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11. Februar 2020   Markt/Gastbeitrag

LPKF: Sonnige Aussichten

LPKF

Der Green Deal der Europäischen Kommission ist in aller Munde. Bis 2050 soll Europa der erste klimaneutrale Kontinent werden. Ein ehrgeiziges Ziel. Gelingen soll das Ganze mit massiven Investitionen in grüne Technologien. Hieraus ergeben sich neue Chancen für Unternehmen wie LPKF, die in diesem Bereich tätig sind und von der neuen Wachstumsstrategie Europas profitieren wollen.


Die LPKF Laser Electronics AG (ISIN DE0006450000) entwickelt hochtechnologische Maschinen in den Bereichen Solar, Electronics und Welding. Darüber hinaus bietet das Unternehmen die eigene Entwicklungsleistung als Service an. LPKF ist kein neuer Stern am Green-Technologies-Himmel, aber ein aufstrebender, oder besser gesagt, ein wieder aufstrebender.

Denn die Aktie des in Hannover ansässigen Unternehmens musste seit dem Höhenflug 2013 in den letzten fünf Jahren beträchtliche Einbußen hinnehmen. Der Sturzflug der Aktie aus einer Höhe von ca. 20 Euro (erreicht Anfang Januar 2014) konnte erst bei etwas über 5 Euro wieder aufgefangen werden. Anschließend pendelte der Aktienkurs viereinhalb Jahre zwischen 5 und 10 Euro.

 

Die Fehler der Vergangenheit

Ein Hauptgrund dieser Misere war eine offenbar falsche strategische Ausrichtung durch das Management. Das alte Management ließ unter anderem Immobilien errichten und verwalten, darunter ein völlig überdimensioniertes Parkhaus am Hauptsitz des Unternehmens, anstatt sich auf die technologische Stärke von LPKF zu konzentrieren. In Folge dessen brach das operative Ergebnis von 21 Mio. Euro (2014) auf -7 Mio. Euro (2016) ein. 2017 schrieb LPKF mit 1,76 Mio. Euro immerhin wieder schwarze Zahlen. Die richtige Wende kam jedoch erst 2018.

 

Neues Management

Mit dem promovierten Physiker Dr. Götz M. Bendele als Vorstandsvorsitzenden und Christian Witt als Finanzvorstand kam ein Führungsteam ans Ruder, das die technologische Stärke von LPFK erkannte und das Unternehmen seit Amtsantritt systematisch darauf ausrichtet. Im Kern besteht die neue Strategie darin, unnützen Ballast abzuschneiden, indem das Working Capital deutlich verringert wird, Schulden abzubauen und den Fokus konsequent auf Technologie zu legen.

 

Bereits 18 Monate nach Bendeles und Witts Amtsantritt konnte das Unternehmen erste nachhaltige Erfolge erzielen: Die Eigenkapitalquote wurde durch die Entschuldung und eine überschaubare Kapitalerhöhung von 46 (2017) auf 68 % (2019) erhöht, was für ein Technologieunternehmen nicht unwichtig ist, wenn es um die Finanzierung neuer Technologie geht.

Das EBIT von LPKF stieg in den ersten neun Monaten 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um beachtliche 206 % von 5,0 Mio. auf 15,3 Mio. Euro. Die EBIT-Marge legte zwischen 2017 und 2019 von 3,87 auf 14,2 % (2019) zu.

 

Aussichten

LPKF will den Umsatz künftig weiter steigen, ohne dabei die Profitabilität zu vernachlässigen. Erreicht werden soll dies mit der Einführung neuer Technologien und der konsequenten Ausrichtung des Service am Kundenbedürfnis.

Die aktuelle Umsatzverteilung des Unternehmens nach Regionen spiegelt ein starkes Engagement in Asien (50 %) und USA (31 %) wider, was nur logisch ist, da diese beiden Regionen den Ausbau von Photovoltaikanlagen am stärksten vorantreiben. Mit einem Umsatzanteil von 42 % ist Solar auch das dominierende Segment bei LPKF, gefolgt von Electronics (29 %), Welding (18 %) und Development (17 %).

Sollte Europas Green Deal die erhofften Wirtschaftsimpulse setzen, dann könnte sich der regionale Umsatzanteil in Richtung Europa (aktuell 14 %) verschieben, wodurch LPKF unabhängiger von Asien und USA werden würde.

 

Abseits der Solar-Branche bieten sich ebenfalls spannende Wachstumschancen für LPKF: Die elektronischen Geräte, die man tagtäglich mit sich herumträgt, werden immer kleiner. Darüber hinaus wird die Welt mit Sensoren überschwemmt, deren Größe ebenso immer weiter schrumpft. Das Stichwort hier lautet IoT (Internet of Things). Es geht darum, dass künftig jedes Fahrzeug, jede Straßenlaterne, jeder Drucker, jedes Smartphone, jede Waschmaschine usw. untereinander selbstständig kommunizieren. Für diesen Milliardenmarkt braucht es jede Menge intelligenter Hardware. LPKF stellt genau die Maschinen her, die die Herstellung und Bestückung von eben dieser Hardware ermöglichen.

Ebenfalls zukunftsträchtig ist Segment das Welding (Schweißen). Hier bietet LPKF das Kunststoffschweißen an, das im Bereich der E-Mobilität zunehmend wichtiger wird, da die Fahrzeuge immer leichter werden müssen, um entsprechende Reichweiten erzielen zu können.

 

LPKF Laser & Electronics AG

Quelle: investing.com

 

Risiken

Etwaige Risiken sollten natürlich nicht außeracht gelassen werden. Aktuell befindet sich der Aktienkurs wieder auf über 23 Euro. Damit hat er innerhalb eines Jahres um fast 270 % zugelegt. Eine erfreuliche Entwicklung für Aktionäre, die diesen Kurssprung mitgemacht haben. Aus Sicht des Autors besitzt die Aktie allerdings weiterhin großes langfristiges Potenzial. Jedoch sollte einkalkuliert werden, dass es angesichts der zurückliegenden Rally zu vorübergehenden Aktienrücksetzern kommen kann.

Sollte sich die Weltkonjunktur 2020 doch stärker als erwartet abkühlen, dann würde auch LPKF als technologiegetriebener Maschinenbauer darunter leiden. Dies hätte ebenfalls einen Kursrücksetzer zur Folge. Jedem Investor sollte also klar sein, dass LPKF ein Technologie-Investment ist und damit den entsprechenden Kursschwankungen unterliegen kann.

 

Autor

Georg Redekop absolvierte ein Studium als Wirtschaftsingenieur und ist Mitgründer und geschäftsführender Partner der Redekop & Partner KG (Family-Trust). Er ist Autor des Buches „Der Vermögens-Autopilot“ und Fachautor für die „Börse Online“, die „€uro am Sonntag“ und das „Diplomatische Magazin“. www.georgredekop.de

 

Georg Redekop



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