10. September 2019   HV-Bericht

Hyrican: Streit geht in die nächste Runde

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Die über weite Strecken positive Geschäftsentwicklung der Hyrican Informationssysteme AG wird seit nunmehr acht Jahren von Streitigkeiten mit der Beteiligungsgesellschaft Deutsche Balaton AG überschattet. Ein Ende ist auch nach einem letztinstanzlichen Urteil des BGH nicht absehbar.

 

Das Thüringer IT-Unternehmen Hyrican Informationssysteme wandelt sich immer mehr vom klassischen PC-Verkäufer zum Systemanbieter mit Fokus auf Dienstleistungen und Projekten. Mit dieser Ausrichtung behauptet man sich erfolgreich gegen die großen Player der Branche. Im Geschäftsjahr 2018 erhöhte sich der Umsatz auf 39,8 Mio. Euro (Vj. 29,4 Mio. Euro) und es wurde ein Jahresüberschuss von 297.000 Euro ausgewiesen. 2017 hatte infolge von hohen Rückstellungen für die Zahlungen aus der Urheberrechtsabgabe noch ein Fehlbetrag von 3,55 Mio. Euro zu Buche gestanden. Mit dem Mittelabfluss reduzierten sich die liquiden Mittel von 19,5 auf 14,2 Mio. Euro. Das sind jedoch immer noch fast 3 Euro je Aktie. Die Eigenkapitalquote liegt bei über 70 %.

 

Rechtswidrige Kapitalerhöhung

Das zentrale Thema bei Hyrican ist indes seit Jahren nicht das operative Geschäft, sondern die Klage der Deutsche Balaton AG gegen die kombinierte Sach- und Barkapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts aus dem Jahr 2012. Nach Überzeugung des Investors diente diese Maßnahme allein dem Zweck, eine Mehrheitsübernahme von Hyrican durch die Deutsche Balaton zu verhindern. Nach acht Jahren liegt nun die letztinstanzliche Entscheidung des BGH zu dieser Klage vor. Erwartungsgemäß schlossen sich die BGH-Richter den Urteilen der Vorinstanzen an und bestätigten, dass die Ausgabe der Aktien rechtswidrig war.

 

Auf der diesjährigen Hauptversammlung am 23. August in Sömmerda, zu der sich nur noch eine Handvoll Aktionäre eingefunden hatte, warf der Balaton-Vertreter als wesentliche Frage auf, wie die Verantwortlichen nach diesem Urteil weiter verfahren wollen. Erwiesenermaßen hätten sie sich rechtswidrig verhalten und die Gesellschaft sei verpflichtet, diesen Zustand zu beseitigen. Seinen Vorschlag, die unrechtmäßig ausgegebenen Aktien einzuziehen, wies Vorstand Michael Lehmann zurück. Als Erklärung verwies er auf die Feststellung im BGH-Urteil, wonach die Aktien mit der Eintragung ins Handelsregister wirksam entstanden seien.

 

Schadensersatzklage eingereicht

Die Deutsche Balaton hat nun Schadensersatzklage in Millionenhöhe eingereicht und sieht gute Chancen, dass diese Klage ebenfalls positiv entschieden wird. Allerdings wird es wohl wieder durch alle Instanzen gehen. Im Rahmen der diesjährigen HV beantragte die Deutsche Balaton zudem die Abstimmung über den Vertrauensentzug gegenüber Vorstand Michael Lehmann sowie die Zahlung einer Dividende von 1,90 Euro aus dem üppigen Cashbestand, der nach Überzeugung des Investors nicht in diesem Umfang benötigt werde. Die Verwaltung schlug lediglich die Mindestdividende von 0,04 Euro vor.

Erwartungsgemäß wurden diese Anträge abgeschmettert. Eben wegen der rechtswidrigen Kapitalerhöhung im Jahr 2012 verfügt die Deutsche Balaton nicht über die Stimmenmehrheit.

 

HV-Mehrheit im Fremdbesitz

Wer bei Hyrican das Sagen hat, ist allerdings offiziell nicht klar. Auf der HV vertrat die bis dahin nicht in Erscheinung getretene Rechtsanwältin Noreen Schädlich aus Erfurt rund 2,2 Millionen Aktien im Fremdbesitz und hatte damit bei insgesamt knapp 4 Millionen anwesenden Aktien die HV-Mehrheit. Auf Anfrage des Balaton-Vertreters versicherte der Aufsichtsratsvorsitzende, dass es keine Anhaltspunkte gebe, wonach Frau Schädlich Herrn Lehmann vertreten würde. Ansonsten hätten die Stimmen bei der Entlastung des Vorstands und der Abstimmung über den Vertrauensentzug ausgeschlossen werden müssen. Die Frage, wen sie vertritt, blieb indes unbeantwortet. Ein Engagement in die Hyrican-Aktie scheint mit Blick auf die beschriebenen Vorgänge derzeit nicht empfehlenswert.

 

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

 

Matthias Wahler, Redaktion AnlegerPlus



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