22. Dezember 2015   Finanzen

The same procedure as every year

Neuerungen fr Bankkunden

Der Jahreswechsel ist immer auch der Zeitpunkt für viele Neuerungen, die auf die Bürger zukommen. 2016 macht hier keine Ausnahme. Wir stellen im Folgenden die wichtigsten Punkte vor, die Anleger, Sparer und Versicherte im neuen Jahr betreffen.

Das „Volkskonto“
2016 kommt es, das „Volkskonto“. Dann hat jeder geschäftsfähige Mensch, der sich rechtmäßig in der EU aufhält (auch Obdachlose oder Flüchtlinge), einen Anspruch auf ein Basiskonto. Bereitstellen müssen dieses Basiskonto alle Geschäftsbanken, die Girokonten für Privatkunden verwalten. Zu dem Konto soll der Kontoinhaber eine Girokarte erhalten, mit der er bargeldlos bezahlen und Geld vom Konto abheben kann. Das „Volkskonto“ bietet die grundlegenden Funktionen wie Ein- und Auszahlungen, Überweisungen und Lastschriften und es kann nicht überzogen werden.

Apropos Überziehungen: Banken müssen künftig aktiv auf Bankkunden zugehen, die ihr Girokonto dauerhaft überziehen, d. h. den Überziehungskredit mehr als ein halbes Jahr ununterbrochen zu 75 % ausnutzen. In diesem Fall muss ein zu protokollierendes Gespräch in der Filiale oder per Telefon stattfinden, in dem die Bank den Kunden über kostengünstigere Alternativen berät. Außerdem müssen die Dispozinsen künftig deutlich sichtbar auf den Internetseiten der Banken veröffentlicht werden.

Bessere Information

Höhere Anforderungen an die Transparenz kommen auch auf die Bausparkassen zu. Ab März 2016, wenn das entsprechende Gesetz verabschiedet wurde, werden Bausparer besser informiert. Kreditinstitute, die eine Kombination aus Bausparvertrag und Darlehen anbieten müssen künftig einen Effektivzins angeben, der alle anfallenden Kosten berücksichtig.

Ganz grundsätzlich müssen Banken umfangreicher über die Kreditbedingungen informieren. Und ab März 2016 muss die europäische Wohnimmobilienkreditrichtlinie in Deutschland umgesetzt sein. Banken und Finanzdienstleister müssen dann Kreditberatungen umfassend protokollieren und die Kreditwürdigkeit (wirtschaftlich und finanziell) des Kreditsuchenden genau prüfen (gültig für alle Kredite ab 75.000 Euro). Geplant ist außerdem, Produktinformationsblätter auszuhändigen, aus denen hervorgeht, welche Kosten, z. B. bei der Stellung von Sicherheiten wie Grundpfandrechten, anfallen, so die Postbank in einer Mitteilung von Anfang Dezember.

Dafür wird das Widerrufsrecht des Kreditnehmers allerdings künftig auf ein Jahr befristet, für den Fall, dass die Bank über dieses Recht nicht korrekt informiert hat. Die Jahresfrist beginnt 14 Tage nach dem Erhalt der vertraglichen Widerrufsinformationen, rechnet die Postbank vor. Achtung: der in den Medien unter dem Begriff „Widerrufsjoker“ geführte Sachverhalt soll nur noch bis Mitte Juni 2016 gelten. Wir berichten zu diesem Thema in unserer Ausgabe 1/2016.

Besser informiert werden müssen künftig alle Privatanleger, die einem Unternehmen ein Nachrangdarlehen zur Verfügung gestellt haben. Der Nachrang bedeutet, dass die Anleger im Fall einer Insolvenz des Darlehensnehmers am Ende der Gläubigeranspruchskette stehen würden. Unternehmen, die sich solcher Instrumente bedienen müssen künftig ausführliche Prospekte veröffentlichen und darin u. a. auch wirtschaftliche Details bekannt geben.

Bessere Sicherheit
Mehr Sicherheit soll es künftig für Kunden geben, die ihre Waren im Internet bestellen. Beim Online-Kauf stehen dem Kunden mehrere Zahlungsoptionen offen, von Vorauszahlungen, Zahlungen mit Kreditkarte bis zu Zahlungen über externe Dienstleister wie z.B. Paypal oder Giropay.

Damit die Ausfallrisiken minimiert werden, müssen letztere künftig gemäß der Zahlungsdiensterichtlinie (PSD II) der EU  höhere Sicherheitsanforderungen für die Verarbeitung und Auslösung elektronischer Zahlungen beachten. Z. B. sieht die Richtlinie bei nicht autorisierten Zahlungsvorgängen über externe Zahlungsdienstleister vor, wie die Postbank mitteilt, dass die Haftung des Bankkunden verringert wird. Das bedingungslose Rückerstattungsrecht bei SEPA-Lastschriften innerhalb der ersten acht Wochen soll bestehen bleiben.

Die liebgewordene IBAN

Weil wir gerade bei den Zahlungsvorgängen sind. Ab Februar 2016 müssen sich alle Bankkunden mit der IBAN anfreunden, ob sie wollen oder nicht. Denn ab diesem Zeitpunkt führen die Banken keine Überweisungen ohne die internationale Kontonummer (IBAN) mehr durch. Wussten Sie eigentlich, dass sich die IBAN aus ihrer alten Kontonummer, der Bankleitzahl und einer Prüfziffer zusammensetzt? Am Anfang der IBAN steht immer die Länderkennung, also z. B. DE für Deutschland, es folgt eine zweistellige Prüfziffer, dann die achtstellige Bankleitzahl und zuletzt ihre  Kontonummer. Vielleicht hilft Ihnen das ja, zumindest ihre eigene IBAN im Kopf zu behalten. Falls nicht, sie finden diese auch immer auf Ihren Kontoauszügen.

Freistellungsaufträge kontrollieren
Eine andere Nummer hat es 2016 ebenfalls in sich, die Steueridentifikationsnummer. Über deren Bedeutung für die Auszahlung von Kindergeld haben wir an anderer Stelle schon informiert. Die Nummer muss aber ab 2016 auch auf jedem Freistellungsaufrag eingetragen sein. Das sollte eigentlich bei allen Freistellungsaufträgen der Fall sein, die ab dem 1.1.2011 erteilt wurden, denn dort war die Angabe der persönlichen Steuernummer Pflicht. Bei älteren Aufträgen allerdings könnte diese Nummer fehlen. Die Konsequenz wäre, dass die Banken in diesen Fällen die steuerlichen Abzüge automatisch ans Finanzamt abführen. Daher: Sparer und Anleger sollten noch vor dem Jahreswechsel ihre Freistellungsaufträge überprüfen.

Wie gewonnen …
Im neuen Jahr wird die Rürup-Rente stärker gefördert. Die Postbank teilt mit, dass das Finanzamt 2016 82 % der Einzahlungen bis zum geltenden Höchstbetrag von 22.172. Euro steuerlich anerkennt. Ledige können daher Vorsorgebeiträge bis zu 18.181 Euro und Verheiratete bis zu 36.362 Euro beim Finanzamt geltend machen.

Angehoben wird ab 2016 auch die Förderung bei der Altersvorsorge. Grundlage für die Gehaltsumwandlung aus Bruttolohn ist die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) der gesetzlichen Rentenversicherung. 4 % der BBG können für die Gehaltsumwandlung genutzt werden. Die BBG wurde für 2016 auf 74.400 Euro angehoben, damit können ab 2016 pro Jahr bis zu 2.976 Euro Gehalt (248 Euro monatlich) in betriebliche Altersvorsorgeprodukte eingezahlt werden. Das spart Steuern und Sozialabgaben.

… so zerronnen

Angehoben werden 2016 noch weitere Beitragsbemessungsgrenzen, nämlich die in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung sowie in der Renten- und Arbeitslosenversicherung. Das ist für die Arbeitnehmer weniger erfreulich. Dazu erhöhen im kommenden Jahr viele gesetzliche Krankenkassen ihren Zusatzbeitrag, der alleine von den Arbeitnehmern zu tragen ist. Laut Finanztest steigt der Zusatzbeitrag gemäß den Angaben des Bundesgesundheitsministeriums im Durchschnitt von derzeit 0,9 % dann auf 1,1 %.

Redaktion AnlegerPlus



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