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1. Oktober 2019   INVESTMENT

Riskante Zinswette – warum P2P-Kredite keine Alternative für konventionelle Anlageformen sind

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Der Blick auf die Quartalsabrechnung des Tagesgeldkontos kann einem schon die Tränen in die Augen treiben. Was da so an Zinsen eintrudelt, seit die Europäische Zentralbank die Politik des Nullzinses fährt, ist kaum noch der Rede wert. Wohin also mit dem Ersparten? Man will ja schließlich auch das kurzfristig geparkte Geld nicht völlig renditelos herumliegen lassen.

Als Alternative zu Tagesgeld und Co werden in jüngster Zeit P2P-Kredite immer beliebter. Das sind Kredite, die von Privatpersonen über eine Plattform im Internet direkt an Privatpersonen vergeben werden. Hier locken vermeintlich hohe Renditen vor allem im Ausland: Baltische Plattformen wie Mintos, Peerberry oder EstateGuru versprechen Zinsen jenseits der 10-Prozent-Marke.

Für einige Investoren ist das so verlockend, dass sie nicht nur meinen, einen Ersatz für ihr Tagesgeldkonto gefunden zu haben, sondern damit gar konventionelle Geldanlagen in Sachwerte wie Aktien oder Immobilien ersetzen wollen. Dabei werden die Risiken und die weiteren Nachteile dieser hochriskanten Zinswetten meist völlig ausgeblendet. Tagesgeld kann diese Anlageform schon deshalb nicht ersetzen, weil das Geld je nach Kreditlaufzeit meist langfristig gebunden ist, der Investor also nicht schnell an sein eingesetztes Kapital herankommt.

Was wenn der Plattformbetreiber insolvent wird?

Bei den Plattformen, auf denen der Investor sein Geld in P2P-Kredite anlegt, handelt es sich um keine Banken. Es gibt also folglich keine Einlagensicherung, wie sie etwa in Deutschland Ersparnisse pro Privatperson bis zu 100.000 Euro schützt. Eines der elementarsten Risiken einer P2P-Investition ist also der Bankrott der P2P-Plattform selbst. In diesem Fall ist das eingesetzte Kapital komplett gefährdet, und die Chance, im Rahmen eines Insolvenzverfahrens etwas davon wiederzusehen, dürfte gering sein. Der Investor müsste bei einer Plattforminsolvenz jeden seiner Ansprüche einzeln geltend machen. Und hier liegt das Problem. Ein Beispiel verdeutlicht dies: Eine Anlagesumme von 5.000 Euro kann etwa bei Mintos auf bis zu 500 Einzelkredite aufgeteilt werden. Das reduziert zwar das Ausfallrisiko der einzelnen Kredite, treibt aber den Aufwand, diese bei einer Plattforminsolvenz geltend zu machen, enorm in die Höhe. Hinzu kommt, dass der Investor gar nicht über die Daten der Kreditnehmer verfügt und somit erst herausfinden muss, an wen er sich überhaupt wenden muss.

Weitere Ausfallrisiken bei P2P-Investments

Das offensichtlichste Risiko eines P2P-Investments ist der Ausfall einzelner Kredite. Passiert das zu oft, kann das ganze Investment schnell zu einem Verlustgeschäft werden. Dieses Risiko ist für den Investor nur schwer abzuschätzen. Eine Wirtschaftskrise in einzelnen Ländern etwa kann zu einem massenhaften Ausfall von Krediten in einer bestimmten Region führen, obwohl hier zuvor jahrelang alles gut gelaufen ist.

Das wohl größte Risiko eines P2P-Investments sind aber die so genannten Kreditanbahner. Die meisten Plattformen vergeben die Kredite nicht selbst, sondern treten nur als Vermittler zwischen Investoren und privaten Unternehmen auf. Letzteres finanzieren die Kredite vor und stellen diese dann zur Verfügung. Da es sich dabei um keine Banken handelt, unterliegen sie bei der Kreditvergabe meist auch keiner Regulierung oder staatlichen Überwachung. Die Kredite, die sie vergeben, können an Personen erfolgen, die bei konventionellen Banken aus gutem Grund kein Darlehen bekommen hätten. Dies müssen die Kreditnehmer mit entsprechend hohen Zinsen bezahlen, das Ausfallrisiko ist entsprechend hoch. Auf einigen P2P-Plattformen gibt es eine Rückkaufgarantie seitens der Kreditanbahner (Buyback). Ist ein Darlehen eine bestimmte Zeit in Verzug, kauft das Unternehmen das Darlehen selbst zurück. Diese Garantie ist jedoch mehr ein Versprechen als eine Garantie. Denn fallen zu viele Darlehen aus, wird der Kreditanbahner schnell in Schwierigkeiten geraten, dieses Versprechen zu erfüllen. Somit ist ein weiteres fundamentales Risiko, dass ein Kreditanbahner Insolvenz anmeldet – und die Rückkaufgarantie damit wertlos ist.

Die Vielzahl von Risiken zeigt, dass ein Investment in P2P-Kredite keine konventionelle Anlage in Tagesgeld oder Sachwerte wie Immobilien und Aktien ersetzen kann. Sie ist vielmehr eine hochriskante Zinswette, die Investoren, wenn überhaupt, nur mit Geld eingehen sollten, auf das sie bei einem Totalverlust nicht angewiesen sind. 

Christian Weber, Redaktion AnlegerPlus



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