29. März 2021   Wirtschaft

Studie zählt 25.000 „Zombie-Unternehmen“

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Dass durch staatliche Hilfen und die teilweise Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zahlreiche sogenannte „Zombie-Unternehmen“ entstanden sind, war bereits vermutet worden. Creditreform und ZEW zeigen nur in einer Studie, dass die finanzielle Unterstützung in der Coronapandemie bereits zu einem hohen Rückstau bei den Insolvenzen geführt hat.

 

Die im Zuge der Coronapandemie bereitgestellten staatlichen Hilfen haben in vielen Fällen Unternehmen begünstigt, die auch ohne den Lockdown in eine existenzielle Krise geraten wären. Auf diese Weise hat sich ein Rückstau bei den Insolvenzen in Höhe von etwa 25.000 überwiegend kleinen Betrieben gebildet. Zu diesem Ergebnis kommen der Verband der Vereine Creditreform und das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in einer gemeinsamen Untersuchung.

Grundlage der Studie sind die Bonitätsdaten von etwa 1,5 Millionen Unternehmen. Die Autoren haben Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit im Vorkrisenzeitraum Juli 2017 bis Dezember 2019 mit dem Coronakrisen-Zeitraum April 2020 bis einschließlich Juli 2020 verglichen. „Dabei zeigte sich, dass insbesondere kleine, finanziell schwache Unternehmen, die unter normalen wirtschaftlichen Umständen mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Insolvenz gegangen wären, ohne Perspektive auf eine erfolgreiche Sanierung durch staatliche Hilfen am Leben gehalten wurden“, sagt Dr. Simona Murmann, eine der Autorinnen der Studie.

Die Folge war, dass in den besonders von der Krise betroffenen Branchen wie der Gastronomie weniger als halb so viele Betriebe Insolvenz anmeldeten als auf Basis der Vorjahre zu erwarten gewesen wäre. Bei Unternehmen, die vor der Krise eine gute Bonität aufwiesen, ist der Studie zufolge kein Rückstau bei den Insolvenzen festzustellen.

 

Trotz Krise Rekordtief bei Insolvenzen

Trotz des tiefen Einbruchs der deutschen Wirtschaft war die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im vergangenen Jahr auf ein Allzeittief seit der Einführung der Insolvenzordnung (InsO) im Jahr 1999 gefallen.

Wenn angeschlagene Unternehmen zeitverzögert aus dem Markt ausscheiden, hinterlassen sie häufig einen besonders großen Schaden – zum Beispiel, weil noch mehr Rechnungen unbezahlt bleiben, was negative Folgen für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der betroffenen Geschäftspartner haben kann. Zudem tritt in diesem Fall die üblicherweise marktbereinigende Wirkung einer Krise erst verspätet in Kraft. „Insolvenzen führen dazu, dass sich die betroffenen Mitarbeiter anderen, effizienter und kreativer arbeitenden Unternehmen zuwenden. Kapital fließt weg von insolventen hin zu wirtschaftlich stabilen Firmen. Dieser Prozess stärkt auch die Produktivität und Innovationskraft einer Volkswirtschaft und wird durch ungerechtfertigte staatliche Finanzhilfen aufgehalten“, heißt es in der Untersuchung.

Creditreform und ZEW stellen nicht die Sinnhaftigkeit der Hilfsmaßnahmen in Frage. Um die Wirtschaft nach dem ersten Lockdown aufrecht zu erhalten und um vor allem größere Insolvenzen zu verhindern, sei eine schnelle staatliche Unterstützung zweifellos notwendig gewesen, betonen die Autoren. Gleichwohl sollten die unerwünschten Begleiterscheinungen der Mittelverteilung nach dem Gießkannenprinzip ein Anlass sein, im weiteren Verlauf der Coronapandemie Finanzhilfen nur nach sorgfältiger Prüfung zu verteilen, fordern Creditreform und ZEW.

 

Redaktion AnlegerPlus

Foto: Pixabay



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