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18. Dezember 2018   Leseraktie

Gewinnprognose steigt, Aktie fällt

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Erstmal haben wir im November 2018 unter unseren Followern bei Facebook die „Leseraktie“ bestimmen lassen. Unter den SDAX-Werten konnte die Community  für ihren Favoriten für eine Besprechung in den AnlegerPlus News voten. Am Ende hat sich die CORESTATE Capital Holding S.A. durchgesetzt.

Das Immobilienunternehmen aus Luxemburg ist erst seit zwei Jahren an der Börse und seit März dieses Jahres im SDAX vertreten. Die Aktie hat im Börsenjahr 2018 über 40 % an Wert verloren.

Was das Unternehmen aber in diesem Jahr aus der Masse der Aktien hervorhob: Der Kursrückgang war nicht durch schlechte Unternehmensmeldungen verursacht, sondern einzig durch die schwache Gesamtmarktstimmung. Unlängst hat das Management die Gewinnprognose für das laufende Jahr sogar erhöht.

 

Dividendenerhöhung angekündigt

Das ist kein Wunder, denn die Branche, in der die Luxemburger tätig sind, boomt ungebrochen: der Immobilienmarkt. Das Unternehmen agiert hier als Dienstleister, der Immobilieninvestoren in allen Lebenszyklen eines Investments begleitet: von Akquisition und Projektentwicklung über Finanzierung und das Management der Objekte bis zum „Exit“ durch Verkauf. Dafür legt die Firma auch eigens geschlossene Immobilienfonds auf.

Kunden sind institutionelle Investoren, vermögende Privatleute und Family Offices. Die „Assets under Management“ liegen mittlerweile bei 25 Mrd. Euro. Als geografischen Kernmarkt bezeichnet das Unternehmen Deutschland, ergänzende Aktivitäten finden zudem in anderen europäischen Ländern statt.

 

Dank des Immobilienbooms sprudeln die Erträge: Hatte die Firma im vergangenen Jahr bei Umsatzerlösen von 195 Mio. Euro noch einen bereinigten Gewinn von 93,3 Mio. Euro ausgewiesen, wird in diesem Jahr nach der im November erhöhten Prognose ein Umsatz von 270 bis 280 Mio. Euro und ein Überschuss von 125 bis 135 Mio. Euro erwartet. Zudem habe man eine „sehr auskömmliche Pipeline potenzieller Transaktionen“ von rund 5,8 Mrd. Euro, unterstreicht das Management die Ambitionen für das weitere Wachstum.

Dazu gesellt sich eine äußerst generöse Dividendenpolitik: Rund 70 % des Gewinns sollen jedes Jahr an die Aktionäre fließen. Für das Geschäftsjahr 2016 waren das 1 Euro je Aktie, für 2017 schon 2 Euro und für 2018 werden 2,50 Euro anvisiert.

 

Dienstleister, kein Bestandshalter

Das ergibt aktuell eine staatliche Dividendenrendite von über 7 %. Das versöhnt die Anleger wohl mit den Kursverlusten in diesem Jahr, zumal die Aktie mit derzeit 29 Euro immer noch deutlich über der Erstnotiz von 17,50 Euro steht, mit der sie am 4.10.2016 in den Handel startete. Corestate kam damals „kalt“ an die Börse und war anfangs nur im Entry Standard notiert. Leider sind trotz Aufstieg in den SDAX die Finanzberichte weiterhin nur auf Englisch verfügbar. Da sollte die Gesellschaft noch nachbessern. Eine Verlegung der Hauptversammlung von Luxemburg nach Deutschland wäre ebenfalls zu begrüßen, schließlich hat man sich für eine deutsche Börsennotiz entschieden.

 

Zu der hohen Dividendenrendite gesellt sich ein nur einstelliges KGV: Mit den Gewinnschätzungen der Analysten von 5,83 Euro pro Aktie für kommendes Jahr liegt es bei knapp sechs. Ist das ein Garant dafür, dass die Aktie bald wieder ihre alten Höchstkurse von 56,50 Euro in Angriff nimmt? Bei wieder freundlicherer Börsenstimmung sollte man das meinen. Allerdings hängt der weitere Kursverlauf sicherlich auch wesentlich davon ab, wie es am Immobilienmarkt und bei den Zinsen weitergeht. Beides hängt eng zusammen, da der zentrale Faktor für den Immobilienboom die niedrigen Zinsen sind.

Diesbezüglich betont Corestate, dass man ein Dienstleister sei, kein Bestandshalter. Damit will man den Anlegern die Angst vor Abschreibungen nehmen, sollten die Immobilienpreise sinken. Allerdings hat man immer mal wieder Objekte kurzfristig im Eigenbestand – den sogenannten „Warehousing-Bestand“. Den hat man dieses Jahr allerdings kräftig abgebaut und die Nettoverschuldung damit deutlich gesenkt.

 

Analysten äußerst optimistisch

Dass die Zeiten härter werden, spürt Corestate durchaus: Für Übernahmen wie die der Helaba-Tochter Hannover Leasing und der Schweizer Helvetic Financial Services AG hatte sie im Jahr 2017 noch eifrig Kapitalerhöhungen durchgeführt. Dem Aktienkurs hat das im Haussejahr 2017 nicht geschadet. Im deutlich schlechteren Börsenjahr 2018 hat das Management wohlweislich auf die Ausgabe weiterer Aktien verzichtet und stattdessen den Fremdkapitalmarkt angezapft: Bereits Ende 2017 wurde eine Wandelanleihe emittiert, im März 2018 dann eine normale Unternehmensanleihe mit einem Zinskupon von 3,5 %.

Positiver Nebeneffekt war, dass sich dadurch der Bekanntheitsgrad am Kapitalmarkt verbessert hat. Das wird z. B. daran deutlich, dass sich mittlerweile acht Analystenhäuser mit der Aktie befassen. Diese geben durch die Bank eine Kaufempfehlung ab, mit Kurszielen zwischen 62 und 77 Euro. Dafür müsste der Immobilienboom aber wohl wirklich unvermindert weitergehen und die Börsenstimmung müsste sich wieder nachhaltig bessern.

 

Quelle: investing.com

Stefan Müller, Redaktion AnlegerPlus



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