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10. März 2021   Steuern

Veräußerung wertloser Aktien: BFH entscheidet im Sinne der Anleger

Justitia1

In einer kürzlich veröffentlichten Entscheidung hat der Bundesfinanzhof (BFH) die Rechte von Anlegern bei der Verlustverrechnung von Aktiengeschäften gestärkt.

 

Ein Aktionär verkaufte die für 4.685 Euro erworbenen Aktien eines inzwischen insolventen Unternehmens für 10 Euro an einen anderen Anleger. Im Gegenzug erhielt er von diesem zusätzlich zu dem Verkaufspreis komplett wertlose Aktien. In diesem Gegengeschäft sah das Finanzamt einen Gestaltungsmissbrauch und lehnte die beantragte Anerkennung des Veräußerungsverlusts in Höhe von 4.675 Euro ab. Dagegen klagte der Aktionär erfolgreich vor dem Finanzgericht. Das Finanzamt ging in Revision, wodurch schließlich eine Entscheidung des BFH herbeigeführt wurde.

Aus Sicht des Finanzamts war die Gestaltung des Geschäfts nur aus buchungstechnischen Gründen gewählt worden, um steuerliche Verluste zu erzielen und diese mit Aktiengewinnen zu verrechnen. Der BFH ließ dieses Argument nicht gelten und wertete das Gegengeschäft als unerheblich. Der Aktionär habe lediglich von den gesetzlich vorgesehenen Gestaltungsmöglichkeiten Gebrauch gemacht, diese aber nicht missbraucht.

 

Die Übertragung der wertlosen Aktien an einen Dritten sei die einzig sinnvolle legale Möglichkeit, die Wertpapiere zu veräußern. Dass eine entgeltliche Veräußerung selbst bei einem symbolischen Kaufpreis vorliegt, hatte der BFH bereits in einer Entscheidung aus dem Jahre 2011 bekräftigt. Das gelte sogar dann, wenn keine Gegenleistung erbracht werde, entschied der BFH in einem weiteren Fall 2015.

Für betroffene Aktionäre in Schieflage geratener Unternehmen bedeutet die jüngste Entscheidung zur Veräußerung (fast) wertloser Aktien Rechtssicherheit, wenn es um die steuerliche Verlustverrechnung geht. „Das ist ein gutes und wichtiges Urteil für Privatanleger“, kommentiert der SdK Vorstandsvorsitzende Daniel Bauer.

Wichtig zu wissen ist, dass eine Veräußerung vorliegen muss, um Verluste steuerlich geltend zu machen. Ein Kurzabsturz oder ein Delisting allein bedeuten noch nicht die Realisierung eines Verlusts.

 

Redaktion AnlegerPlus

Bild: © Pulwey - fotolia.com