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24. Oktober 2018   INVESTMENT

Notfallfonds schrumpft

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Die Niedrigzinsphase führt auch bei den Bausparkassen aufgrund hoher Zinszusagen aus alten Verträgen zu großen Problemen. Die Notfallfonds, die seit Anfang der 90er Jahre aufgebaut wurden, werden inzwischen stark in Anspruch genommen. Die Folge: Die Notreserve für Extremsituationen der Bausparkassen sank 2017 stark. 2018 dürfte der Trend sich nicht gebessert haben. Die Institute versuchen zu beruhigen.

Das Dilemma der niedrigen Zinsen ist jedem Anleger seit Jahren bekannt. Für vermeintlich sichere Anlagen muss man sich mit einer Rendite nahe der der Nullgrenze begnügen. Bausparverträge, abgeschlossen noch zu Zeiten mit „normalem“ Zinsniveau werden deshalb von Sparern gerne genutzt, um das Ersparte rentierlich zu parken. In der richtigen Zeit abgeschlossen, bieten solche Verträge Zinsen von teilweise über 3 %.


Die hohen Sparzinsen bringen die Bausparkassen allerdings schwer in Bedrängnis. Denn die Kunden nutzen natürlich nicht die entsprechenden Darlehensansprüche aus diesen Bausparverträgen mit ebenfalls hohen Zinsen. Zur Finanzierung eines Projekts wird stattdessen auf ein günstiges Darlehen der Hausbank zurückgegriffen. Gleichzeitig kann die Bausparkasse die überschüssige Liquidität aus den angesparten Verträgen am Kapitalmarkt nicht vernünftig anlegen, zahlt also bei Altverträgen drauf. Deshalb versuchen sie, diese Verträge loszuwerden. Sparer, die hartnäckig geblieben sind, haben bislang gut verdient.

Weniger Reserve

Eine Nachricht des Magazins Capital lässt nun aufhorchen. Danach haben die Bausparinstitute ihren „Fonds zur bauspartechnischen Absicherung der Bausparkassen“ 2017 von 1,35 Milliarden Euro auf 637 Millionen Euro geplündert. Der Fonds wurde 1990 eingerichtet, um im Falle knapper kollektiver Liquidität mangels neuer Bauspareinlagen eine hinreichend zügige Zuteilung von Bauspardarlehen gewährleisten zu können. Aufgrund einer Novelle im Jahr 2015 sichert der Fonds nun auch den nachhaltigen Betrieb aufgrund der erforderlichen kollektiv bedingten Zinsspanne ab. Übersetzt stopft er also die Löcher, welche das oben beschriebene Dilemma der aktuellen Niedrigzinsphase reißt. Alles legal und nachvollziehbar, allerdings ist die Geschwindigkeit der Reduktion bedenklich. Was also passiert, wenn der Topf leer ist? Genau das könnte Ende 2018 drohen, wenn der Fonds in diesem Jahr in selber Höhe in Anspruch genommen wird wie 2017. Schießen die Eigentümer der Bausparkassen dann Geld nach, werden Altverträge endgültig gekündigt, kommt das System in Bedrängnis?

Grund zur Sorge?

Aus der Branche hört man natürlich beschwichtigende Töne. Schwäbisch Hall beispielsweise habe dem Fonds 425 Millionen Euro entnommen, um damit das Eigenkapital zu stärken, was ebenfalls möglich ist. Ein höheres Eigenkapital ist grundsätzlich positiv zu sehen. Denn Bausparkassen gibt das zusätzlich die Möglichkeit, außerhalb ihres Bauspargeschäftes normale Immobiliendarlehen zu vergeben. Das Grundproblem der hoch verzinsten Altverträge löst es allerdings natürlich nicht.

Laut LBS wiederum sei der Fonds eine bilanzielle Reserveposition und nur ein Teil der Risikosteuerung einer Bausparkasse. Nach einer strukturellen Lösung hört sich das ebenfalls nicht an. Zumindest habe laut LBS eine Analyse der Bundesbank aus dem Jahr 2017 ergeben, dass das aktuelle Niedrigzinsumfeld zwar die Ertragskraft der Bausparkasse belaste. Die Szenariobetrachtungen sollen aber zeigen, dass sich die Ertragslage bei anhaltend niedrigen oder steigenden Zinsen im Zeitablauf stabilisiert.


Man kann nur hoffen, dass die Bundesbank mit ihrer Analyse Recht behält. Eine weitere Beobachtung der Lage und offene Ohren für Nachrichten aus der Branche scheinen aber angebracht.

Christoph Richter, Redaktion AnlegerPlus



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