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23. August 2018   Aktie

Kursfantasie durch Refokussierung auf Arzneimittel

pillen

Diversifikation hat ihre Grenzen. Sie bindet Managementkapazität sowie Kapital, und vielfach bleiben erhoffte Synergien oder überdurchschnittliche Wachstumsraten aus. Das musste auch der Schweizer Healthcare-Multi Novartis feststellen, der sich nun wieder ganz dem traditionellen Kerngeschäft Pharma widmet. Eine Chance für Anleger?

 

Seit Februar 2018 steht mit Vas Narasimhan ein neuer CEO an der Spitze des Schweizer Multis. Schon sein Vorgänger Joseph Jimenez hatte in den letzten Jahren bestehende Geschäftsbereiche überprüft und manche veräußert. 2014 wurde das Impfstoffgeschäft in einem komplexen Deal an GlaxoSmithKline (GSK) für 7,1 Mrd. US-Dollar verkauft und im Gegenzug deren Onkologie-Bereich für 16 Mrd. US-Dollar übernommen. Das OTC-Geschäft, also verschreibungsfreie Arzneimittel, wurde in ein Gemeinschaftsunternehmen mit GSK eingebracht. Der Anteil daran wiederum wurde 2017 für 13 Mrd. US-Dollar an GSK verkauft. Ebenfalls 2014 trennte sich Novartis von der Veterinärmedizin, die für 5,1 Mrd. US-Dollar von Eli Lilly akquiriert wurde.

 

Spin-off von Alcon 2019

Der größte Schritt bei der Refokussierung auf das profitable Kerngeschäft steht jedoch noch bevor. Bei der Generalversammlung der Aktionäre im Frühjahr 2019 soll über die Abspaltung von Alcon, der Sparte Augenheilkunde, in Form eines Spin-offs abgestimmt werden. Die zwischen 2008 und 2011 in drei Schritten bis auf 100 % aufgebaute Beteiligung hat insgesamt 52 Mrd. US-Dollar verschlungen. Verkäufer war Nestlé. Alcon ist im Kontaktlinsengeschäft tätig und stellt Medizingeräte für die Ophtalmologie her.

Die mit der Übernahme verbundenen hohen Erwartungen des Managements haben sich jedoch nicht erfüllt. Deshalb stellt Alcon nun eine „Altlast“ dar. Schätzungen über den Börsenwert von Alcon reichen von 25 Mrd. US-Dollar bis 35 Mrd. US-Dollar. Also letztlich ein Verlustgeschäft – aber aus Sicht eines neuen CEOs heißt es wohl: Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. 

 

Im zweiten Quartal 2018 wurde, so der CEO im Quartalsbericht, „die Transformation zu einem fokussierten Arzneimittelunternehmen deutlich vorangetrieben.“ Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Der Konzernumsatz stieg um 7 % auf 13,16 Mrd. US-Dollar, der Reingewinn durch den Veräußerungsgewinn von 5,7 Mrd. US-Dollar beim OTC-Geschäft überproportional auf 7,77 Mrd. US-Dollar. Als operativer Erfolg kann verbucht werden, dass die operative Kerngewinnmarge um 0,5 % auf 26,9 % des Nettoumsatzes erhöht werden konnte. Der Gewinn je Aktie nahm überproportional stark auf 3,34 US-Dollar zu (Q2 2017: 0,84 US-Dollar).

 

 


Novartis (ISIN CH0012005267)

Quelle: investing.com │ Stand: 22.8.2018

 


Marktführerschaft durch Innovationen

Der Transformationsprozess fordert das Management aber auch in den anderen Bereichen. Z. B. spielen in der Arzneimittelentwicklung Datenmanagement und Digitalisierung eine immer größere Rolle. Allein durch die richtige Auswahl der Teilnehmer für die klinischen Tests lassen sich beträchtliche Summen einsparen. Um dieses Know-how zukünftig nicht von Big-Data-Größen wie Google oder Amazon einkaufen zu müssen, soll die eigene Expertise gestärkt werden. Das ist für Novartis besonders wichtig, denn die Wirkstoff-Pipeline ist voll und zahlreiche neue und innovative Arzneimittel werden in den kommenden Jahren klinische Testreihen auf dem Weg zur Zulassung durchlaufen.

 

Ein gutes Beispiel für die Innovationskraft der Schweizer ist das im Mai 2018 von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassene „Kymriah“, der ersten personalisierten T-Zellen-Therapie bei einer Form der Leukämie, die hauptsächlich Kinder und Jugendliche betrifft. Die T-Zellen werden so modifiziert, dass sie die Krebszellen auffressen. Im Gegensatz zu Chemotherapie und radiologischer Bestrahlung wird Kymriah nur ein einziges Mal injiziert. Die meisten Patienten überwinden die Krankheit und weisen, so weit, hohe Überlebensraten auf.

Und es gibt noch andere Projekte in der Innovationspipeline und es verwundert daher nicht, dass der Bereich Innovative Medicines im ersten Halbjahr 2018 um 11 % auf 17,3 Mrd. US-Dollar Umsatz zulegen konnte. Genau hierauf will sich Novartis künftig konzentrieren, denn in der Arzneimittelforschung und -entwicklung liegt die Kernkompetenz.

 

Fazit

Darüber hinaus sind nur in diesem Bereich wirklich hohe Gewinnmargen möglich, während beispielsweise im OTC-Bereich ein harter Preiswettbewerb ausgetragen wird. Insofern sind die Veräußerungen von marginalen Unternehmensteilen und auch der geplante Spin-off von Alcon konsistent und strategisch richtig.

Alles in allem, Novartis bewegt sich unter dem neuen CEO in die richtige Richtung und trennt sich entschlossen von wachstums- und margenschwachen Bereichen. Stattdessen fokussiert sich Novartis auf innovative Therapeutika und die Verbesserung der Profitabilität. Das KGV 2019 erwartet der Analystenkonsens bei 15 – eine gute Chance für Investoren mit Weitblick.

Alexander Bosch, Redaktion AnlegerPlus



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