgesichtspunkten ideal, sein Investment auch auf das ein oder andere ausländische Unternehmen aufzuteilen. So handhabt es beispielsweise der britische Anleger, in dessen Depot sich neben britischen Werten auch Aktien aus den USA befinden.

Redaktion AnlegerPlus



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