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29. August 2018   Versicherung

Private Krankenversicherung: Auch im Alter finanzierbar?

arzt

Die Beiträge in der privaten Krankenversicherung (PKV) hängen nicht vom Einkommen ab, sondern von Alter, Gesundheit und Versicherungsumfang. Mit zunehmendem Alter steigen folglich auch die Beiträge, die privat Krankenversicherte zu zahlen haben. Allerdings betont die PKV immer wieder, dass ab einem bestimmten Alter die Beträge nicht mehr steigen, dank der gebildeten Alterungsrückstellungen. Doch verlassen kann sich der privat Versicherte nicht, dass seine Beiträge im Alter nicht doch deutlich höher sind als die gesetzlich Versicherter. Es gibt jedoch Möglichkeiten, diese Beitragserhöhungen abzumildern.

 

Die PKV hat für den Versicherten durchaus viele Vorteile. Sie erstattet beispielsweise alle notwendigen Untersuchungen und Behandlungen ohne Einschränkungen, soweit diese sich im vertraglich vereinbarten Rahmen bewegen. Es zählt allein die medizinische Notwendigkeit und nicht, wie in der gesetzlichen Krankenversicherung, die ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Leistung. „Ausdruck der Leistungsstärke der Privaten Krankenversicherung sind die freie Arzt- und Krankenhauswahl für die Versicherten und die Therapiefreiheit des Arztes. Dies umfasst grundsätzlich auch innovative Diagnose- und Therapieverfahren sowie neue Arzneimittel, die von der Fachwelt als sinnvoll anerkannt werden“, bewirbt der Verband der Privaten Krankenversicherung das PKV-Modell. Und privat Versicherte profitieren von einem besseren Service, wie beispielsweise einer schnelleren Terminvergabe, kürzere Wartezeiten in der Praxis, Samstags- oder Telefonsprechstunden oder (tarifabhängig) besondere Komfortleistungen wie Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus.

 

Um sich privat Krankenversichern zu können, muss man bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Versicherungsfreiheit haben Selbstständige, Freiberufler, Beamte und Studenten. Angestellte, Landwirte, Künstler oder Publizisten dagegen können sich nur dann in der PKV versichern, wenn sie die PKV-Einkommensgrenze von derzeit 59.400 Euro jährlich oder 4.950 Euro monatlich (jeweils brutto) übertreffen. Besonders lohnenswert ist die PKV für junge Singles. Denn ihr Beitrag ist häufig deutlich günstiger als in der gesetzlichen Krankenversicherung. So lässt sich mehr Geld pro Monat auf die hohe Kante legen.

 

Beitragssenkung bis zum Tod
Doch der Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung ist danach nicht mehr so einfach möglich. Viele PKV-Versicherte würden diesen Schritt gerade dann vollziehen, wenn sich der Single-Status in „Verheiratet mit Kind“ ändert. Denn anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es in der PKV keine kostenlose Familienversicherung. Der Wunsch zum Wechsel ergibt sich regelmäßig auch dann, wenn die Beiträge mit schöner Regelmäßigkeit steigen. Dazu tragen steigende Gesundheitskosten bei, wie auch die Praxis der Versicherer, neue Kunden mit neuen, günstigeren Tarifen zu locken. In den alten Tarifen verbleiben dann die älteren Kunden mit der ungünstigeren Gesundheitsprognose. Die Folge dieser Praxis: starke Beitragserhöhungen in den alten Tarifen. Zwar hat der Gesetzgeber schon im Jahr 2000 auf diesen Umstand reagiert, seit dem müssen 10 % Zuschlag bis zum 60. Lebensjahr zur Beitragsentlastung im Alter entrichtet werden. Das soll dann die i. d. R. ab dem 65. Lebensjahr notwendigen Beitragsanpassungen mildern. Diese Maßnahme schützt allerdings nicht vor Beitragserhöhungen.

 

Wer dafür in jungen Jahren dann nicht vorgesorgt hat, den treffen diese Erhöhungen hart. Viele Gesellschaften bieten deshalb inzwischen, den sogenannten „Beitragsentlastungstarif“ an, der den Kostenanstieg im Alter moderater ausfallen lassen soll. Je nach Versicherer haben diese zusätzlichen Tarifbausteine unterschiedliche Bezeichnungen, das Ziel hingegen ist immer dasselbe: Zum vertraglich vereinbarten Rentenalter soll der Beitrag um einen bis dahin angesparten Betrag entlastet werden. Wenn man so will, hat man die Maßnahme des Gesetzgebers aus dem Jahr 2000 einfach geklont. Der Versicherer fungiert als Vermögensverwalter, der die vereinnahmten Gelder entsprechend rentierlich anlegt, damit sie später zur Beitragsentlastung herangezogen werden können.

 

Der Versicherungskunde kann in der Regel selber bestimmen, wann die Auszahlung beginnen soll. Er muss dies nur entsprechend mit seinem Versicherer festschreiben. „Sinnvoll ist ein variabler Start zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr“, empfiehlt  Peter Schneider, Geschäftsführer des Analysehauses von Morgen & Morgen. Weiterer Vorteil: Der Krankenversicherungsbeitrag wird nicht nur so lange gesenkt, bis die angesparten Gelder aufgebraucht sind, sondern darüber hinaus bis zum Tod. Der Tarif ähnelt damit einer privaten Rentenversicherung.

Das Modell der Beitragsentlastung führt allerdings zu einer Einschränkung der Flexibilität bei einem Anbieterwechsel, die bei der PKV ohnehin leidet. Der Grund liegt ganz einfach darin, dass die Rückstellungen für das Alter nicht ohne weiteres zum neuen Versicherer mitgenommen werden können. Ein weiterer Nachteil ist, dass privat Versicherte den freiwilligen Zusatzbeitrag auch im Ruhestand zahlen müssen. Allerdings ist daran der Arbeitgeber immer zur Hälfte beteiligt. Deshalb lohnt sich der „Beitragsentlastungstarif“ mehr für Arbeitnehmer als für Selbstständige. Pluspunkte sind: Die Beiträge können von der Steuer abgesetzt werden und die erwirtschaftete Erträge sind im Gegensatz zu anderen Kapitalanlagen nicht der Abgeltungssteuer unterworfen.

 

Sparalternativen prüfen
Neben dem Beginn der Beitragsentlastung kann der Privatversicherte in aller Regel zusätzlich wählen, wie hoch die Entlastung ausfallen soll. Wer z. B. als Dreißigjähriger ab dem Rentenalter 100 Euro weniger im Monat zahlen möchte, muss vorher je nach Anbieter etwa 20 bis 30 Euro monatlich mehr Beitrag leisten. Und klar ist: Je später man beginnt, umso teurer wird es. Mit 50 Jahren kann es schon das Doppelte kosten. In der genannten Form handelt es sich um einen konstanten Entlastungsbetrag. Daneben existiert die dynamische Variante. Der dynamische Beitragsentlastungstarif erhöht sich in festgelegten Intervallen, um Beitragssteigerungen auszugleichen. Allerdings hat dies in der Ansparphase seinen Preis, die Zusatzbeiträge steigen.

 

Ob sich ein Beitragsentlastungstarif tatsächlich lohnt, kann pauschal nicht beantwortet werden. Jeder PKV-Versicherte muss dies individuell für sich ermitteln. Nicht zuletzt hängt die Entscheidung für den Zusatztarif und damit den Zusatzbeitrag von der eigenen Spardisziplin ab. Denn während die Versicherungen mit einer Rendite von drei bis vier Prozent auf die angelegten Zusatzbeiträge werben, und dies angesichts der konservativen Anlagepolitik schon relativ hoch erscheint, sind über eine Aktienanlage deutlich höhere Nachsteuerrenditen, wenn auch bei höherem Risiko möglich. Über Investments in breit aufgestellte Indizes wie den DAX 30, den EURO STOXX 50 oder gar den MSCI World (1.600 Unternehmen aus den wichtigsten Industriestaaten) über einen langen Zeitraum hinweg, lassen sich diese Risiken aber deutlich reduzieren. Und die Kostenquote eines ETF-Investments in diese Indizes ist mit jährlichen Gebühren von 0,1 bis 0,2 % unschlagbar günstig. Man muss jedoch die nötige Disziplin mitbringen und Monat für Monat oder auch einen anderen regelmäßigen Zeitraum entsprechende Beträge zurücklegen. Die diversen Sparplangebote der Direktbanken helfen bei der Geldanlage.

Thomas Müncher / Redaktion AnlegerPlus



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