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21. April 2021   HV-Bericht

Kritik an Dividende trotz Staatshilfe

Daimler

Trotz des wiederum rein virtuellen Formats zog sich die Daimler-Hauptversammlung (HV) am 31.3.2021 über fast sieben Stunden. Eine Vielzahl von Aktionären hatte mehr als 250 Fragen eingereicht. Große Themen waren die Elektrifizierung des Fahrzeug-Portfolios, die geplante Abspaltung der Lkw-Sparte und die Dividende.

 

Rund 1.500 Daimler-Aktionäre waren über den Livestream zugeschaltet, als Konzernchef Ola Källenius von einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2020 berichtete. Zwar wurden infolge der Covid-19-Pandemie mit 2,8 Millionen Fahrzeugen 15 % weniger verkauft als im Vorjahr und der Konzernumsatz ging um 11 % auf 154,3 Mrd. Euro zurück. Dennoch verbesserte sich das operative Ergebnis um 53 % auf 6,6 Mrd. Euro und das Ergebnis je Aktie stieg auf 3,39 Euro (Vj. 2,22 Euro). Der HV wurde vorgeschlagen, davon mit einer Anhebung der Dividende auf 1,35 Euro (Vj. 0,90 Euro) wie üblich rund 40 % auszuschütten.

 

An diesem Tagesordnungspunkt entzündete sich allerdings Kritik. Schließlich ist das gute Ergebnis teilweise der Nutzung staatlicher Hilfen in Form von Kurzarbeitergeld zu verdanken. CFO Harald Wilhelm wollte dieses Argument nicht gelten lassen. Die Mittel für die Kurzarbeit und damit zur Sicherung von Arbeitsplätzen stammen schließlich aus den eingezahlten Sozialbeiträgen. Der Dividendenvorschlag beruhe hingegen auf einer sorgfältigen Abwägung der Interessen aller Stakeholder. Viele Anleger wie Pensionsfonds und Rentner seien auf regelmäßige Ausschüttungen angewiesen. Schließlich wurde der Vorschlag mit einer Zustimmungsquote von über 99 % angenommen.

 

Elektrifizierung schneller als erwartet

Großen Raum nahm auf der HV das Thema Elektromobilität ein. Vor zwei Jahren hatte der Vorstand das Ziel ausgegeben, dass Daimler bis zum Jahr 2039 über eine komplett CO2-neutrale Pkw-Neuwagenflotte verfügen soll. Nicht ohne Stolz präsentierte Källenius in einem virtuellen Showroom nun unter anderem den neuen EQS, die erste vollelektrische Luxus-Limousine von Mercedes-EQ. Eine weitere elektrische Limousine sowie zwei elektrische SUV sind bereits geplant.

Parallel zum Aufbau dieser Plattform soll die Vielfalt bei den Verbrennungsmotoren bis 2025 um 40 % und bis 2030 um 70 % zurückgehen. Nach Einschätzung des Firmenchefs könnte der Umbruch hin zu rein elektrischen Antrieben noch schneller gehen als bisher angenommen.

 

Für die Aktionäre ebenso interessant ist die geplante Aufspaltung des Konzerns in zwei eigenständige Unternehmen: Pkw und Vans auf der einen sowie Lkw und Busse auf der anderen Seite. In diesem Zusammenhang soll Daimler Truck an die Börse gebracht und die Daimler AG in Mercedes-Benz AG umfirmiert werden. Im Zuge des Spin-off würden den Aktionären zusätzlich Daimler-Truck-Aktien ins Depot eingebucht.

 

Aktienkurs auf Höhenflug

Mit dem Vorhaben soll in der aktuellen Umbruchphase der Branche mehr Geschwindigkeit und Beweglichkeit erreicht werden. Über diese tiefgreifende Strukturänderung wird eine außerordentliche HV voraussichtlich im Herbst 2021 entscheiden. Bis zum Jahresende soll der Prozess dann abgeschlossen sein.

 

An der Börse kommen die Pläne schon jetzt gut an. Bereits die erste Meldung zum Thema Abspaltung führte bei der Aktie Anfang Februar zu einem Kurssprung von 10 % und seither setzte sich die positive Entwicklung fort. In den letzten zwölf Monaten hat sich das Kursniveau mehr als verdreifacht. Bei der aktuellen Notierung von 76 Euro erreicht der Börsenwert jetzt 81 Mrd. Euro.  Ein Aktionär zog auf der HV den Vergleich zum E-Auto-Pionier Tesla, der mit mehr als 500 Mrd. Euro bewertet ist, was sicherlich nicht als Maßstab für Daimler herangezogen werden kann. Gelingt die Transformation jedoch wie geplant, kann es vom derzeitige Kursniveau durchaus weiter nach oben gehen.


Matthias Wahler/Redaktion AnlegerPlus

Bild: Daimler AG