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25. November 2019   Wirtschaft

Mangel an „disruptiven“ Innovationen

Mangel an disruptiven Innovationen

Die marktführenden Positionen, die sich deutsche DAX-Unternehmen über Jahrzehnte hinweg erarbeitet haben, sind das Ergebnis leistungsfähiger interner Forschungs- und Entwicklungs-Abteilungen. Dennoch wird einer aktuellen Studie zufolge häufig der Anschluss verpasst.

 

Die Innovationen und deren Qualität sind der Grund, weshalb „Made in Germany“ ein internationales Qualitätssiegel darstellt. Allerdings verpassen Marktführer mit Schwerpunkt auf interner Innovation – unabhängig von ihrem Standort – nicht selten den Anschluss an „disruptiven“ Technologien. Bekannte Beispiele hierfür sind etwa Siemens vs. Cisco (Router), Microsoft vs. Google (Betriebssysteme), Nokia vs. Apple (Mobiltelefone) und BMW/Mercedes vs. Tesla (Elektrofahrzeuge). In allen Fällen haben etablierte Unternehmen die Zeichen der Zeit verkannt und es versäumt, neue Märkte im Wert von hunderten Milliarden Euro zu erschließen. Das geht aus der Studie „Future Made in Germany" von MH2 Capital, Unternehmertum Venture Partners und Cherry Ventures hervor.

Die Analyse der Innovationsaktivitäten, die von den DAX-Unternehmen sowie deren Pendants in den USA und China in den letzten Jahren verfolgt wurden, ergab, dass im Zeitraum von 2008 bis 2017 insgesamt 764 Innovationsprojekte realisiert und mehr als 1,1 Billionen Euro investiert wurden. Ein durchschnittliches DAX-Unternehmen führte dabei 3,3 % seines Umsatzes internen sowie externen Innovationsprojekten zu. In den USA waren es 5,6 %, in China 2,6 %.

Deutliche Unterschiede sind bei der Verteilung des Budgets auf interne und externe Innovationen festzustellen: Interne R&D-Teams konzentrieren sich auf die Entwicklung und Verbesserung existierender Produkte und Prozesse, während M&A sowie Corporate Venture Capital im externen Innovationsbereich radikale Umbrüche fördern und das Wachstum anregen. Derzeit investieren DAX-Unternehmen 96 % ihres Innovationsbudgets in interne und lediglich 4 % in externe Innovationen.

Ein signifikanter Kontrast zu den USA und China: Die größten Unternehmen Chinas führen sogar über 50 % ihres Budgets externen Innovationen zu. Unternehmen in den USA investieren mit 9 % mehr als doppelt so viel als deutsche Konzerne in disruptive Projekte.

Die innovativsten DAX-Unternehmen und deren weltweite Pendants wenden mindestens 10 % ihres Umsatzes für Innovationen auf. Alibaba führt das internationale Feld mit 45 % an. In den USA erreicht Facebook 37 %, in Deutschland steht SAP mit 17 % an erster Stelle.

Der durchschnittliche Anteil für Investitionen dieser Unternehmensgruppe in externe Innovationen liegt bei 23 %. Hauptsächlich fließen diese in M&A sowie Corporate Venture Capital. Facebook, Tencent und Alibaba haben jeweils mehr als 10 Mrd. Euro in M&A gesteckt, während die drei führenden DAX-Unternehmen etwa 2,7 Mrd. Euro (SAP), 700 Mio. Euro (Deutsche Börse) sowie 600 Miio. Euro (Bayer) in die Übernahme innovativer Start-ups investierten.

 

Die Studienautoren leiten aus den Ergebnissen folgende Empfehlungen ab, die Vorstände hinsichtlich externer Innovationen unterstützen sollen:

  • Innovationsbudget: Erhöhung des Budgetanteils, der für externe Innovationen aufgewendet wird, auf 10 % des gesamten Innovations-Budgets.
  • Externe Innovationen: 80 % des entsprechenden Budgets sollten M&A und die verbleibenden 20 % in Corporate Venture Capital fließen.
  • Corporate Venture Capital: Investitionen in Start-ups indirekt über unabhängige Venture Capital Fonds in der Frühphase. Investitionen direkt über eigenen Corporate Venture Capital Fonds in Scale-ups in der Spätphase.
  • M&A: Akquisition von Unternehmen im Spätstadium, um in bestehenden Märkten zu wachsen und in benachbarte Märkte zu expandieren. Eigenständigkeit der akquirierten Unternehmen.

Die gesamte Studie kann unter https://www.futuremadeingermany.de/ angefordert werden.

 

Foto von Michal Jarmoluk auf Pixabay.

Redaktion AnlegerPlus



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