728x90leaderboard4

4. September 2019   Investment

OSKAR - eine sinnvolle Vermögensverwaltung?

Fotolia233736274S3

Am Markt gibt es unterschiedliche Vermögensverwaltungsmodelle: gute und schlechte, günstige und teure, von Mensch oder Maschine gesteuerte. Mit OSKAR verspricht nun ein weiterer digitaler Vermögensverwalter das Geld seiner Kunden professionell und dennoch über einfache Handhabung, günstige Verwaltung und gute Qualität Mittels ETF-Investments anzulegen.

 

Langfristig sein Vermögen mit Indexfonds, sogenannten ETFs, aufzubauen, ist inzwischen fast schon eine Standardempfehlung für Anleger geworden, die für sich Fondslösungen bevorzugen. Die günstigen Gebühren verbunden mit einer hohen Transparenz und der einfachen sowie verständlichen Funktionsweise sprechen für diese Anlageklasse. Doch an der Auswahl und Vermögensallokation kommt kein Selbstentscheider vorbei, selbst bei ETF-Investments nicht. Deshalb kann eine digitale Vermögensverwaltung über Robo-Advisors auf ETF-Basis eine sinnvolle Ergänzung zu ETF-Einzellösungen sein, selbst wenn dadurch zusätzliche Kosten entstehen (siehe auch Beitrag „Vermögensverwaltung mit Indexfonds“ in AnlegerPlus Ausgabe 7/2018).

 

 

Der digitale Robo-Advisor „OSKAR“ (eine Beteiligung der Axel Springer SE) hat sich dieser Thematik angenommen. Er bietet fünf Investitionsmodelle mit unterschiedlicher Risikobereitschaft an. Je nach gewählter Anlagestrategie wird in ein globales Portfolio aus zehn ETFs und ETCs aus den Bereichen Aktien, Anleihen und inflationsgesicherte Anlagen (Gold und inflationsindexierte Anleihen) investiert. Der Risikogehalt der jeweiligen Strategie wird – wenig überraschend – im Wesentlichen über die Höhe des Aktienanteils gesteuert (50-90 %). Ein regelmäßiges Rebalancing wird automatisch vorgenommen. Die fünf Strategien konnten nach Berechnungen des Anbieters im Backtestingzeitraum 31.12.2002 bis 30.06.2019 alle den MSCI-World nach Kosten schlagen. Wie immer gilt, für die zukünftige Wertentwicklung der Strategien ist dies kein Garant.

Damit ein Vermögensverwalter sein Geschäftsmodell aufnehmen kann, sind diverse Parteien notwendig, deren „Unterstützung“ sich auch im Kostenmodell bemerkbar macht. OSKAR ist in diesem Fall die Marke der Oskar.de GmbH, unter der Websites und Apps betrieben werden. Verwaltet wird das Vermögen von der Scalable Capital Vermögensverwaltung GmbH. Die Baader Bank AG wiederum führt die Depots mit den entsprechenden Verrechnungskonten.

Die Gesamtkosten der Anlage liegen bei 0,94 oder 1,14 %, je nachdem, ob mehr oder weniger als 10.000 Euro angelegt werden. Dabei entfallen 0,15 % auf den Wertpapierhandel (Baader Bank) und 0,14 % auf die durchschnittlichen ETF-Produktkosten (z.B. iShares, Lyxor etc.). Den Rest teilen sich zu gleichen Teilen Scalable Capital (Vermögensverwaltung) und die OSKAR.de GmbH (Servicevergütung). Auf diesem Kostenniveau pendeln sich ETF-Robo-Advisors aktuell in etwa ein. Damit sind sie deutlich günstiger als klassische Vermögensverwaltungen, aber eben auch teurer als Investments in Einzel-ETFs.

 

Der Kunde steuert seine Finanzbeziehung über die OSKAR-App (inkl. Video-Ident-Kontoeröffnung). Dabei soll der komplette Eröffnungsvorgang in nur 15 Minuten abgeschlossen sein. Man erhält ein Konto und Depot, in dem die ETFs nach der Wahl der jeweiligen Anlagestrategie verwaltet werden. Neben Einmalanlagen sind Sparpläne ab 25 Euro möglich oder eine Kombination aus beiden. Der gewünschte Betrag muss nur auf das Konto überwiesen werden, die Anlage erfolgt dann automatisch durch OSKAR. Für Kinder oder Enkel können beispielsweise Unterkonten/Depots eröffnet werden, auf die Großeltern, Eltern oder Verwandte überweisen können, ohne sich selbst mit der Anlage beschäftigen zu müssen. Dabei muss lediglich festgelegt werden, ob das Konto direkt für das Kind oder als Unterkonto auf den eigenen Namen mit späterer Schenkung (z. B. zum 18. Geburtstag) eröffnet werden soll. Diese Entscheidung ist wichtig, da das Kind eigene Steuerfreibeträge hat (Grundfreibetrag / Freistellungsauftrag), aber dafür auch faktisch Eigentümer wird (dies kann z. B. für einen späteren Anspruch auf Bafög wichtig sein).

 

Wie steht es schließlich um die Sicherheit der eingezahlten und angelegten Gelder? Laut OSKAR ist die Depotbank von OSKAR die Baader Bank und das Vermögen auf dem OSKAR-Konto bei einer Insolvenz der Depotbank bis 100.000 Euro über die gesetzliche Einlagensicherung abgesichert. Zudem bestehe ein Herausgabeanspruch der ETFs, die nicht in die Insolvenzmasse fallen(keine Insolvenzmasse). Die ETFs selbst sind ohnehin Sondervermögen und fallen auch nicht in die Insolvenzmasse der Produktanbieter (z. B. iShares). Das Produktrisiko liegt aber natürlich in der Entwicklung der Märkte und der jeweiligen Strategie. Auszahlungen von OSKAR können nur an ein hinterlegtes Konto getätigt werden (z.B. das Girokonto bei der Hausbank).

 

Fazit

Wer sich eine eigene Anlagestrategie über ETFs nicht zutraut und die digitale Welt nicht scheut, ist bei OSKAR auf den ersten Blick gut aufgehoben. Bislang fehlt noch eine langjährige Live-Performance der Anlagestrategien (als Vergleich kann nur das oben beschriebene Backtesting herangezogen werden). Die Gesamtkosten erscheinen in jedem Fall angemessen.

Christoph Richter, Redaktion AnlegerPlus



Diese Website verwendet Cookies. Mit der weiteren Nutzung dieser Website, akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung und die Verwendung von Cookies und um Ihnen spezielle Services und personalisierte Inhalte bereitzustellen. Weiteres erfahren Sie unter der Rubrik Datenschutz.

X schließen