16. Oktober 2015   BÖRSE

Holpriger Börsengang

CovestroAG

Nach LANXESS hat der Bayer-Konzern erneut eine Tochter an die Börse gebracht, die Covestro AG (ISIN DE0006062144). Der Börsengang war sehr holprig, der Börsenstart fulminant, inzwischen ist schon wieder Normalität eingekehrt.

Vor einem Jahr hatte Bayer angekündigt, seinen Geschäftsbereich „MaterialScience“ in die Eigenständigkeit entlassen zu wollen und sich in Zukunft nur noch auf das Gesundheitsgeschäft und den Agrarbereich zu konzentrieren. In diesen Bereichen sieht Bayer langfristig größeres Wachstumspotenzial und die Bereiche gelten weniger konjunkturanfällig als die Kunststoffsparte, die nun eingebettet in die Covestro AG an die Börse ging.

Kunststoffe für Automobilindustrie
Covestro hat sich auf Kunststoffe spezialisiert, genauer Polycarbonate und Polyurethane. Die ehemalige Bayer MaterialScieneces ist weltweit der größte Komponentenhersteller für Polyurethane, die als weicher und harter Schaumstoff in der Möbel-, Haushaltsgeräte- und Bauindustrie genutzt werden. Auch bei den Polycarbonaten zählt Covestro zu den größten Anbietern. Der Hightech-Kunststoff kommt in der Automobil-, Elektronikindustrie und Medizintechnik zum Einsatz.

Die beiden Produktgruppen machen den Großteil des Umsatzes aus. Zunehmend an Bedeutung gewinnt das Geschäft mit hochwertigen Spezialpolymeren aus Polyurethanen. Sie dienen als Ausgangsstoffe für Lacke, Klebstoffe und Spezialchemikalien, die in der Automobil-, Bau-, Textil- und Kosmetikindustrie verwendet werden. Ende 2014 beschäftigte Covestro gut 14.000 Mitarbeiter an 30 Standorten rund um den Globus.

Das Unternehmen selbst sieht sich in einem Wachstumsmarkt unterwegs, für den unabhängige Studien Wachstumsraten über dem weltweiten Wirtschaftswachstum erwarten. Makrotrends wie Klimawandel, steigende Mobilität oder auch die zunehmende Urbanisierung würden dieses Wachstum unterstützen. Covestro ist derzeit der viertgrößte Chemiekonzern in Europa nach BASF, LyondellBasell und Evonik. „Wir haben uns intensiv auf die Eigenständigkeit vorbereitet und sehen uns für den Gang an die Börse sehr gut aufgestellt“, gab sich Vorstandschef Patrick Thomas optimistisch. „Danach können wir unsere Stärken noch schneller, effektiver und flexibler einsetzen und unsere Wettbewerbsvorteile weiter ausbauen.“

Börsengang wird zu schwerer Geburt

Angekommen an der Börse, legte die Bayer-Tochter einen fulminanten Start hin. Bei einem Ausgabekurs von 24 Euro stieg die Aktie in den ersten Handelstagen um mehr als 12 % auf zwischenzeitlich über 27 Euro. Trotz des Happyends war das drittgrößte IPO seit 2007 eine schwierige Geburt. Nach den Börsen-Abstürzen Anfang Oktober waren die Investoren (hauptsächlich Institutionelle) verunsichert und wollten für Neuemissionen die genannten Konditionen nicht mehr akzeptieren. Covestro kam ihnen deshalb bei der Preisspanne deutlich entgegen: Statt der ursprünglichen 26,50 bis 35,50 Euro wurde diese auf 21,50 bis 24,50 Euro reduziert.

Auch die Anzahl der angebotenen Aktien, die alle aus einer Kapitalerhöhung resultieren, musste von ursprünglich geplanten 94,3 Mio. auf 62,5 Mio. stark beschnitten werden. Infolge dessen spielte der Börsengang statt der erhofften 2,5 Mrd. Euro tatsächlich nur 1,5 Mrd. Euro ein. Geplant ist der Emissionserlös für den Abbau der Verschuldung, die Covestro vom Mutterkonzern aufgebürdet wurde. Die Differenz zwischen erwartetem und tatsächlichem Emissionserlös in Höhe von einer Milliarde Euro hat die Mutter Bayer durch eine Kapitaleinlage ausgeglichen. Die Nettofinanzverschuldung inkl. Pensionsverpflichtungen liegt damit unverändert bei 4 Milliarden Euro.

Auf Basis der Gesamtzahl der Aktien und des Ausgabepreises der neuen Aktien von 24 Euro beträgt die Marktkapitalisierung von Covestro 4,9 Mrd. Euro, was das Unternehmen künftig durchaus auf eine Aufnahme in den DAX hoffen lässt. Die Aktien sind im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notiert. 31 % der Aktien befinden sich im Streubesitz, die restlichen 69 % liegen weiterhin beim Bayer-Konzern.

Nachhaltige Dividende geplant
Aktuell notiert die Aktie etwa 4 % über dem Ausgabepreis. Für die Erstzeichner also immer noch ein recht schöne Rendite auf die Haltedauer des Investition gerechnet. Und Covestro hält für die Aktionäre noch ein weiteres „Schmankerl“ bereit: Man möchte nämlich auch als Dividendenwert glänzen. „Wir gehen davon aus, dass unser starker freier Cashflow eine nachhaltige Dividendenpolitik ermöglicht“, kündigt Covestro-Chef Patrick Thomas an. Bereits für das verkürzte Geschäftsjahr 2015 ist eine Ausschüttungssumme von 100 Mio. bis 150 Mio. Euro vorgesehen. Zumindest war das so angedacht, wenn der Börsengang erfolgreich verläuft. Die Beurteilung des Managements diesbezüglich steht noch aus. Ab dem Geschäftsjahr 2016 sind dann Dividenden von 30 bis 50 % des Konzernergebnisses nach IFRS geplant.

Gewinnsprung im 1. Halbjahr
Und wie läuft das Geschäft? Im Geschäftsjahr 2014 steigerte Covestro seinen Umsatz um 4 % auf 11,8 Mrd. Euro. Der Nettogewinn verbesserte sich von 179 Mio. auf 277 Mio. Euro. Noch besser lief das 2. Quartal 2015: Die Umsatzerlöse wuchsen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 11 % auf 3,2 Mrd. Euro, während das EBITDA sogar um 87 % auf 506 Mio. Euro zulegte.

Im 1. Halbjahr 2015 erzielte Covestro ein EBITDA von 930 Mio. Euro, was einem Plus von 46 % entspricht. Die Rendite aus dem operativen Geschäft stieg dadurch von 11 auf 15 %. Der neue Chemiekonzern profitiert besonders vom starken Dollar, niedrigen Rohstoffkosten und einer größeren Nachfrage nach Polycarbonat. Wegen geringerer Investitionen in Sachanlagen soll der freie Cashflow in den nächsten Jahren weiter steigen. Zudem ist geplant, die Gesamtkosten an das Niveau vergleichbarer Konzerne aus der Chemieindustrie anzupassen. Zusammen mit der angestrebten Anlagenoptimierung will das Management bis 2019 420 Mio. Euro einsparen.

Bewertung moderat
Mit Ausgliederungen hat Bayer Erfahrung. Vor zehn Jahren trennte man sich von der eigenen Chemiesparte. Unter dem Namen Lanxess ist diese mittlerweile in den DAX aufgestiegen. Auch Covestro könnte eine Erfolgsstory werden. Mit seinen zwei Kunststoffarten und einer Vielzahl bunter Produkte liegt der viertgrößte europäische Chemiekonzern an der Weltspitze.

Doch es gibt auch Risiken: Covestro ist in einigen Märkten aktiv, in denen Überkapazitäten die Marge schmälern. Dazu kommt, das Konjunkturrisiko ist immer gegeben und in diesem Fall so hoch, dass Bayer sich davon trennen wollte um die Entwicklung der anderen Sparten nicht zu beeinflussen. Und es ist nicht von der Hand zu weisen, eine schwächere Konjunktur in China und anderen Schwellenländern würde die Geschäfte bremsen.

Bei einem für 2015 anvisierten EBITDA von 1,5 Mrd. Euro ist die Bewertung im Vergleich zu anderen Chemiekonzernen aber noch moderat. Analysten taxieren den Eigenkapitalwert zwischen 6 Mrd. und 7,5 Mrd. Euro.

 

Thomas Müncher



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