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17. September 2019   Investment

Mit dem elektronischen Auge investiert man besser

Stemmer Imaging

Die auf digitale Bildverarbeitung in der Industrieproduktion spezialisierten Unternehmen leiden unter dem konjunkturellen Abschwung. Einige Aktien bieten jetzt antizyklische Einstiegschancen. Wir geben einen kurzen Branchenüberblick.

 

Darauf haben die Investoren bei Isra Vision gewartet: Mit den Ende August präsentierten Neunmonatszahlen hat das Unternehmen die Erwartungen übertroffen. Während der Umsatz um 8 % auf 111 Mio. Euro vorankam, legte der Vorsteuergewinn um 19 % auf 24,5 Mio. Euro zu. Was den Aktienkurs in der Folge um 15 % nach oben schob, war jedoch der optimistische Ausblick. Für das am 30. September endende Geschäftsjahr 2018/19 rechnet ISRA mit ähnlichen Wachstumsraten wie im abgelaufenen dritten Quartal. Im Geschäftsjahr 2019/20 soll dann aufgrund der anziehenden Aufträge wieder ein zweistelliges Wachstum bei Umsatz und Ertrag drin sein.

 

Mit seiner Geschäftsentwicklung hebt sich die Gesellschaft deutlich ab von der mauen Auftragslage bei Firmen, die Maschinen und Software für die industrielle Bildverarbeitung entwickeln und verkaufen. War 2017 laut Industrieverband VDMA mit einem Umsatzwachstum von 18 % auf 2,6 Mrd. Euro noch ein Rekordjahr für die deutsche Bildverarbeitungsindustrie, stagnierten die Erlöse im darauffolgenden Jahr bereits. Wie sich die weiter rückläufige Auftragslage im Maschinenbau in diesem Jahr letztlich auswirkt, muss sich noch zeigen. Klar ist aber, dass die Geschäftsentwicklung stark an die Abnehmermärkte gekoppelt ist.

 

Viscom etwa hat kürzlich seine Umsatz- und Gewinnprognose für 2019 kassiert. Viscom-Systeme werden überall dort eingesetzt, wo eine 100%ige automatische Inspektion von elektronischen Baugruppen erforderlich ist, zum Beispiel in der Industrie- und der Automobilelektronik. Dementsprechend leidet die Auftragslage unter dem globalen Abschwung dieser Branchen.

Einen Durchhänger hat auch das Geschäft von Basler: Die Industriekameras der Firma kommen u. a. in der Oberflächeninspektion von Wafern, der Druckbildkontrolle in der Verpackungsindustrie oder Sortierung von Reststoffen zum Einsatz. Zudem drückt die Integration des übernommenen Bildverarbeitungsgeschäfts eines chinesischen Kooperationspartners auf die Profitabilität.

 

Digitaler Qualitätscheck als Renditetreiber

Langfristig agieren jedoch Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf Inspektionssystemen für die Qualitätskontrolle basiert, in einem Wachstumsmarkt. Die digitale Bildverarbeitung ist aus der industriellen Produktion nicht mehr wegzudenken. Wer Fehler in der Produktion vermeidet und den Anteil der Ausschussware minimiert, geht teuren Rückrufaktionen, Imageschäden oder Rechtsstreitigkeiten aus dem Weg. Über die digitale Dokumentation lassen sich Fehlerquellen lokalisieren und der Verschleiß von Maschinen schneller identifizieren. Damit werden teure Stillstandzeiten wegen defekter Anlagen vermieden. Zugleich können Unternehmen aus der Vielzahl der ausgewerteten Daten künftige Trends für die Produktionsprozesse ableiten.

 

Für die lückenlose Kontrolle lernen Maschinen und Roboter sehen. Dabei nehmen Bildverarbeitungssysteme über hyperspektrale Kameras oder Sensoren von einem Gegenstand mehrere Bilder mit unterschiedlichen Wellenlängenbereichen auf. Dank dieser Technologie lässt sich in Branchen, in denen Stoffe und Substanzen voneinander getrennt werden müssen – etwa bei Lebensmitteln, im Recycling, Bergbau oder in der Pharmaindustrie – der digitale Qualitätscheck durchführen.

 

Zurück zu ISRA VISION. Die meisten Kunden der Darmstädter stammen aus der Autobranche sowie der Glas- und Solarindustrie. Zudem überwachen die ISRA-Inspektionssysteme die Produktion von Banknoten. Global top ist das Unternehmen mit seinen dreidimensionalen Augen für die robotergeführte Montage und Messtechnik. Dass die aktuelle Absatzkrise in der Autoindustrie nicht auf das eigene Geschäft durchschlägt, hat laut Management einen konkreten Grund: Gerade in wirtschaftlichen Schwächephasen investieren Autokonzerne verstärkt in neue Technologien, die in Zukunft die Produktionskosten senken sollen.

 

Zwei interessante Werte

Zwei Titel könnten für spekulative Anleger nach unserer Einschätzung aus antizyklischer Sicht interessant sein. Gemessen an den Wachstumskennziffern bietet ISRA VISION das beste Risiko-Rendite-Profil. Mit einem 2020er-KGV von über 30 ist die Aktie angesichts eines durchschnittlichen Gewinnwachstums, das für die nächsten drei Jahre auf 15 % geschätzt wird, allerdings nicht gerade günstig bewertet. Dafür glänzt das Unternehmen mit einer im Branchenvergleich hohen operativen Marge von 22 %. Dazu hat der starke Barmittelfluss im dritten Quartal die Cashposition weiter gestärkt. Man darf also gespannt sein, wann ISRA den schon im Frühjahr angekündigten größeren Zukauf in trockene Tücher bringt.

 

Noch einen Tick spekulativer ist die seit 2018 börsennotierte Aktie der Stemmer Imaging, die vor Kurzem ein neues Allzeittief erreicht hat. Die jüngsten Quartalszahlen und vor allem der Ausblick könnten aber darauf hindeuten, dass die Gesellschaft das Gröbste überstanden hat. STEMMER-Systeme kommen in der Lebensmittelindustrie, der Pharma- und Medizinbranche zum Einsatz. Das Unternehmen hat im Vorjahr die internationale Expansion durch Zukäufe in Europa forciert. Mittlerweile stammen mehr als die Hälfte der Erlöse aus dem Ausland. Dazu liegt die Eigenkapitalquote bei strammen 85 % und die Verschuldung ist extrem gering.

Stefan Riedel, Redaktion AnlegerPlus



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