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27. Juni 2013   Wirtschaft

Mit Vorsicht zu genießen

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Sowohl die deutsche als auch die Weltkonjunktur erholt sich langsam und die Perspektiven für 2014 sind günstig. Das ergab die ifo Konjunkturprognose 2013/2014. Trotz der optimistischen Zahlen ist Vorsicht geboten, warnt Prof. Carstensen vom ifo Institut.

Das Münchener ifo Institut für Wirtschaftsforschung erwartet in seiner aktuellen ifo Konjunkturprognose 2013/2014, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 0,6 % gegenüber dem Vorjahr ansteigt. Für 2014 gehen die Wissenschaftler von einem Wachstum von 1,9 % aus.

Unter der Voraussetzung, dass die Eurokrise nicht weiter eskaliert, prognostiziert das ifo Institut auch für den Euroraum den Austritt aus der Rezession: 2014 soll das BIP des Euroraums um 0,7 % gegenüber dem Vorjahr steigen. Für dieses Jahr erwarten die Wissenschaftler, dass die Rezession noch anhält und das BIP um  0,6 %zurückgeht. Ohne die „Konjunkturlokomotive“ Deutschland wären die Aussichten für den Euroraum jedoch nicht ganz so positiv: 2013 würde das BIP im Euroraum ohne die deutsche Volkswirtschaft um 0,8 % gegenüber dem Vorjahr sinken und 2014 nur minimal um 0,2 % ansteigen.

Prognosen müssen nicht eintreten
Prof. Kai Carstensen, Bereichsleiter Konjunktur und Befragungen am ifo Institut, warnte auf der Pressekonferenz am 26.6.2013 allerdings davor, die Prognosen allzu wörtlich zu nehmen. Da man nie genau wissen könne, wie zuverlässig die Daten zum Beispiel von dem europäischen Statistikamt seien und eine Prognose bereits per Definition nicht zwingend eintreffen müsse, beständen bei Prognosen im Allgemeinen und bei der Konjunkturprognose im Besonderen immer Unsicherheiten.

So ist die Prognose für das deutsche BIP-Wachstum für 2013 von 0,6 % nur zu zwei Dritteln wahrscheinlich – der Unsicherheitsintervall liegt zwischen 0,0 % und 1,2 %. Das heißt, wenn das BIP nur um 0,3 % wachsen würde, läge das immer noch im Rahmen der vom ifo Institut erstellten Prognose. Ein weiteres Problem der Konjunkturprognose sei außerdem die Messbarkeit von Unsicherheiten. Carstensen erklärte, dass „Unsicherheiten und wirtschaftliche Rückgänge Hand in Hand“ gehen würden, was sich aktuell vor allem an der Unsicherheit über die Wirtschaftspolitik zeige. Den Index zur Unsicherheit über die Wirtschaftspolitik, den das ifo Institut herangezogen hat, ist übrigens auf www.PolicyUncertainty.com einzusehen.

„Schauen Sie genau hin“
Auch ifo-Präsident Hans-Werner Sinn äußerte sich auf der ifo Jahresversammlung, die auf die Pressekonferenz folgte, kritisch bezüglich der allgemeinen Schönrede-Rhetorik. So würde in den Medien immer von einem Aufschwung gesprochen und dass sich in den Krisenländern schon „einiges getan“ hätte. Sinn legte deshalb einige Diagramme vor und forderte das Publikum auf, genau hinzuschauen. „Trauen Sie Ihren Augen“, mahnte der Ökonom und erklärte die Zusammenhänge. So würde zum Beispiel hinsichtlich der Situation in Griechenland berichtet, dass die Exporte angezogen hätten. Das sei zwar an sich richtig, aber die Rate liege immer noch deutlich unter dem Trend, erläuterte Sinn. Außerdem sei gleichzeitig die griechische Importrate stark gefallen, was rein rechnerisch einen Exportüberschuss verursache, obwohl die Exportrate weiter niedrig sei.

Im Laufe seines Vortrages stellte Sinn auch die Frage danach, ob eine Besserung der Krisenländer erkennbar sei. Nach einem langen Blick ins Publikum gab der Ökonom sich selbst die Antwort: „Nein, man sieht keine Besserung.“ Er forderte deshalb grundlegende Änderungen der Währungsunion, auch wenn es weh tut. Denn Sinn ist der Meinung: „Es gibt keinen Ausweg aus der Krise ohne Blessuren.“

Stephanie Wente, Redaktion AnlegerPlus