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19. November 2010   Börse

Kabel Deutschland mit erfolgreichem Börsendebüt

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Seit dem Börsengang am 22.3.2010 hat die Aktie der Kabel Deutschland Holding AG über 40% zugelegt. Für viele Beobachter kam dies angesichts hoher Schulden und Investoren, die den Börsengang als Exit nutzen könnten, unerwartet.

Denn die Anteile des Börsenneulings befanden sich zuvor größtenteils im Besitz der Private-Equity-Gesellschaft Providence Equity, die die Börse als Exit-Kanal nutzen wollte. Bis heute hat sie ihre Beteiligung in mehreren Schritten bis auf 43,7 % abgebaut, sich aber nun freiwillig verpflichtet, mindestens bis Ende März 2011 keine weiteren Verkäufe vorzunehmen.

Substanzwert mit Wachstumschancen

Zur ersten öffentlichen Hauptversammlung hatte das MDAX-Unternehmen für den 20.10.2010 nach München geladen. Der Vorstandsvorsitzende Adrian von Hammerstein stellte den etwa 100 Aktionären das Geschäftsmodell der KDG vor, die mit 15,3 Millionen anschließbaren Haushalten und 8,9 Millionen Kunden das größte Kabelnetz in Europa betreibt. Das Verbreitungsgebiet umfasst 13 Bundesländer und insgesamt 47 Millionen Einwohner, also mehr als die Hälfte aller Bundesbürger. Das Fundament des Geschäfts ist eine leistungsstarke Netzwerk-Infrastruktur, die in den letzten fünf Jahren mit Investitionen von mehr als 1 Mrd. Euro für Breitbandanwendungen ausgelegt wurde.

Die Marktdurchdringung liegt in Deutschland wegen der späten Privatisierung der Branche noch deutlich hinter anderen Ländern zurück. Bei der Zahl der Kabelanschlusskunden scheint zwar auf hohem Niveau eine gewisse Sättigung erreicht. Erhebliches Wachstum ist aber im Internet- und Telefonie-Geschäft zu verzeichnen. Auf Nachfrage des SdK-Vertreters Daniel Bauer erklärte Hammerstein, dass er die KDG als „Substanzwert mit attraktiven Wachstumschancen“ sieht. Die erheblichen Mittelzuflüsse erlauben es, zugleich die nötigen Investitionen zu finanzieren und eine Dividende zu zahlen, ohne das Wachstumspotenzial zu beschneiden.

Hohe Verschuldung wird kontinuierlich abgebaut

Tatsächlich sieht die Planung vor, in zwei Jahren erstmals eine Ausschüttung vorzunehmen, was beim ersten Blick in die Zahlen etwas seltsam anmutet. Im Geschäftsjahr 2009/10 legte der Umsatz zwar um 10% zu auf 1,5 Mrd. Euro und das EBITDA wuchs um 15% auf 659 Mio. Euro, womit sich die Marge auf 43,9 (41,6) % verbesserte. Mittelfristig soll hier ein Wert von 50% erreicht werden. Das Nettoergebnis verharrte mit -45 (-99) Mio. Euro aber im negativen Bereich, wofür vor allem die Abschreibungen von 450 (403) Mio. Euro in Folge der hohen Investitionen der Vorjahre verantwortlich sind.

Zudem belastete das Finanzergebnis mit -214 (-287) Mio. Euro, obgleich durch das niedrigere Zinsniveau eine Verbesserung erreicht werden konnte. Ganz bewusst hat der Vorstand bisher auf größere Sicherungsmaßnahmen verzichtet, worin einige Aktionäre eine gewisse Gefahr sahen. Ein wichtiger Erfolg gelang im Februar mit der Verlängerung eines Großteils der Kredite bis ins Jahr 2014. Die Finanzierung ist damit langfristig gesichert, was bei einer Gesamtverschuldung von fast 2,9 Mrd. Euro eine maßgebliche Rolle spielt. Sorgen wegen der Rückzahlung plagen den Vorstand nicht. Aus dem hohen operativen Cashflow können die Kredite kontinuierlich getilgt werden. Im besten Fall soll sich die Verschuldung in Relation zum EBITDA in diesem Jahr in Richtung 3 reduzieren.

Erste Dividende in zwei Jahren?

Setzt sich der Trend des ersten Quartals fort, könnte dies tatsächlich gelingen. In diesem Zeitraum kletterte der Umsatz um weitere 6% auf 389 Mio. Euro, das EBITDA verbesserte sich um 11% auf 176 Mio. Euro und der operative Free Cashflow stieg um 32% auf 115 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand einen Umsatzzuwachs auf 1,6 Mrd. Euro und ein EBITDA von 725 Mio. Euro. Ganz ohne Risiken ist das Geschäft zwar nicht. Ein großer Konkurrent ist die Deutsche Telekom mit ihrem Glasfasernetz und auch kleine City-Carrier wie die Münchner M-Net machen zu schaffen. In dem Wachstumsmarkt dürften jedoch alle ihren Platz finden.

Matthias Wahler



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