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15. Juni 2016   Steuer

Verluste aus dem Verfall von Optionen

Steuer

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat in drei Urteilen (Az. IX R 48/14, IX R 49/14 und IX R 50/14 jeweils v. 12.1.2016) entschieden, dass die Verluste aus dem Verfall wertloser Optionen ertragsteuerlich berücksichtigungsfähig sind, und damit seine bisherige Rechtsprechung geändert.  

In den vom BFH entschiedenen Fällen wurden (Aktien-) Optionen aufgrund ihrer schlechten Wertentwicklung bei Fälligkeit nicht ausgeübt, sondern die Anleger haben diese verfallen lassen. Daraus entstand bei den Anlegern ein wirtschaftlicher Verlust, bestehend aus Anschaffungs- und Anschaffungsnebenkosten.  Die steuerliche Geltendmachung dieses Verlustes wurde den Anlegern jedoch bislang durch die Bundesfinanzverwaltung (BMF) verwehrt.  Nach dem BMF soll der Verfall einer Option nicht steuerbar sein und daher nicht ertragsteuerlich geltend gemacht werden können.  

Änderung der Rechtsprechung
Dem trat der BFH nun entgegen.  Es komme zunächst nicht darauf an, ob für das jeweilige Optionsgeschäft der Erwerb eines Basiswerts, ein Bar- oder ein Differenzausgleich vereinbart sei.  
Aufgrund des mit dem Unternehmenssteuerreformgesetz 2008 geänderten Gesetzeswortlauts zu den Kapitaleinkünften betrachte der BFH die Anschaffung einer Option und den Ausgang des Optionsgeschäfts nun als Einheit (in Abweichung der Rechtsprechung zur früheren Rechtslage).  Schließe der Steuerpflichtige mit Gewinnabsicht ein Termingeschäft ab, so sei jedweder Ausgang des Geschäfts ohne zeitliche Beschränkung in vollem Umfang steuerbar (so insbesondere Ziffer 18 des Urteils Az. IX R 48/14).   

Der aus dem Verfall wertloser Optionen entstehende Verlust ist folglich mit anderen Einkünften aus Kapitalvermögen (wie Zinsen oder Dividenden) verrechen- und steuerlich nutzbar.  Ein Verlustrücktrag ist bei Verlusten aus Kapitalvermögen jedoch nicht möglich.  

Abgrenzung zu Knock-Out Produkten
Die in den BFH-Entscheidungen vom 12.1.2016 getroffenen Wertungen sind jedoch nicht unmittelbar auf sog. Knock-Out- und andere Hebelprodukte übertragbar, bei welchen der Verfall gleichsam automatisch bei Erreichen einer bestimmten Schwelle eintritt.

Mit Urteil vom 10.11.2015, Az. IX R 20/14, hat der BFH nämlich entschieden, dass der Verfall von Knock-Out-Produkten keinen steuerbaren Verlust darstelle. Die Entscheidung erging allerdings zur alten Rechtslage, d. h. für vor dem 1.1.2009 entstandene Verluste. Zur aktuellen Rechtslage ist derzeit ein Verfahren beim BFH zur Entscheidung anhängig (Az. VIII R 37/15).  

Transaktionskosten und Veräußerungspreis
Im Regelfall sind Verluste aus Kapitaleinkünften nur steuerlich berücksichtigungsfähig, wenn sie Ergebnis eines Veräußerungsgeschäftes sind oder ersatzweise einer Einlösung, Rückzahlung, Abtretung oder verdeckten Einlage.

Aus Sicht der Finanzverwaltung gilt es nun, wirtschaftlich sinnlose Transaktionen, welche jedoch in steuerlich berücksichtigungsfähigen Verlusten resultieren, auszusondern. Und dabei orientiert sich die Finanzverwaltung an den Transaktionskosten (d. h. die Veräußerungsnebenkosten wie Bankgebühren etc.) und zwar nach folgender Systematik: Liegen die Transaktionskosten  über dem Veräußerungspreis, sind die Verluste steuerlich nicht berücksichtigungsfähig.  
In der Praxis führt diese Systematik dazu, dass bei wirtschaftlicher Fehlentwicklung die meisten Optionsgeschäfte nicht steuerlich abzugsfähig wären. Denn geht die Option nicht auf, wird diese zu einem symbolischen Veräußerungspreis, der gegen 0,00 Euro tendiert, verkauft und der Veräußerungserlös dürfte damit wertmäßig unter den Transaktionskosten liegen.  

Zu diesem Thema sind derzeit keine anhängigen Gerichtsverfahren bekannt. Allerdings, inwiefern diese Vorgehensweise auf Dauer Bestand haben wird, ist fraglich.  In seinem Urteil vom 12.5.2015 (Az. IX R 57/13) hatte der BFH in der Urteilsbegründung nämlich festgestellt, dass eine entgeltliche Übertragung auch dann vorliege, wenn für eine wertlose Beteiligung naturgemäß keine Gegenleistung gezahlt werde.  Diese Aussage könnte dahin gedeutet werden, dass es erst recht nicht auf die (positive) Differenz zwischen Transaktionskosten und Veräußerungspreis ankommen kann, wenn schon keine Gegenleistung zu erbringen ist.  

Was sollten Anleger tun?

Zunächst einmal muss der Anleger klären, welche Art von Optionsprodukt mit Verlust verkauft wurde. Je nachdem ergeben sich dann unterschiedliche Vorgehensweisen gegenüber dem Finanzamt:

Verluste aus dem Verfall von Optionen:

Ansatz der Verluste und Verrechnung mit Gewinnen aus Kapitalvermögen unter Berufung auf die o.g. Urteile des BFH.  Ggf. Einspruch gegen ablehnenden Bescheid unter Hinweis auf die schon ergangenen Urteile und ein weiteres bereits anhängiges Verfahren mit vergleichbarem Sachverhalt (Az. VIII R 40/15).

Verluste aus dem Verfall von Knock-Out Produkten:
Ansatz der Verluste und Verrechnung mit Gewinnen aus Kapitalvermögen (sofern die Verluste nach dem 1.1.2009 entstanden sind),  Einspruch gegen ablehnenden Bescheid, Offenhalten des Verfahrens mit Hinweis auf das beim BFH anhängige Verfahren (Az. VIII R 37/15).


Katharina Schweitzer, Schneider + Partner GmbH / Redaktion AnlegerPlus



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