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17. Dezember 2018   Steuern

Neue Regeln für Investmentfonds

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Die Besteuerung von Investmentfonds hat sich in diesem Jahr grundlegend geändert. Dies ist dem Investmentsteuerreformgesetz geschuldet. Mancher Anleger wird sich Anfang Januar 2019 deshalb über Abbuchungen auf seinem Konto wundern. Wer Strafzinsen vermeiden möchte, sollte für ausreichend Deckung auf dem Konto zum Jahreswechsel sorgen.

 

Seit dem Jahr 2018 gelten für die Besteuerung von Investmentfonds grundsätzlich neue Spielregeln. Das Investmentsteuerreformgesetz hat viele Dinge vereinfacht für die Fondsindustrie. Beispielsweise fallen rund 30 Besteuerungsgrundlagen zur Ausschüttung und Thesaurierung von Erträgen weg. Tägliche zu ermittelnde Kennzahlen wie Aktien-, Zwischen- oder Immobiliengewinne sind hinfällig. Auch der Anleger profitiert, die umständliche Handhabung von ausländisch thesaurierenden Investmentfonds in der Steuererklärung entfällt.

 

Eigeninitiative gefragt…

Das war die angenehme Seite der Investmentsteuerreform 2018. Doch jetzt wird es kompliziert. Denn auf der anderen Seite gelten neue Regeln für die Besteuerung von Ausschüttungen und Veräußerungsgewinnen: Teilfreistellungen werden je nach Anlagerichtlinien gewährt: 15 % bei Mischfonds mit Mindestaktienanteil, 30 % bei Aktienfonds, 60 % bei Immobilienfonds und 80 % Immobilienfonds mit Schwerpunkt Ausland, siehe auch https://anlegerplus.de/home/was-aendert-sich-2018-fuer-publikumsfonds/. Diese Teilfreistellungen werden von den depotverwaltenden Banken automatisch beachtet.

Kursgewinne für Altbestände an Investmentfonds (Kaufdatum vor 2009) sind weiterhin steuerfrei, allerdings nur bis zu einer Summe von 100.000 Euro für alle Fonds pro Anleger. Und ACHTUNG, Hier ist Eigeninitiative gefragt. Denn die depotführende Stelle zieht beim Verkauf trotzdem Steuern ab, die sich der Anleger über die Steuererklärung dann zurückholen muss. Wer dieses Jahr also Fondsanteile verkauft hat, sollte unbedingt prüfen, ob er diesen vor 2009 erworben hat und für diesen Fall eine Steuererstattung anfordern, sofern die Freigrenze nicht überschritten wurde

 

... auch bei der Vorabpauschale

Zum Jahresbeginn 2019 müssen Anleger ebenfalls aktiv werden. Neben den oben genannten Änderungen hat der Gesetzgeber nämlich zusätzlich eine Vorabpauschale eingeführt, mit der er eine jährliche Mindestbesteuerung von nicht ausgeschütteten Erträgen von Fonds zeitnah erreichen möchte. Steuern werden dann auch für thesaurierende oder niedrig ausschüttende Fonds erhoben, die der Anleger noch nicht verkauft hat. Hierzu werden 70 % des Basiszinses zu Beginn des Jahres herangezogen (Basiszins Anfang 2018: 0,87 %) – für 2018 entsprechend also 0,61 %. Dieser wird mit dem Fondspreis Anfang 2018 multipliziert.

 

War ein Fondsanteil Anfang 2018 also z.B. 100 Euro wert, ergibt sich ein Basisertrag von 0,61 Euro. Eine Ausschüttung des Fonds während des Jahres wird davon abgezogen und es gilt eine Obergrenze für die Vorabpauschale. Außerdem gelten für die Vorabpauschale ebenfalls die oben aufgeführten Teilfreistellungen. Der Rest beansprucht den Freistellungsauftrag, sofern er gestellt ist und die Vorabpauschale ihn nicht überschreitet. Ansonsten wird Abgeltungssteuer zzgl. Soli und Kirchensteuer auf die Vorabpauschale fällig.

 

Und nun aufgepasst: Je nach Bank oder Broker werden automatisch Fondsanteile zur Liquiditätsbildung verkauft oder die fällige Vorabpauschale wird einfach dem Verrechnungskonto zum Depot belastet. Es ist ausdrücklich erlaubt, dass das Konto durch diese Buchung ins Soll gerät. Wer also viele thesaurierende oder niedrig ausschüttende Fonds im Depot hat, sollte in den ersten Tagen des neuen Jahres seinen Kontostand prüfen – insbesondere, wenn er keinen Freistellungsauftrag gestellt hat. Besser noch ist es, wenn man vorab für eine ausreichende Deckung sorgt.

 

Ausführlichere Informationen und Erläuterungen zur Investmentsteuerreform gibt es hier:

https://anlegerplus.de/home/was-aendert-sich-2018-fuer-publikumsfonds/

www.bvi.de/regulierung/investmentsteuern/investmentsteuerreform/

www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Monatsberichte/2016/03/Inhalte/Kapitel-3-Analysen/3-5-reform-investmentbesteuerung.html.

Christoph Richter



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