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8. Oktober 2019   Börse

TUI: Profiteur der Thomas-Cook-Pleite

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Die Insolvenz des britischen Touristikkonzern Thomas Cook (ISIN GB00B1VYCH82) hat die europäische Reisebranche kräftig durcheinandergewirbelt. Ein Nutznießer der Pleite wird der Hauptkonkurrent sein: TUI.  

 

Für die Aktionäre des weltgrößten Reisekonzerns TUI waren die letzten eineinhalb Jahre nicht einfach: Die Aktie verlor seit Mitte 2018 mehr als die Hälfte ihres Werts. Von über 20 Euro ging es steil bergab auf unter 8 Euro. Seit der Nachricht von der Pleite des Hauptkonkurrenten Thomas Cook Ende September hellt sich das Chartbild jedoch auf. Zwischenzeitlich notierte die Aktie wieder knapp unter 11 Euro und hat den langfristigen Abwärtstrend damit gebrochen. Nur ein Zwischenhoch? Oder kann das der Auftakt zu einer langfristigen Trendwende sein?

 

Gleich mehrere Analysten haben seit der Pleite von Thomas Cook den Daumen und das Kursziel für TUI angehoben. Mit Thomas Cook verschwindet immerhin der Hauptwettbewerber auf dem britischen sowie ein bedeutender Konkurrent auf dem deutschen Markt. Einerseits dürfte sich der Branchenprimus nun weitere Marktanteile sichern. Noch wichtiger aber: Der Preiskampf der Reiseveranstalter, der seit Jahren tobte und zuletzt immer härter wurde, könnte ein Ende finden oder sich zumindest abschwächen. Angesichts der Überkapazitäten in der Branche entlaste der Wegfall eines großen Spielers die Wettbewerber, so das Argument der Analysten.

 

Marktbereinigung senkt Überangebot

Wenn das so eintrifft, könnte TUI tatsächlich der große Gewinner der bereits 2017 andauernden Marktbereinigung in der Ferien- und Flugbranche sein, die nun schon einige Pleiten hingelegt hat. Allein im Ferienfluggeschäft traf es erst Air Berlin und den britischen Billigflieger Monarch, dann die Air-Berlin-Tochter Niki und später die deutsche Germania. TUI-Chef Fritz Joussen hatte zuletzt auf der Hauptversammlung im Februar ganz offen davon gesprochen, er hoffe, dass durch weitere Insolvenzen oder Übernahmen das Überangebot an Flugtickets schrumpft, das den Preiskampf treibt. Die Thomas-Cook-Pleite dürfte ihm also in die Hände spielen.

 

Joussen ist es zu verdanken, dass TUI im Vergleich zur Konkurrenz heute relativ solide dasteht. Er war es nämlich, der aus einer gefährliche Lage vor zehn Jahren die richtigen Schlüsse zog und den Reisekonzern wieder in die Spur brachte: Joussen setzte auf eigene Hotelketten, eine große Kreuzfahrtflotte und Dienstleistungen für Kunden. „TUI 2019 ist ein komplett anderes Unternehmen als vor fünf Jahren. Wir haben nur noch 30 Prozent traditionelles Veranstaltergeschäft“, beschrieb Joussen die Entwicklung auf der letzten Hauptversammlung. Und tatsächlich stiegen Aktienkurs und Gewinn jahrelang nach oben. Dann aber kam 2018 der große Einbruch.

 

Drei Faktoren lasten auf der Aktie

Vor allem drei Faktoren lasten auf der Aktie. Da ist zum einen die Unsicherheit um den Brexit. Der Reisekonzern muss um Flugrechte fürchten, weil er sich nach einem ungeregelten Brexit nicht mehr mehrheitlich im Eigentum von Aktionären aus dem europäischen Wirtschaftsraum befinden würde. Dadurch dürften seine Tochtergesellschaften nicht mehr auf Strecken innerhalb der EU fliegen. Sollte sich diese unsichere Rechtslage klären – etwa durch eine Sonderregelung – wäre ein dicker Bremsklotz für die Aktie beseitigt.

Eine weitere enorme Belastung ist das Startverbot für die Ferienjets vom Typ Boeing 737 Max. TUI besitzt 15 Maschinen der Reihe in seiner Flotte, acht weitere sind bestellt. Nach dem Startverbot musste man Ersatzmaschinen anmieten. Allein im Geschäftsjahr 2019 verursacht dies Kosten in Höhe von voraussichtlich 300 Millionen Euro.

Der dritte belastende Faktor für die Aktie ist die aktuelle Konjunkturabschwächung: Traditionell trifft eine schwächer laufende Wirtschaft die Reisebranche besonders hart, weil Menschen am ehesten auf Reisen verzichten, wenn sie sparen müssen. Die Erholung der Aktie steht also noch auf wackligen Beinen. Sollten die drei Bremsklötze aber verschwinden, könnte die Aktie, auch angesichts der momentan noch moderaten Bewertung (das erwartete KGV für 2020 liegt bei 6,67), weiter Fahrt aufnehmen.

TUI (ISIN DE000TUAG000):

Quelle: investing.com | Stand: 8.10.2019

Christian Weber



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