13. August 2019   Investment

PORR: Profiteur der guten Baukonjunktur

Finnetunnel

Seit 2018 ist der österreichische Bauriese im Leitindex ATX vertreten. Bauboom, solide Geschäftspolitik und üppige Dividende machen die Aktie attraktiv.

 

Der Aufstieg in den Leitindex ATX war ein langer Leidensweg für die PORR AG: Fast 150 Jahre dauerte es, bis Österreichs ältestes börsennotiertes Unternehmen dort gelistet war. Nachdem der deutsche Immobilienriese Vonovia das bisherige ATX-Mitglied Buwog übernommen und die eigene Aktie über 30 % zugelegt hatte, war im Juni 2018 endlich der Weg frei: Im ATX profitiert der Baugigant jetzt von einer höheren Handelsliquidität. Vor allem ETFs, die dieses Börsenbarometer abbilden wollen, müssen die PORR-Aktie kaufen.

 

Stadionbau für Fußball-WM 2022

Die PORR AG zählt zu den führenden Bauunternehmen in Europa. Dabei profitieren die Österreicher von der guten Baukonjunktur in Deutschland und Österreich. In beiden Ländern erzielt der Konzern knapp 70 % seiner Umsätze. Zu den insgesamt fünf Heimatmärkten zählen noch die Schweiz, Polen und Tschechien. Darüber hinaus ist der Konzern international ebenso an vielen Projekten beteiligt. In Katar zeichnet er für den Bau einer U-Bahn in der Hauptstadt Doha verantwortlich. Die neue Metroline spielt eine wichtige Rolle bei der Fußball-WM 2022, für die PORR zudem ein Stadion südlich von Doha errichtet.

Mit dem Syndikat Straus /IGO-Ortner baut das Management auf einen zuverlässigen Ankerinvestor, der mit 53,7 % die Mehrheit hält. Der Streubesitz von 46,3 % verteilt sich vor allem auf Investoren aus Österreich (29,2 %) und Großbritannien (12,7 %). Die übrigen Anleger kommen zum Großteil aus den USA, Deutschland und Frankreich.

 

Rekord bei Bauleistung

Auch im Geschäftsjahr 2018 hat sich der Bauriese gut behauptet – trotz Brexit-Sorgen, Konjunkturflaute und des Handelsstreits. Zum dritten Mal in Folge erreichte er bei der Bauleistung ein zweistelliges Plus. Diese stieg um 18 % auf den Rekordwert von 5,6 Mrd. Euro. Besonders gut entwickelten die internationalen Infrastrukturprojekte. Der Auftragsbestand erklomm ebenfalls ein Allzeithoch und kletterte um 11,5 % auf 7,1 Mrd. Euro.

Nicht zuletzt konnten die Österreicher ihre Gewinne steigern: Beim Ergebnis vor Steuern (EBT) erreichten sie mit einem Plus von 3,3 % auf 88,1 Mio. Euro ihr bisher zweitbestes Ergebnis. Am größten waren die Fortschritte in Deutschland: Nach Verlusten im Jahr 2017 wurde hier der Turnaround geschafft. Die Dividende blieb bei 1,10 Euro pro Anteilsschein. Aufgrund von Zukäufen erhöhte sich der Mitarbeiterstand um 7,3 % auf 19.014.

 

Trotz zweistelligen Wachstums wurde die Nettoverschuldung stabil gehalten. Dank des hohen Auftragsbestands blickt der Baulöwe gestärkt in die Zukunft – die Heimmärkte befinden sich weiterhin auf Wachstumskurs. In Deutschland werden zum Beispiel durch den Bundesverkehrsplan die Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur in den nächsten Jahren steigen. Fachkräftemangel, Engpässe bei Subunternehmern sowie steigende Baupreise und Lohnkosten sorgen jedoch für ein schwierigeres Marktumfeld. Deshalb soll das 2018 erreichte hohe Leistungsniveau von 5,6 Mrd. Euro 2019 nur moderat steigen.

 

Günstige Bewertung

Kurz vor dem Aufstieg in den ATX erreichte die Aktie mit 34 Euro ein neues Jahreshoch, stürzte dann aber bis Ende Dezember 2018 wieder auf knapp 18 Euro ab. Nach der Erholung im April bis fast 24 Euro notiert das älteste Wertpapier der Wiener Börse momentan um die 20 Euro. Mit einem 2020er-KGV von 5 ist die solide Bauaktie mit Wachstumschancen immer noch günstig. Die Dividendenrendite von 5,5 % ist ebenfalls positiv. Bei Anlegern könnte aber Geduld gefragt sein: Denn falls der Konjunktur weiter die Puste ausgehen sollte, leidet die Bauwirtschaft als eine der ersten Branchen darunter.


Foto: PORR war am Bau des Finnetunnels auf der Neubaustrecke Erfurt-Halle/Leipzig beteiligt. © PORR AG

Thomas Müncher, Redaktion AnlegerPlus



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