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26. Oktober 2021   Markt

Milliarden-Markt pflanzliche Kost

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Lebensmittel ohne Fleisch und Fisch sind in aller Munde. Mit der Veganz Group AG plant jetzt eine bekannte deutsche Marke den Börsengang im Segment Scale der Frankfurter Börse.

 

„Wir sehen verschiedene Trends für rein pflanzliche Lebensmittel wie zum Beispiel das steigende Bewusstsein für Nachhaltigkeit bei Ernährung und Tierschutz“, sagt Veganz-CEO Jan Bredack. Gerade in der jüngeren Generation gebe es viele Vegetarier, Veganer und Flexitarier.

Der Markt für pflanzliche Lebensmittel ist deshalb stark im Aufwind: Laut Meinungsforschungsinstitut Allensbach bezeichnen sich 8 Millionen Bundesbürger als Vegetarier. Eine weitere Million ernährt sich sogar komplett fleisch- und fischlos. Außerdem gehen immer mehr Menschen dazu über, ihren Fleischkonsum zu verringern.

 

Zu den Produkten von Veganz, die in 28 Ländern verkauft werden, gehören Frühstückszutaten, Alternativen für Käse, Fleisch, Fisch sowie Aufschnitt, Proteinprodukte, Fertiggerichte, Süßigkeiten und Snacks.

 

Frisches Geld fürs Unternehmen
Mit dem Börsengang im Freiverkehrs-Segment Scale der Frankfurter Börse peilen die Berliner ein IPO-Volumen von bis zu 50 Mio. Euro an. Dieser Bruttoerlös setzt sich aus der Ausgabe neuer Aktien aus einer Kapitalerhöhung und der Platzierung von Aktien aus den Beständen der Altaktionäre zusammen. Dem Unternehmen sollen aus dem Börsengang 35 Mio. Euro zufließen.

Gründer und CEO Bredack hält noch 26 % der Anteile. 2019 hat er Veganz in eine AG umgewandelt und 2021 mit Privatplatzierungen neue Anteilseigner an Bord geholt. Weitere Großinvestoren sind jetzt Vegan Angels (14,1 %), Paladin Asset Management (12,5 %), Katjes Greenfood (7,8 %), der Senfhersteller Develey (3,5 %) und Brandenburg Kapital (3,5 %).

 

Die Veganz Group AG wurde 2011 ursprünglich als veganer Supermarkt gegründet und verkaufte seine speziellen Produkte zunächst in eigenen Ladengeschäften. Zeitweise hatte das Unternehmen zehn Filialen, weitere zehn waren geplant. Doch mit seiner Outlet-Strategie hatte Bredack aufs falsche Pferd gesetzt. Die Einzelhandelstochter musste Anfang 2017 Insolvenz anmelden. Nur drei Filialen in Berlin sind geblieben.

Beim anschließenden Strategiewechsel entwickelte sich das Unternehmen zu einem veganen Markenartikel-Anbieter, der bei Drittherstellern produzieren lässt.

 

Bei ALDI & Co. gefragt
Inzwischen werden die 120 Artikel aus dem Veganz-Sortiment in mehr als 22.000 Geschäften vertrieben – vor allem bei Lebensmittelhändlern wie EDEKA, REWE, ALDI und LIDL, aber auch Drogerien wie Rossmann, dm und Müller. Zudem verkaufen die Berliner über Online-Plattformen u. a. Amazon oder Quick-Commerce-Anbieter wie Gorillas und Foodpanda. Den eigenen Onlineshop hat man eingestellt.

 

Im Geschäftsjahr 2020 kletterte der Umsatz um 12,7 % auf 30,2 Mio. Euro. Im ersten Halbjahr 2021 erzielte Veganz ein Erlösplus von 19 % auf 15,6 Mio. Euro. Noch schreibt der Lebensmittelhersteller allerdings rote Zahlen: Der Jahresfehlbetrag erhöhte sich in den ersten sechs Monaten 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 1,7 Mio. auf inzwischen 4 Mio. Euro.

 

Eigenprodukte profitabler
Mit den IPO-Erlösen soll die Herstellung eigener Artikel ausgebaut werden. Bisher übernehmen das externe Auftragshersteller. Für den Strategiewechsel gibt es einen guten Grund: „Produkte aus eigener Produktion erzielen eine fast doppelt so hohe Bruttomarge wie solche, die wir ausgelagert haben“, erläutert Veganz-Finanzchefin Alexandra Vázquez Bea.

 

Zudem besitzt die Selbstherstellung weitere Vorzüge: „Die damit verbundene Wertschöpfungstiefe wird nachhaltiges Know-how binden und Wettbewerbsvorteile generieren“, meint Torsten Fiegler vom Großinvestor Brandenburg Kapital. Deshalb ist geplant, eine neue Produktionsstätte auf rund 10.000 Quadratmetern in Brandenburg zu errichten. Dort werden künftig pflanzliche Fischalternativen produziert sowie Proteine zur Herstellung von ungekühlten Fleischersatzprodukten und Käse-Alternativen. Mittelfristig will Veganz seinen Umsatzanteil von selbsthergestelltem Fisch- und Fleischersatz von aktuell 0,3 auf 30 % deutlich erhöhen.

 

Der Markt für pflanzliche Lebensmittel boomt, keine Frage. Und Veganz zählt in Deutschland zu den bekanntesten Marken. Mit dem Kurswechsel auf selbsthergestellte Produkte könnte der Sprung in die Gewinnzone gelingen. Die Aktie ist eine Wette darauf für risikobereite Anleger. Ob man sich direkt bei der Emission daran beteiligen sollte, hängt vom ausgerufenen Emissionspreis ab.

 

Thomas Müncher, Redaktion AnlegerPlus

Foto von Vanessa Loring von Pexels