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16. November 2020   Markt

Software ist die neue Verteidigung

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Während der Coronapandemie bewiesen Tech- und Softwareunternehmen Eigenschaften, die man zuvor nur Unternehmen mit konservativen Geschäftsmodell zugeschrieben hätte. Die Pandemie hat die Qualität dieser Unternehmen signifikant gestärkt.

 

Im Zuge des ersten Lockdowns offenbarte die Pandemie die Anfälligkeit von Unternehmen, die von vielen Investoren zuvor für krisenresistent und konjunkturunabhängig gehalten wurden. Dabei handelte es sich in erster Linie um Unternehmen mit planbaren Erträgen, einer soliden Finanzierung, einem eigentlich krisenfesten Geschäftsmodell sowie hohen Ausschüttungsquoten. Beispiele sind. Fielmann (Megatrend Demografie), freenet (Kommunikation) oder Leifheit (Haushaltsprodukte). Die einzige Schwäche vor dem Hintergrund der Coronapandemie ist, dass diese Unternehmen für den Absatz ihrer Produkte auf ein Filialnetz angewiesen sind. Und eben diese Filialen mussten im Zuge des Lockdowns schließen, wodurch der Absatzweg mit einem Mal trockengelegt wurde.

 

Zwar erholten sich die Aktienkurse der besagten Unternehmen mittlerweile weitestgehend wieder. Doch mit dem Kursfeuerwerk der Tech- und Softwareunternehmen, wie z. B. Amazon, Apple, Nvidia oder Adobe können sie nicht mithalten.

Die Fielmann-Aktie legte z. B. seit Mitte März eine Wurzelkurven-Entwicklung hin und notiert derzeit mit 64 Euro noch deutlich unter dem Höchstkurs von 75 Euro (kurz vor dem Lockdown). Im gleichen Zeitraum hat sich der Kurs der Nvidia-Aktie mehr als verdoppelt und steht mit 446 Euro weit über dem Höchstkurs kurz vor dem Lockdown (damals 290 Euro). Einen ähnlichen Verlauf wie bei Nvidia zeigten die Aktien von Amazon, Apple oder Shopify.

 

Fielmann

Quelle: investing.com


Hintergrund der Kursentwicklung der Tech- und Softwarebranche  war unter anderem die Tatsache, dass während der Coronapandemie viele Unternehmen die längst überfälligen Investitionen in ihre IT-Infrastruktur nachholten und gleichzeitig die schwierige Situation nutzten, um ihr Geschäftsmodell zu digitalisieren und ins Internet zu verlegen. Dies verschaffte den Unternehmen dieser Branchen einen Umsatzschub, da ihre Produkte und Dienstleistungen verstärkt nachgefragt wurden. Experten sprechen davon, dass die Pandemie die Digitalisierungsinvestitionen der kommenden Dekade auf wenige Monate raffte.

 

Gleichzeitig konnte man bei den Profiteuren der Pandemie eine bislang von vielen Investoren übersehene Stabilität des Geschäftsmodells beobachten. Der Vorteil von Softwarelösungen ist, dass diese einmal entwickelt und dann an Millionen von Kunden gleichzeitig ausgeliefert werden können. Darüber hinaus bezahlen die Kunden die Softwareprodukte nicht mehr einmalig, sondern in wiederkehrenden Lizenzzahlungen, was die Erträge der betroffenen Unternehmen planbarer gestaltet. Ein weiterer Vorteil liegt im Absatzweg. Anders als beim Filialgeschäft, das vom Lockdown massiv getroffen wurde, wird Software in der Regel über das Internet ausgeliefert. Fielmann musste z. B. während des Lockdowns teilweise über 80 % Umsatzeinbußen einstecken, während der Umsatz des Internetriesen Amazon um 40 % zulegte. Sicherlich ist Amazon kein reines Softwareunternehmen mehr, jedoch basiert der Absatzkanal der Produkte auf dem Internet und ein weiterer Werttreiber, die Cloud, wurde während der Pandemie stark nachgefragt.

 

Obgleich das Gros der Investoren die Aktien von Amazon, Nvidia, Adobe & Co. derzeit mit einer hohen Volatilität in Verbindung bringt, entwickelten diese Unternehmen in den letzten Jahren Eigenschaften, die von konservativen Investoren ebenso geschätzt werden. Dazu gehören beständige und insbesondere planbare Erträge, eine solide Finanzierung mit Eigenkapitalquoten von bis zu 70 %, hohe zweistellige Margen (Sicherheitspuffer), ein langfristig positiver Ausblick und ein krisenfestes Geschäftsmodell.

 

Nvidia

Quelle: investing.com

 

Seit vielen Jahren gilt für die Tech- und Softwareunternehmen ein Zitat des Netscape-Erfinders Marc Andreessen als inoffizielles Motto: „Software is eating the world“ (Software isst die Welt). Die aktuelle Pandemie hat gezeigt, dass Software und Technologie weit mehr sind. Die Branchen sind die neue Verteidigung. Für Investoren, die ihr Depot krisenfester aufstellen möchten, aber genauso auch für Unternehmen, die es verstehen sich die Möglichkeiten der Digitalisierung zu Nutze zu machen.

 

 

Autor

Georg Redekop absolvierte ein Studium als Wirtschaftsingenieur und ist Mitgründer und geschäftsführender Partner der Redekop & Partner KG (Family-Trust). Er ist Autor des Buches „Der Vermögens-Autopilot“ und Fachautor für die „Börse Online“, die „€uro am Sonntag“ und das „Diplomatische Magazin“. www.georgredekop.de


Bild von Comfreak auf Pixabay




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