12. Dezember 2019   Investment

Mit neuem Namen in neue Sphären

Merkur Bank2

Im April dieses Jahres, erläuterte uns der persönlich haftende Gesellschafter der Münchener MERKUR BANK KGaA, Dr. Marcus Lingel, im Interview die Geschäftszahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres und zeichnete ein außerordentlich positives Bild der Privatbank. Kurz danach kam es zu einer Übernahme.

 

Im Frühjahr 2019, als wir uns mit Dr. Marcus Lingel über das Geschäftsjahr 2018 unterhalten hatten, war die bevorstehende Übernahme des Bankhauses Schilling, die die MERKUR BANK in neue Dimensionen hebt und ihr den neuen Namen „Merkur Privatbank“ beschert, noch nicht bekannt. Wir haben uns deshalb beim Gesellschafter noch einmal nach den Details des Deals erkundigt (siehe unten).

 

Neunmonatszahlen können überzeugen

Losgelöst von der Übernahmethematik hat die MERKUR BANK auch Neunmonatszahlen veröffentlicht, und die können sich sehen lassen. Auf Stand-Alone-Basis, also ohne Einfluss der Übernahme des Bankhauses Schilling, konnte die Bank das 3. Quartal des laufenden Geschäftsjahres erneut mit einer deutlichen Ergebnissteigerung abschließen und setzt damit ihren Wachstumskurs unvermittelt fort.

Zum 30. September 2019 lag das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit bei 7,9 Mio. Euro, ein Zuwachs um satte 24,2 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Unter anderem infolge der erfolgreichen Kapitalerhöhung im September, durch die ein Gesamtemissionserlös von 13,5 Mio. Euro erzielt wurde, stieg die Kreditbeanspruchung seit Jahresbeginn um 9,7 % auf 1,26 Mrd. Euro, wodurch das Zinsergebnis ebenfalls einen starken Zuwachs verzeichnete. In der Vermögensanlage steigerte die inhabergeführte Bank das Depotvolumen in den vergangenen drei Monaten von 392 auf 407 Mio. Euro, ein Zuwachs von 3,8 %.

 

Interview mit dem persönlich haftenden Gesellschafter der MERKUR BANK KGaA, Dr. Marcus Lingel

 

Herr Dr. Lingel, seit wann spielten Sie mit dem Gedanken, das Bankhaus Schilling zu übernehmen?

Das Angebot des bisherigen Gesellschafters kam für uns überraschend und lag wohl in erster Linie daran, dass es keine Nachfolgeregelung im eigenen Haus gab. Im Mai haben wir den Kapitalmarkt über unsere Absichten informiert.

 

Umso bemerkenswerter, dass bereits jetzt die Übernahme abgeschlossen ist. Wo liegen die Vorteile für die MERKUR BANK?

Beide Banken sind bzw. waren eigentümergeführt, sodass eine ähnliche Unternehmenskultur gegeben ist. Auf der anderen Seite bringt das Bankhaus Schilling Unternehmensbereiche mit ein, die uns besser diversifizieren, als das bisher der Fall ist. So ist das Bankhaus Schilling sehr stark im Bereich der Vermögensverwaltung aufgestellt, sodass sich das Depotvolumen unserer Kunden auf einen Schlag von 0,4 Mrd. Euro auf etwa 2 Mrd. Euro erhöht. Zudem werden viele Firmenkunden eingebracht. Das bedeutet, dass die Bauträgerzwischenfinanzierung, die bisher rund 55 % des Firmenkundengeschäfts ausgemacht hat, zukünftig nur mehr mit 40 % ins Gewicht fällt. Insgesamt verbessert sich für uns die Refinanzierung, die Ertragsseite wird stabiler und damit besser planbar. Alles in allem würde ich von einem „Traumpartner“ sprechen wollen.

 

Sie sind jetzt in sechs Bundesländern mit Filialen vertreten und die Zahl der Mitarbeiter hat sich auf 440 mehr als verdoppelt. Ist das ein Vor- oder Nachteil?

Ganz klar ein Vorteil. Es gab nämlich keine Überschneidungen zwischen den bisherigen Standorten und den neu hinzugekommenen. Für uns bietet die regionale Expansion aber die Chance, in unseren bisher erfolgreichen Geschäftsbereichen wie der Bauträgerzwischenfinanzierung oder dem Leasing neue Märkte zu erschließen. Perspektivisch könnte ich mir beispielsweise vorstellen, das Bauträgergeschäft nach Frankfurt auszuweiten. Und was die neuen Mitarbeiter betrifft: Wir können froh sein, sehr gut qualifizierte Menschen in unseren Verbund aufnehmen zu können, die unser Wachstum vorantreiben. Deshalb sehen wir auch keine Notwendigkeit für Kündigungen. Im Gegenteil: Es sind nach wie vor offene Stellen bei uns ausgeschrieben.

 

Und wie wirkt sich die Übernahme bilanziell aus?

Wir haben die Übernahme zum Teil durch eine Barkapitalerhöhung finanziert, an der auch meine Familie maßgeblich teilgenommen hat. Zudem ist eine Sachkapitalerhöhung Teil des Deals. Insgesamt wird die Bilanzsumme der zukünftig unter „Merkur Privatbank“ firmierenden Bank bei ca. 2,2 Mrd. Euro liegen. Damit gehören wir zu den Top 4 der deutschen inhabergeführten Privatbanken. Sie können zudem sicher sein, dass sich die Bilanzrelationen nicht verschlechtern, das Eigenkapital der neuen Bank wird ebenso stabil sein wie zuvor.

 

Müssen sich die Aktionäre auf eine Änderung der Dividendenpolitik einstellen?

Es gibt keinen Grund, an unserer Ausschüttungspolitik etwas zu ändern. Da die neuen Aktien aus der Kapitalerhöhung erst für das Jahr 2020 am Ergebnis teilnehmen, deutet sich für die Altaktionäre bereits jetzt ein besseres Ergebnis als im letzten Jahr an. Für 2020 gehe ich davon aus, dass das Ergebnis für alle Aktionäre besser wird als 2019. Rechnen Sie also damit, dass die Dividende für das laufende Geschäftsjahr mindestens auf dem Vorjahresniveau von 0,32 Euro je Aktie liegen wird.

 

Durch die Hebung von Synergien und den damit avisierten Ergebnisverbesserungen dürfte der Substanzwert der Bank dann ebenfalls steigen?

Zu Bewertungsfragen möchte ich mich nicht äußern. Ich denke aber, dass Sie mit Ihrer Einschätzung richtig liegen könnten. Die Experten von Pareto Securities gaben in ihrer letzten Einschätzung ein Kursziel von 12 Euro aus. Gemessen am aktuellen Aktienkurs von 9,70 Euro würde also noch deutlich Luft nach oben bestehen.     

 

Herr Dr. Lingel, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Redaktion AnlegerPlus



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