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11. April 2019   Markt & Werte

Fusion von Blau und Gelb?

NDAC Bulle4

Farbtheoretiker wissen, dass sich aus den Primärfarben Blau und Gelb die Sekundärfarbe Grün ergibt. Daraus die Farbe für eine Bank abzuleiten, die aus der möglichen Fusion der Deutschen Bank und der Commerzbank entstehen würde, wäre ein nicht gerade in die Zukunft weisendes Omen. Schließlich gehörte das Grün zur Dresdner Bank, die einst die großen Privatbanken in Deutschland komplettierte und dann von der wesentlich kleineren Commerzbank gerettet werden musste.

 

Am 17.3.2019 wurde in separaten Pflichtmitteilungen beider Privatbanken mitgeteilt, dass die Vorstände von Commerzbank und Deutscher Bank beschlossen haben, Möglichkeiten für eine Fusion auszuloten. Dabei gehe es darum, „strategische Optionen zu prüfen“. Es gebe aber „keine Gewähr, dass es zu einer Transaktion kommt“.

Speziell die Deutsche Bank war in der Fusionsfrage bisher immer zurückhaltend. Schließlich hat das Geldhaus noch genug eigene Aufgaben zu bewältigen, anstatt sich mit Fusionsfragen zu beschäftigen. Das ist nicht nur die Meinung von Vorstandschef Christian Sewing, sondern auch vieler Bankexperten. Die Probleme sind riesig, also traf sich Sewing bereits vorher mit Commerzbank-Chef Martin Zielke, um die Möglichkeiten auszuloten. Als Ergebnis dieser Vorabgespräche haben nun die ergebnisoffenen Verhandlungen begonnen.

 

Der Einfluss der Politik

Und wieder einmal mischt sich die Politik ein. Bundesfinanzminister Olaf Scholz präferiert im Hintergrund nämlich den Zusammenschluss beider Banken zu einer neuen privaten Großbank und hat dabei den rund 15%igen Anteil des Bundes an der Commerzbank im Blick, den der Bund mit Gewinn nach einer möglichen Fusion verkaufen möchte. Das ist irgendwie verständlich, handelt es sich doch um das Geld des Steuerzahlers, das zur Rettung des kleineren Fusionspartners im Zuge der Finanzkrise eingesetzt wurde.

Finanzstaatssekretär Jörg Kukies wirkte und wirkt ebenfalls auf die Fusion hin. Gut dabei zu wissen: Er war vor seinem Wechsel ins Bundesfinanzministerium im April 2018 Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs. Da ist es nicht schwer zu erraten, wer die Commerzbank in der Fusionsfrage beraten soll. Richtig: Neben der Rothschild Bank ist dies Goldman Sachs. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt …

 

Die Deutsche Bank hat übrigens die Citibank als Beraterbank an ihre Seite geholt. Es wäre jedoch auch nicht verwunderlich gewesen, wenn Goldman Sachs aufseiten der Deutschen Bank gestanden hätte. Gilt doch Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, als ein großer Befürworter einer Fusion, und bevor er im Jahr 2000 zur Allianz wechselte, war er Deutschland-Chef der US-Investmentbank …

Selbst wenn der Bundesfinanzminister jetzt nicht mehr so viel von der Einflussnahme wissen will – er folgt damit seiner Bundeskanzlerin –, sind die politischen Risiken groß, die er mit seiner Fürsprache eingeht.

 

Was bringt die Fusion?

Die Deutsche Bank ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Doch sie ist immer noch die einzige deutsche Universalbank, die in der Lage ist, fusions- und übernahmewillige Unternehmen auf dem internationalen Parkett zu begleiten. Deshalb sind die Wirtschaftsexperten und Unternehmenslenker von der Idee begeistert, wieder ein etwas größeres Pfund in der Finanzwelt, speziell im Investmentbanking, zu haben.

Die Commerzbank hat nach wie vor unter der Übernahme der größeren Dresdner Bank zu leiden. Während der Finanzkrise war der Vorstand nicht in der Lage, das Ruder souverän in der Hand zu halten. Staatliche Hilfe wurde benötigt, um zu überleben.

 

Kurzum: In beiden Häusern muss gespart werden, schließlich sind die Renditen verschwindend gering. Funktionieren kann das nur mit Strukturanpassungen. Egal, wie viele Arbeitsplätze eine Fusion kosten wird – Bankexperten sprechen von 30.000 bis 50.000 oder noch mehr –, es wird eine Zeit lang dauern und teuer werden, die Anpassungen zu finanzieren und danach wieder effektiv zu arbeiten. Diese Zeit hat die neue Bank aber nicht, und das Geld wohl auch nicht.

Die angedachteFusion ergibt unserer Meinung nach nur Sinn, wenn das neue Institut unbelastet in die Zukunft gehen kann und eine klare Fokussierung auf die internationale Rolle hat, die Deutschland als Exportnation benötigt. Alles andere, speziell der Privatkundenbereich, sollte in einer anderen Struktur weitergeführt werden.

Der Privatkundenbereich könnte zum Beispiel in der immer noch nicht vollständig in die Deutsche Bank integrierten Postbank seinen Platz finden. Damit würde gleichzeitig der angestrebten Trennung von Privatkundengeschäft und Investmentbanking Rechnung getragen. Die anderen, weniger lukrativen Dinge beider Banken – dazu gehören die immer wieder einmal auftauchenden alten und vielleicht neuen „Leichen“ – sollten allerdings besser in eine „Bad Bank“ ausgegliedert werden.

 

Fazit

Einen Neustart als fusionierte Großbank wollten dem Vernehmen nach beide Banken aber nicht. Vielleicht werden die Gespräche deshalb bald abgebrochen. Schwer zu denken geben sollte allen Akteuren dabei, dass im Ausland trotz der niedrigen Aktienkurse offenbar ebenfalls kein Interesse an den beiden deutschen Geldhäusern besteht.

 

Torsten Arends, NDAC




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