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3. Januar 2020   Wirtschaft

Nationale Fitness braucht das Land

Reinhold von Eben WorleBQAnneGrossmannFotografie 18 002

Ursula von der Leyen hat es in ihrer bemerkenswerten Antrittsrede zur EU-Kommissionspräsidentin betont: Familienunternehmen sind in Europa das Vorbild für Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit. Die Frau hat recht. Die große Stärke von Familienunternehmen – und damit der deutschen Industrie – ist ihre Wettbewerbsfähigkeit.

 

Nur mit wettbewerbsfähigen Unternehmen aller Größenklassen können wir als Gesellschaft die großen Herausforderungen unserer Zeit meistern. Vom Klimaschutz bis zum Systemwettbewerb mit staatskapitalistischen Wirtschaftsräumen. Jegliche Schwächung unserer Wettbewerbsfähigkeit – bewusst oder aus Nachlässigkeit – ist ein Angriff auf unsere gemeinsame Zukunft.

 

Liberalität und fairer Wettbewerb

Seit gut sieben Jahrzehnten tritt unser Verband in der Tradition Ludwig Erhards für den Erhalt der Sozialen Marktwirtschaft ein. Diese umfasst unser freiheitliches Wirtschaftssystem, das faire Wettbewerbschancen und den sozialen Ausgleich für alle garantiert, ebenso wie das freie Unternehmertum, für das ein stringentes Kartellrecht und eine Ordnungspolitik, die diesen Namen auch verdient, unabdingbar sind.

Gerade die Verbindung von Liberalität und fairem Wettbewerb hat Deutschland zu einem weltoffenen und wirtschaftlich prosperierenden Land wachsen lassen. Ohne Protektionismus. Ohne Staatswirtschaft. Darum treten wir Familienunternehmer entschlossen für den Erhalt unserer Sozialen Marktwirtschaft ein, wenn deren Eckpfeiler zur Disposition gestellt werden.

 

Genau dies geschah im Frühjahr dieses Jahres. In seinem ersten Entwurf zu seiner „Nationalen Industriestrategie“ hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier einen Kurs eingeschlagen, der unsere mittelständischen Unternehmen gefährdet hätte. Sein Plan war es, notfalls mit staatlicher Hilfe Unternehmen in Deutschland zu sichern und mit gezielter finanzieller Unterstützung und durch Fusionen einige große deutsche Champions zu schaffen. Das ist absolut wettbewerbsfeindlich! Denn indem eine Handvoll Großunternehmer gepäppelt wird, beschert dies den vielen übrigen mittelständischen Unternehmen enorme Wettbewerbsnachteile. Sowohl als Zulieferer der dann fusionierten Großunternehmen wie auch als Konkurrenten in globalen Märkten.

 

Wir kritisierten dies öffentlich und traten mit Herrn Altmaier in einen konstruktiven Austausch. Hierfür erarbeitete unser Verband ein umfassendes „Nationales Fitnessprogramm“ und überreichte es dem Minister als Programm, mit dem unsere Regierung maximale Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands erreichen kann.

 

„Nationales Fitnessprogramm“

Mit einigem Erfolg. Inzwischen hat der Minister eine deutlich überarbeitete Industriestrategie präsentiert und Anliegen für eine zukunftsträchtige Mittelstandspolitik aus unserem Fitnessprogramm aufgenommen. Kernpunkte des Fitnessprograms sind: weniger Regulierung, keine staatliche Intervention für Großunternehmen, Vorfahrt für freien Wettbewerb und offene Märkte. Für die Wirtschaftspolitik ist dieses eine umfassende Aufgabe, weil fast alle Ressorts mitmachen müssen. Diese Zusammenarbeit aber muss im Kabinett dringend verbessert werden. Denn die Herausforderungen, vor denen wir stehen, werden mit jedem Tag größer.

 

2020 wird für Deutschland und seine Unternehmen ein Jahr der Herausforderungen. Denn scheint uns auch die Soziale Marktwirtschaft selbstverständlich zu sein, sie ist es nicht. Die Enteignungsideen, die neuerdings wieder durch einige Köpfe spuken, zeigen dies. Wer aber leichtfertig Grundprinzipien unserer Gesellschaftsordnung preisgibt, zündelt am sozialen Frieden. Es ist nicht gottgegeben, dass unser Land zu den wohlhabendsten der Welt gehört. Das Erfolgsrezept besteht aus klugen aufeinander aufbauenden Prinzipien, die nicht für jeden bequem sind und trotzdem nicht leichtfertig zur Disposition gestellt werden dürfen. Es lohnt sich, diese bewährten Prinzipien standhaft zu verteidigen.

 

Reinhold von Eben Worlée

Präsident des Verbandes Die Familienunternehmer

 

Autor

Reinhold von Eben Worlée führt die Hamburger Unternehmensgruppe E.H. Worlée & Co (GmbH & Co.) KG in der fünften Generation. Er ist Präsident des Verbandes Die Familienunternehmer.

Bild: Anne Grossmann Fotografie (18)



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