14. Juni 2019   MARKT & WERTE

Und jährlich grüßt das Murmeltier

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"Sell in May and go away, but always remember to come back in September.“ Diese Börsenweisheit bedeutet nichts anderes, als einen kompletten Ausstieg aus dem Börsengeschehen während der Sommermonate zu wagen und erst im Herbst wieder aktiv in den Börsenhandel einzugreifen. 

„Sell in May and go away, but always remember to come back in September.“ Diese Börsenweisheit bedeutet nichts anderes, als einen kompletten Ausstieg aus dem Börsengeschehen während der Sommermonate zu wagen und erst im Herbst wieder aktiv in den Börsenhandel einzugreifen. „Sell in May and go away, but always remember to come back in September.“ Diese Börsenweisheit bedeutet nichts anderes, als einen kompletten Ausstieg aus dem Börsengeschehen während der Sommermonate zu wagen und erst im Herbst wieder aktiv in den Börsenhandel einzugreifen. 
In den Sommermonaten sind die meisten Fondsmanager und Privatanleger mit anderen Dingen beschäftigt: Sie sind zum großen Teil in ihren Urlaubsdomizilen im In- und Ausland unterwegs und widmen den Depots und der Börse weniger Zeit als sonst.

Warum kann die Weisheit richtig sein?

Wer so verfährt, hat die Statistik auf seiner Seite. Betrachtet man nämlich die monatliche Wertentwicklung des DAX über die vergangenen 30 Jahre hinweg, waren in den Sommermonaten überdurchschnittlich häufig Kursverluste zu verzeichnen. Während der Mai in diesem Zeitraum mit zwölf negativen Jahren und einer leicht positiven DAX-Durchschnittsperformance noch im Mittelfeld rangiert, landete der Index im Juni 16-mal im roten Bereich. Getoppt wird dieser Wert nur noch vom September mit 18 Negativ-Ergebnissen. Auch der August präsentiert sich in den letzten 30 Jahren mit 15 Minus-Jahren vergleichsweise schwach. Nur der Monat Juli ist etwas besser gelaufen, sofern sich die „nur“ 11 Jahre mit negativem Performancebeitrag als ein positives Ergebnis deuten lassen.

Es ist also durchaus naheliegend, wenn Anleger überlegen, ob sie im September oder Oktober ihre Wertpapiere wieder billiger einsammeln können, die sie im Mai zu einem höheren Preis verkauft haben. Doch mit der entsprechenden Unsicherheit der statistischen Wahrscheinlichkeit des Eintritts dieser Regel im jeweils laufenden Jahr müssen die Anleger leben und diese in ihrer Entscheidung mit berücksichtigen. Wenn sich diese Wahrscheinlichkeit mit beispielsweise 65 % errechnet, sagt das noch lange nichts darüber aus, ob die Weisheit auch in diesem Jahr Gültigkeit behält. Für manche Anleger reicht die Quote aus, gemäß der „Börsenregel“ zu verfahren, für andere müsste die Wahrscheinlichkeit höher ausfallen, um sich daran zu orientierten.

Und dieses Jahr?

Eine hundertprozentige Sicherheit, wohin sich die Börsen bewegen, wird es jedenfalls nicht geben. Und so stehen die Anleger auch dieses Jahr wieder vor der Entscheidung, wie sie verfahren sollen. In einer Zeit, in der die Börsen u. a. von Tweets des amerikanischen Präsidenten beeinflusst werden, kann sich das Klima an den Märkten ständig sowohl positiv als auch negativ verändern. Zuletzt sah man das mit positiven Vorzeichen bei der Aussetzung der Strafzölle auf europäische Autoimporte für die nächsten sechs Monate. Der DAX verfiel in eine fast euphorische Stimmung, weil Trump es sich aktuell nicht leisten kann, eine weitere Front im Wirtschaftskrieg zu eröffnen.

Zunächst muss der US-Präsident sich um den Handelsstreit mit China kümmern. Das schlug der Börse jüngst dagegen etwas auf den Magen. Denn die von den Marktteilnehmern erhoffte schnelle Einigung wird es wahrscheinlich nicht geben. Die Verhandlungen zwischen den USA und China verliefen bisher ohne greifbare Ergebnisse. Trump setzte daher die Zölle auf chinesische Importe im Volumen von 200 Mrd. US-Dollar im Jahr von 10 % auf 25 % hoch. Und hat er noch ein Ass im Ärmel: Er kündigte an, die verbleibenden chinesischen Importe im Volumen von 300 Mrd. US-Dollar bei Bedarf ebenfalls mit 25 % zu besteuern. Wie man Trump kennt, wird er das ggf. auch machen. China wiederum reagierte darauf mit Strafzöllen auf US-Importe im Volumen von 60 Mrd. US-Dollar. Damit ist man im Reich der Mitte jedoch am Ende der Fahnenstange angekommen. Denn mehr importiert der rote Riese nicht aus den USA. Das verstärkt den Einigungsdruck auf chinesischer Seite. Finden die beiden Kontrahenten während des Sommers eine Lösung des Handelskonflikts, dann könnten wir trotz Urlaubszeit ein Feuerwerk an den Börsen erleben.

Ein weiteres Problem, das auf den Märkten lastet, ist der Brexit. Das Brexit-Chaos ist durch den angekündigten Rücktritt der britischen Premierministerin Theresa May ja keineswegs gelöst. Schon gar nicht, wenn der sich herauskristallisierende Favorit Boris Johnson ihr Nachfolger im Amt wird. Was aber, wenn doch? Und dann wäre da noch der Ölpreis, der immer wieder massiv durch die politische Agenda beeinflusst wird und seinerseits Auswirkungen auf die Börsen hat. Wie können die Konfliktherde im Iran und in Venezuela gelöst werden (militärisch oder politisch) und wie werden die Märkte darauf reagieren?

Fazit

Diese und andere weltpolitisch Probleme, die man heute vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm hat, werden die Börsen und damit die Depots der Anleger diesem Sommer über begleiten. Wer verkauft, muss sich bei steigenden Kursen im September möglicherweise wieder teuer eindecken. Wer dagegen ruhig bleibt, ärgert sich womöglich über Kursverluste. Wer allerdings langfristig orientiert investiert, der kann die Sommerschwankungen getrost aussitzen und die eingesparten Transaktionskosten anderweitig verwenden. Denn diese Börsenweisheit gibt es ja schließlich auch: „Hin und her macht Taschen leer.“ In diesem Sinne wünschen wir allen Lesern das richtige Händchen für die kommenden „heißen“ Tage.

Torsten Arends



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